Kritik

Psycho Collection

„Psycho II“ // Deutschland-Start: 15. Juli 1983 (Kino) // 1. März 2007 (DVD)

Nach 22 Jahren in einer Nervenheilanstalt kehrt Norman Bates (Anthony Perkins) zurück in das Motel und damit das Haus, welches er einst mit seiner Mutter teilte. Sein behandelnder Arzt Bill Raymond (Robert Loggia) ist zuversichtlich, dass Norman es schaffen wird, sich in die Gesellschaft wieder einzugliedern. Lila Loomis (Vera Miles), deren Schwester einst von Norman umgebracht wurde, führt eine Reihe von Bürgern und Angehöriger der Opfer an, die es als Affront betrachten, dass Bates nun nicht nur auf freiem Fuß ist, sondern gar als geheilt betrachtet wird. Währenddessen versucht Norman sich ein normales Leben aufzubauen, doch es dauert nicht lange und die Erinnerungen an die Kontrolle der Mutter sowie die Taten, die er in ihrem Namen beging, kehren wieder. Als dann noch Mary (Meg Tilly), die Norman während seiner Arbeit in einem örtlichen Schnellrestaurant kennengelernt hat, bei ihm einzieht, werden die Erinnerungen immer häufiger und die Stimme seiner Mutter kehrt zurück in den Kopf Normans. Schließlich findet Norman überall im Haus geheimnisvolle Notizen, deren Ursprung für ihn zunächst ein Rätsel ist, bis er meint, seine Mutter habe diese hinterlassen oder diese habe wieder sie Kontrolle über seine Taten übernommen. Eine Mordserie in der Stadt scheint Normans Verdacht zu bestätigen.

Der Fluch der Vergangenheit

Alleine die Idee, auf einen so populären und gefeierten Film wie Alfred Hitchcocks Psycho eine Fortsetzung folgen zu lassen, ist oberflächlich betrachtet zum Scheitern verurteilt, da sich dem Zuschauer praktisch bei jedem Bild ein Vergleich mit dem Original aufdrängt, was der Fortsetzung meist schadet. Selbst Regisseur Robert Franklin war skeptisch, als man ihm die Regie an Psycho II anbot, nicht zuletzt auch wegen des Misserfolgs von Robert Blochs Romanfortsetzung. Dennoch konnte sich Franklin für die Fortführung der Geschichte um Norman Bates erwärmen, ignorierte dabei gänzlich Blochs Roman und arbeitete zusammen mit Regisseur und Drehbuchautor Tom Holland an einem Film, der sich darauf konzentriert, ob jemand mit einer Vorgeschichte wie Norman zu einem normalen Leben fähig ist oder ob er an der Herausforderung scheitert.

Ein Zuschauer, der also stets das Original zwecks eines Vergleiches mit Franklins Fortsetzung bemüht, wird wahrscheinlich wenig Freude an Psycho II haben. Natürlich ist Hitchcocks Original in erzählerischer wie auch formaler Hinsicht ein weitaus besserer Film, dennoch kann man keinesfalls behaupten, dass Psycho II deswegen ein schlechter Film sie oder keine zumindest sinnvolle Ergänzung zu der Geschichte um den Charakter Norman Bates darstelle. Weniger ein handfester Thriller, ist Psycho II vor allem das Drama eines Menschen, der versucht den Fluch der Vergangenheit und die Kontrolle seiner Mutter über sich abzustreifen. Trotz der ermutigenden Worte seines Arztes und des Zuspruchs seiner Bekanntschaft Mary sieht man Norman den Widerwillen an, seine alte Wirkungsstätte zu betreten. So ist Psycho II weniger ein Psychothriller, sondern vielmehr ein Psychodrama über den Kampf eines Menschen um seinen Körper und seine Seele.

Ein verwunschenes Haus

Diese sich einschleichenden Erinnerungen und Visionen der Vergangenheit bestimmen zudem die Form des Films, vor allem die Bildkompositionen Dean Cundeys. Mit teils deutlichen Verbeugungen in Richtung des Vorgängerfilms werden jene bekannten Orte – das Schlafzimmer und vor allem der Keller, in welchem das Finale in Hitchcocks Film stattfindet – inszeniert, als verwunschene Stätten, in denen die Vergangenheit und die Familiengeschichte aufeinander treffen. Wirkte das Haus im ersten Film schon wie eine Spukhaus, so ist es in Franklins Fortsetzung endgültig eines geworden, welches die Hauptfigur heimsucht und als Metapher für den inneren Kampf Normans stehen kann.

Darüber hinaus muss man vor allem Anthony Perkins Darstellung als Norman Bates loben. Durch seine verhuschte Mimik und Gestik zeigt sich jener gerade beschriebene Konflikt eines Mannes, in dessen Brust zwei Seelen miteinander kämpfen, der sich von der Vergangenheit nicht lösen kann, dies aber so inständig will.

Credits

OT: „Psycho II“
Land: USA
Jahr: 1983
Regie: Richard Franklin
Drehbuch: Tom Holland
Musik: Jerry Goldsmith
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Anthony Perkins, Vera Miles, Meg Tilly, Robert Loggia

Trailer

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Psycho II
„Psycho II“ ist ein Psychodrama, in dessen Zentrum die von Anthony Perkins gespielte Figur des Norman Bates steht und wie dieser versucht, die Vergangenheit zu verarbeiten und hinter sich zu lassen. Mag Richard Franklins Film einem direkten Vergleich mit Alfred Hitchcocks Vorgängerfilm nicht standhalten, so ist es doch zumindest eine Fortsetzung, welche sich durch ihre Eigenständigkeit ihre Existenzberechtigung hat und die Geschichte des Vorgängers interessant weiterspinnt.
7von 10

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