Capone
© Leonine

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Inhalt / Kritik

Capone
„Capone“ // Deutschland-Start: 26. März 2021 (DVD/Blu-ray)

Mitte der 1940er Jahre ist der ikonische Gangsterboss Capone (Tom Hardy) nach mehr als einem Jahrzehnt Gefängnisaufenthalt wieder ein freier Mann. Die Zeit im Gefängnis hat jedoch seine Spuren hinterlassen, von Neurosyphilis und Demenz betroffen, ist Capone nur noch ein Schatten seiner selbst. Dabei bräuchte er unbedingt sein gutes Gedächtnis, um die versteckte Beute wiederzufinden. Und so versucht der kranke Patriarch im Kreise seiner Familie, die Erinnerung an die Millionen von Dollar zu bewahren, die er auf seinem Grundstück versteckt hatte. Und das ist nicht sein einziges Problem, liegt doch das FBI immer noch auf der Lauer.

Der Kampf gegen Paranoia und die Vergangenheit

Erneut hervorragend gespielt, stellt sich Tom Hardy einmal mehr als Topbesetzung für Schwerstverbrecher-Rollen heraus, man denke nur einmal an den unter Nicolas Winding Refn entstandenen Bronson zurück. Dennoch sollte man es vermeiden, mit einer ähnlichen Erwartungshaltung an Capone heran zu gehen, da sich der in erster Linie auf den Verfall des Individuums konzentriert. Anders als bei Charles Bronson, bei dem zumindest ein paar Szenen für den einen oder anderen Lacher sorgen, hat man hier nichts zum Lachen, im Gegenteil. Es ist damit ein sehr viel ernsterer Film – dies strahlt auch die melancholische Atmosphäre aus.

Capones Wahnvorstellungen, die sich den ganzen Film durchziehen, sind dafür das beste Beispiel. Diese Flashbacks aus der Vergangenheit kristallisieren auf der einen Seite zwar recht anschaulich den Drang nach dem Vergangenen oder besser gesagt nach einer besseren Zeit heraus, wirken dabei aber oftmals etwas willkürlich. Man fragt sich am Ende daher, was diese symbolischen Wahnvorstellungen nun ganz konkret zu bedeuten haben. Von einem psychologischen Thriller, in dem das Individuum noch einmal seine Vergangenheit durchleben muss, ist Capone auf der anderen Seite aber auch meilenweit entfernt. Die Frage nach dem zentralen Thema des Films erweist sich damit als leicht kompliziert.

Der Gangsterfilm auf dem Prüfstand

Der Umstand, dass sich der Fokus gegen Ende hin auf das Finden des Capone-Schatzes verlagert – es handelt sich um 10 Millionen Dollar – verstärkt den Eindruck, dass sich die Macher ab einen gewissen Punkt etwas verrennt haben. Schaut man dagegen auf vergleichbare Filme, zum Beispiel auf Ridley Scotts grandioses Gangsterbiopic American Gangster so liegen bedauerlicherweise Welten dazwischen. Dies mag unter anderem aber auch daran liegen, dass sich Capone mit gerade einmal 100 Minuten als relativ kurz herausstellt und dadurch die eine oder andere Frage unbeantwortet lässt. Hinzu kommt, dass sich im Nachhinein ein gewisses Vorwissen zu dem Gangsterboss als nützlich erwiesen hätte. Wer sich mit Al Capone also noch gar nicht auseinander gesetzt hat, der könnte mit Tranks Werk einige Schwierigkeiten haben. Abgesehen von Tom Hardy, der einmal mehr brilliert, hat Capone in der Gesamtheit deshalb einige Hürden, um gänzlich zu überzeugen. Vielleicht liegt es aber auch an Klassikern wie Der Pate oder Scarface, die einfach für höhere Ansprüche im Genre des Gangsterfilms sorgen.

Credits

OT: „Capone“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Josh Trank
Drehbuch: Josh Trank
Musik: El-P
Kamera: Peter Deming
Besetzung: Tom Hardy, Linda Cardellini, Jack Lowden, Noel Fisher, Kyle MacLachlan, Matt Dillon

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Nach zehn Jahren Gefängnis ist Gangsterboss Al Capone wieder auf freiem Fuß. Gebeutelt von psychischen und körperlichen Leiden, beginnt sein letzter Lebensabschnitt. Verkörpert von Tom Hardy, stellt sich „Capone“ als ein Portrait über den Verfall des Individuums heraus.
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von 10