Kritik

Sportabzeichen für Anfänger

„Sportabzeichen für Anfänger“ // Deutschland-Start: 8. Januar 2021 (Das Erste)

Eigentlich hatte sich Stefanie Eckhoff (Andrea Sawatzki) beim Elternabend ja nur für ihre Tochter Lena (Daria Wolf) einsetzen wollen, die aus Angst vor dem Spott der anderen Schüler und Schülerinnen nicht bei den Bundesjugendspielen teilnehmen will. Doch ehe sie es sich versieht, lässt sie sich dazu überreden, selbst am Start zu sein – im Wettstreit mit Bertram Dinkler (Christian Berkel). Dabei hat der gerade eigentlich ganz andere Dinge, die ihn beschäftigen: Seine Keksfirma befindet sich im Umbruch und braucht dringend etwas positive Werbung. Vor allem aber seine eigenen Kinder (Matti Schmidt-Schaller, Maja Meinhardt) bereiten ihm dabei Sorgen, da keiner von ihnen Anstalten macht, das Familienunternehmen zu übernehmen …

Ha, die armen Schweine!

Man ist doch nie zu alt, um sich zum Affen zu machen. Diese Erkenntnis wird immer mal wieder gerne in Komödien genommen, um in einer Mischung aus Schadenfreude, Trost und purer Erheiterung das Publikum zu unterhalten. So ein bisschen harmlose Demütigung von anderen, das kann schon insgeheim ganz gut tun, wenn man hierdurch die eigene Misere für eine Weile vergessen kann. Prinzipiell gilt das auch für Sportabzeichen für Anfänger, wenn der Film ein Ereignis auspackt, das bei so manchen mit traumatischen Erinnerungen verbunden ist: die Bundesjugendspiele! Als wären die wöchentlichen Quälereien im regulären Sportunterricht nicht schon schlimm genug gewesen, musste man sich hier an einer ganzen Reihe von Disziplinen beweisen, und das in der Öffentlichkeit.

Selbst wer sich selbst zu den Sportlicheren zählt, dürfte hier deshalb mitfühlen können, was es heißt, mehr als drei Jahrzehnte später das alles nochmal durchmachen zu müssen. Nur dass es jetzt nicht vor den Augen der Mitschüler und Mitschülerinnen stattfindet, sondern denen der eigenen Kinder – was erwartungsgemäß für beide Seiten eine wenig erstrebenswerte Erfahrung ist. Tatsächlich erfreut sich Sportabzeichen für Anfänger dann auch an den Demütigungen der beiden Hauptfiguren, wenn es irgendwann heißt, Bahnen zu laufen, sich am Kugelstoßen zu versuchen oder am Hochsprung. Man muss an der Stelle auch Andrea Sawatzki und Christian Berkel zugutehalten, dass sie mit Mut zur Hässlichkeit und Lächerlichkeit das alles über sich ergehen lassen.

Gutes Duo, schwacher Humor

Tatsächlich unterhaltsam sind diese Passagen aber nicht. Vielmehr sind sie auf eine sehr unangenehme Weise unkomisch. Was eigentlich als Höhepunkt des Films gedacht war, wird vielmehr zu einem Tiefpunkt, für den man sich schon beim bloßen Zusehen schämt. Immerhin: Sportabzeichen für Anfänger ruht sich nicht allein auf diesem „Humor“ aus, sondern versucht, drumherum noch eine Geschichte zu erzählen von zwei Elternteilen, die mit ihren jeweiligen Kindern nicht mehr zurechtkommen. Da gibt es Erwartungen, die nicht erfüllt werden, unausgesprochene Konflikte. Allgemein lässt die Kommunikation in beiden Haushalten sehr zu wünschen übrig, auch weil irgendwie niemand wirkliches Interesse daran zu haben scheint.

Dann und wann ist da mal etwas Brauchbares dabei, etwa wenn es darum geht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Zu oft aber verlässt sich das Drehbuch auf die üblichen Gemeinplätze, die in solchen Fällen immer besucht werden. Natürlich brauchen Filme auch etwas, das so universell ist, damit das Publikum sich darin wiederfinden kann. Vor allem, wenn es sich um einen TV-Film handelt, der auf einem öffentlich-rechtlichen Sender ausgestrahlt wird. Aber selbst dann sollte es doch irgendetwas geben, welches dem Film Charakter verleiht. Da fiel aber offensichtlich niemandem etwas ein. Lässt man einmal die Bundesjugendspiele weg, bleibt allenfalls noch der Besitz einer Keksfabrik, die in Erinnerung bleibt. Der Rest ist so farblos, dass man schon während des Anschauens nicht weiß, wozu man dranbleibt.

Ein bisschen wird diese inhaltliche Tristesse noch durch das Zusammenspiel von Sawatzki und Berkel gerettet, die im wahren Leben miteinander verheiratet sind und deshalb die notwendige Chemie mitbringen. Erstere hat bekanntlich immer wieder ihr komödiantisches Talent bewiesen, zuletzt in Familie Bundschuh im Weihnachtschaos, dem neuesten Teil der von ihr geschaffenen Reihe um eine Chaosfamilie. Und zumindest punktuell kann sie dieses Talent auch hier einsetzen. Aber das ist nicht genug, um Sportabzeichen für Anfänger tatsächlich sehenswert zu machen. Vielmehr ist die Komödie eine eher gequälte Angelegenheit, ganz im Stil der Sportveranstaltung, die sie inspiriert hat.

Credits

OT: „Sportabzeichen für Anfänger“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Thomas Roth
Drehbuch: Nina Bohlmann
Musik: Johannes Brandt
Kamera: Clemens Majunke
Besetzung: Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Thomas Heinze, Franziska Weisz, Roland Koch, Sara Fazilat, Daria Wolf, Matti Schmidt-Schaller, Maja Meinhardt

Bilder

Trailer

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Sportabzeichen für Anfänger
In „Sportabzeichen für Anfänger“ müssen zwei Menschen jenseits der 50 noch einmal an Bundesjugendspielen teilnehmen. Das bringt zwar einige demütigende Szenen mit sich, aber nicht genug wirklichen Witz. Trotz eines engagierten Ensembles stellt sich hier aufgrund des schwachen Drehbuchs schnell Langeweile ein.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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