Kritik

Hilfe ich hab meine Eltern geschrumpft DVD

„Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft“ // Deutschland-Start: 18. Januar 2018 (Kino) // 18. Juni 2018 (DVD/Blu-ray)

Nach einem eher turbulenten Start hat sich Felix (Oskar Keymar) inzwischen gut an der Otto-Leonhard-Schule eingelebt. Er hat Freunde gefunden, nach dem gemeinsam durchstandenen Abenteuer ist auch das Verhältnis zu Direktorin Dr. Schmitt-Gössenwein (Anja Kling) deutlich besser. Dafür droht nun privat Ungemach: Sein Vater Peter (Axel Stein) will aus beruflichen Gründen nach Dubai, zusammen mit seiner Frau Sandra (Julia Hartmann) und Felix. Für den Jungen, der sich endlich einmal in seinem Leben richtig wohlfühlt, ist das eine Katastrophe. Und es ist nicht die einzige. Der Geist der ehemaligen Direktorin Hulda Stechbarth (Andrea Sawatzki) ist zurückgekehrt und will die Kontrolle über die Schule zurückbekommen. Und als wäre das nicht schon chaotisch genug, werden sowohl Felix’ Eltern wie auch Schmitti zusammengeschrumpft, weshalb es mal wieder an den Schülern liegt, die Schule zu retten …

Business as usual

Nach dem großen Erfolg von Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft war es natürlich naheliegend, da noch irgendwie dran anschließen zu wollen. Dass dafür diesmal keine Romanvorlage von Sabine Ludwig zur Verfügung stand, war da nicht weiter störend. An die hatte man sich ja schon beim ersten Teil nicht so wirklich gehalten. Und so konnte sich Drehbuchautor Gerrit Hermans, der erneut für die Geschichte zuständig war, beim zweiten Anlauf dann so richtig austoben. Solche Freiheiten können natürlich viele neue Möglichkeiten eröffnen, wenn dann plötzlich alles geht. Es besteht aber auch die Gefahr, sich dabei völlig zu verlaufen und keine wirkliche Richtung mehr zu haben.

Die gute Nachricht ist, dass Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft in der Hinsicht keine gröberen Fehler begeht. Auch wenn die neue Geschichte mehr oder weniger eigenständig ist, schließt sie schon nahtlos an die des Vorgängers an. So nahtlos, dass neu hinzugekommene Zuschauer und Zuschauerinnen ihre Probleme haben könnten, dem Ganzen zu folgen. Denn einen erklärenden Rückblick gibt es nicht. Der andere Nachteil ist, dass man hier schon das Gefühl hat, dass der Wille zur Wiederholung größer war als die kreative Inspiration. Da wird schon recht viel einfach wieder ausgepackt, in der Annahme, dass das beim zweiten Mal schon funktionieren wird.

Das bedeutet in erster Linie, dass die zusammengeschrumpften Erwachsenen in peinliche bis gefährliche Situationen geraten, weil selbst einfachste Tätigkeiten und Gegenstände zu einer Herausforderung werden. Das wird dem jungen Zielpublikum diebische Freude bereiten, die jetzt endlich mal ihre Eltern zu hilflosen Geschöpfen machen und die Hierarchien dabei umdrehen. Denn jetzt ist es Felix, der sich um nörgelnde Winzlinge kümmern muss. Das ist einerseits unangenehm und nervig. Gleichzeitig kann er auf diese Weise implizit alles heimzahlen, was er selbst erdulden musste, wenn ihm die beiden ausgeliefert sind und auch mal auf das hören müssen, was er sagt – da haben sie schließlich keine andere Wahl.

Ein Drehbuch ohne Ambitionen

Sonderlich einfallsreich sind diese Szenen aber nicht. Tatsächlich ist der Humor wie schon beim ersten Teil eher schwach. Die Witze schwanken zwischen anstrengend und nervig – umso mehr, da das Prinzip zu wenig variiert wurde im Vergleich zum letzten Mal. Dafür hat Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft einen großen Vorteil: Andrea Sawatzki. Die deutsche TV-Allzweckwaffe (Sportabzeichen für Anfänger, Familie Bundschuh im Weihnachtschaos) ist als fiese, klapprige Wiederkehrerin, die jeglichen Spaß von der Schuhe vertreiben möchte, der eindeutige Höhepunkt des Films und lässt einen dabei vergessen, dass Otto Waalkes’ Geist zwar über allem schwebt, er aber nicht wirklich mehr dabei ist.

Schade ist aber, dass auf diese Weise auch die leisen Mystery- und Abenteuerelemente des Vorgängers verschwunden sind. Da Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft zudem erneut den Fehler macht, diverse Elemente einzuführen, um sie dann aber verkümmern zu lassen – darunter den lieblosen Nebenstrang um den unglücklichen Mitschüler Mario –, kommt der zweite Teil daher erneut nicht über das Mittelmaß hinaus. Kinder können sich das anschauen, an den Kinokassen war der Nachfolger ebenfalls ein beachtlicher Erfolg. Aber da wäre doch deutlich mehr möglich gewesen mit mehr Liebe zum Detail und einem Drehbuch, das seine Figuren mit mehr Persönlichkeit ausstattet.

Credits

OT: „Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft“
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Tim Trageser
Drehbuch: Gerrit Hermans
Musik: Anne-Kathrin Dern
Kamera: Felix Poplawsky
Besetzung: Oskar Keymer, Anja Kling, Lina Hüesker, Axel Stein, Julia Hartmann, Andrea Sawatzki

Bilder

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Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft
„Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft“ knüpft nahtlos an den Vorgänger an und bietet erneut Kinderunterhaltung, die in erster Linie auf Chaos und dem Umkehr von Hierarchien basiert. Glanzpunkte sind dabei die Auftritte von Andrea Sawatzki. Ansonsten ist der Humor eher langweilig, auch bei der Figurenzeichnung gab man sich mit zu wenig zufrieden.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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