Inhalt / Kritik

Legende 1985

„Legende“ // Deutschland-Start: 21. November 1985 (Kino) // 1. November 2005 (DVD)

Eines gibt es, wonach sich der Herr der Finsternis (Tim Curry) über alles sehnt: eine Welt, in der niemals die Sonne aufgeht. Doch dafür muss er zunächst alle Einhörner vernichten, die mit ihrer Zauberkraft das Gute in der Welt beschützen. Und so schickt er seine Kobolde los mit dem Ziel, die letzten verbleibenden Einhörner ausfindig zu machen und zu töten. Tatsächlich gelingt es ihnen, eines der beiden zu erwischen, während es von der ahnungslosen jungen Prinzessin Lily (Mia Sara) gestreichelt wird, die immer wieder in den Wald kommt, um dort den Waldläufer Jack (Tom Cruise) zu besuchen. Doch das allein reicht noch nicht. Erst wenn auch die Stute, das letzte aller Einhörner, tot ist, kann der Herr der Finsternis seine volle Macht entfalten. Und nur Jack und die Feen können dies noch verhindern …

In einer fremden Welt

Mitte der 1980er war die Filmografie von Ridley Scott zwar noch recht überschaubar. Doch es war dem Regisseur zuvor gelungen, sich mit zwei aufeinanderfolgenden düsteren Science-Fiction-Film – Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt und Blade Runner – bereits einen Namen zu machen. Zwei Filme, die heute als absolute Klassiker in dem Genre gelten. Umso größer war die Überraschung, welches Werk den beiden nachfolgen sollte. Nicht nur, dass der Engländer in Legende futuristische Welten voller Außerirdischer, Raumschiffe und künstlicher Intelligenzen gegen eine Fantasywelt eintauschte, in der Feen, Kobolde und Einhörner lebten. Auch der Ton war ein ganz anderer, orientierte sich stärker an den Märchen von einst.

Da lag der Verdacht natürlich nahe, dass Scott nach den vorangegangenen Filmen mal etwas Neues ausprobieren wollte. Tatsächlich war Legende aber ein lange gehegter Herzenswunsch, der älter als die beiden obigen Filme war, jedoch mehrfach verschoben werden musste, da sich niemand für die Finanzierung fand. Am Ende klappte die Umsetzung doch noch. Finanziell gelohnt hat sich diese aber nicht, an den Kinokassen enttäuschte das Abenteuer. Erst später erwärmte sich das Publikum nach und nach dafür, heute wird gerne mal mit Begriffen wie Klassiker und Kult um sich geworfen. Dabei ist das Lob meist ungleich verteilt. Denn während manche Elemente damals wie heute überzeugten, sind andere kaum erwähnenswert.

Klaustrophobisch-verwunschene Orte

Auf der Plusseite steht dabei eindeutig die Optik – sofern man mit der richtigen Erwartungshaltung rangeht. Um ein episches Fantasyabenteuer à la Der Herr der Ringe handelt es sich bei Legende keinesfalls. Auch wenn es hier um den prototypischen Kampf von Gut gegen Böse geht, Schlachten gibt es hier keine. Die wenigen Kämpfe, die es gibt, sind schnell vorbei. Aber auch beim Setting ist das hier alles eine ganze Spur kleiner. Weiträumige Landschaften? Die sind nirgends zu sehen. Stattdessen erwarten einen hier Wälder und das Schloss des Antagonisten, die beide etwas Klaustrophobisches an sich haben. Und etwas Bühnenhaftes: In vielen Szenen meint man, einem aufwendig ausgestatteten Theaterstück zuzusehen, weniger einem Film.

Aber das muss ja nicht zwangsläufig schlecht sein. Ein Jahr zuvor hatte schließlich Die Zeit der Wölfe gezeigt, wie viel Atmosphäre auf engem Raum erzeugt werden kann. Das gilt bei Legende genauso. Die sonderbaren Feen und Zwerge, die bizarre Sumpfhexe Meg Mucklebones, sie tummeln sich vor Landschaften, die gleichermaßen verwunschen und idyllisch wirken, ein bisschen so, als würde man durch einen Traum stolpern. Auch die Masken der Kreaturen sind geglückt. Geradezu ikonisch ist in der Hinsicht natürlich der Herr der Finsternis, auf wunderbar diabolische Weise durch Tim Curry (The Rocky Horror Picture Show, Es) vertont. Im Vergleich dazu sind die beiden jungen Menschen Lily und Jack Leichtgewichte.

Fantasy ohne Fantasie

Die Geschichte ist ohnehin ein solches. Durch den rund 20 Minuten längeren Director’s Cut, der nicht nur für Scott selbst die ultimative Fassung darstellt, gewinnt der Film zwar an Tiefe und Charakter. So oder so ist Originalität jedoch nicht unbedingt die Stärke von Legende. In seiner Sehnsucht, ein klassisches Märchen auf die Beine zu stellen, haben Scott und Drehbuchautor William Hjortsberg, der zuvor mehrfach daran gescheitert war, seine Fantasygeschichten zu verkaufen, ein Werk erschaffen, dem es an einer wirklichen Aussage mangelt. Die einzelnen Elemente sind nicht Teil eines größeren Ganzen, sondern reiner Selbstzweck. Das sieht dann am Ende alles gut genug aus, dass man nicht unbedingt weiter darüber nachdenken muss oder will. Trotzdem ist es ein bisschen schade, dass der visuellen Kreativität keine vergleichbare inhaltliche zur Seite stand. Der Film hat weder die psychologische Tiefe des oben genannten Die Zeit der Wölfe, noch eine vergleichbare Emotionalität wie Das letzte Einhorn, sondern ist einfach nur irgendwie da.

Credits

OT: „Legend“
Land: USA
Jahr: 1985
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: William Hjortsberg
Musik: Jerry Goldsmith, Tangerine Dream
Kamera: Alex Thomson
Besetzung: Tom Cruise, Mia Sara, Tim Curry, David Bennent, Alice Playten, Billy Barty, Cork Hubbert

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1987 Bestes Make-up Rob Bottin, Peter Robb-King Nominierung
BAFTA Awards 1986 Beste Kostüme Charles Knode Nominierung
Bestes Make-up Rob Bottin, Peter Robb-King Nominierung
Beste Spezialeffekte Nick Allder, Peter Voysey Nominierung

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Legende
Seinerzeit konnte „Legende“ das Publikum weniger begeistern, heute hat es eine treue Fangemeinde. Das liegt jedoch mehr an der visuellen Ausgestaltung und einem grandios diabolischen Tim Curry. Inhaltlich orientierte man sich hingegen an klassischen Märchen, vergaß dabei aber, eine erwähnenswerte Geschichte zu erzählen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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