Kritik

Weihnachtstöchter

„Weihnachtstöchter“ // Deutschland-Start: 14. Dezember 2020 (ZDF)

Als kurz vor Weihnachten der Großbäcker Johann König (Peter Lerchbaumer) tödlich verunglückt, stürzt das auch dessen drei Töchter in die Krise. Als wäre das Verhältnis zwischen den Halbschwestern Diana (Felicitas Woll), Katarina (Elena Uhlig) und Regina (Gesine Cukrowski), die allesamt von unterschiedlichen Müttern stammen, nicht so schon schwierig genug gewesen, müssen sie sich jetzt auch noch über das Erbe einig werden. Vor allem das weitere Schicksal des kriselnden Familienbetriebs steht dabei unter keinem guten Stern. Während Familienanwalt Thomas (Tim Bergmann) noch irgendwie versucht, die drei zusammenzuhalten, fliegen schon bei der ersten Begegnung die Fetzen, zumal vieles zwischen ihnen zuvor unausgesprochen geblieben ist und sich dabei einiges angestaut hat …

Lasst uns Frieden schließen!
Auch wenn das in der realen Welt 2020 ein wenig schwierig wird, zumindest in Filmen wird an dem Ideal festgehalten, dass zu Weihnachten alle ein bisschen näher rücken und ihre Differenzen überbrücken. Das gilt dann auch für Weihnachtstöchter, das zwar nur bedingt etwas mit den tatsächlichen Feiertagen zu tun hat, diese aber als Hintergrund für eine besinnliche Geschichte nutzt. Oder das, was man hier für besinnlich hielt. Vorgeführt wird das anhand dreier Halbschwestern, deren einziges verbindendes Mittel ihr Vater war. Und nicht einmal der kam bei ihnen gut weg, woran seine Tendenz, nach jedem Kind wieder die Frau zu wechseln, nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte.

Aber was zu Lebzeiten nicht ging, das muss dann eben der Tod richten. Und so ist die TV-Produktion das neueste Beispiel des immer wieder gern in Filmen verwendeten Szenarios, dass anlässlich eines Trauerfalls entfremdete Familienmitglieder erst räumlich, später auch emotional zusammenfinden. Dass Diana, Katarina und Regina sich mit der Zeit näherkommen werden, das ist deshalb wohl für niemanden eine Überraschung. Im Gegenteil: Weihnachtstöchter weiß um die Bedürfnisse des Zielpublikums, dass am Ende alles gut geht, man gemeinsam vor dem Weihnachtsbaum steht und Lieder singt. Kitsch wird dabei nicht als Manko aufgefasst, sondern als Verwöhnprogramm, vergleichbar mit Plätzchen, die man in dieser Jahreszeit mit etwas weniger Gewissensbissen verputzt. Ist ja Weihnachten.

Wobei ein Film natürlich nicht automatisch schlecht ist, nur weil er ein wenig einfallsreiches Ausgangsszenario verwendet. Gerade bei Geschichten, in denen Figuren und das Zwischenmenschliche im Mittelpunkt stehen, kommt es mehr auf das „wie“ als das „was“ an. Leider verpasst es Weihnachtstöchter aber auch da, tatsächliche Akzente zu setzen. Dass die Grundkonflikte viel mit dem zu tun haben, was auf der Elternseite schief gegangen ist, das ist natürlich schon nachvollziehbar. Dass die Kinder zu lange auch mit ihren Gefühlen eingelassen wurden, bis diese sich verselbständigt haben, weshalb da niemand mehr so leicht aus der Sache rauskommt. Umso wichtiger wäre es dann, all das tatsächlich aufzuarbeiten, um am Ende zusammenfinden zu können.

Nehm ich das oder das oder das …
Regisseur und Drehbuchautor Rolf Silber hatte daran aber kein wirkliches Interesse, sondern öffnet lieber zur Ablenkung ein halbes Dutzend Nebenhandlungen, die nur zum Teil etwas mit der Hauptgeschichte zu tun haben. Da werden mal heimlich Schätze gesucht, es taucht ein Waisenkind auf, zwischendurch geht es um die Frage, wie sich das Unternehmen noch retten lässt – und ob man das überhaupt will. Ach ja, eine Liebesgeschichte gibt es auch. So irgendwie. Davon ist nicht alles schlecht. Die Diskussionen mit dem verstorbenen Vater, der als Vision immer noch durch das Leben der Töchter huscht, sind beispielsweise amüsant. Anderes ist dafür langweilig, nichtssagend, bemüht oder wird zu halbherzig vorangetrieben.

Das ist dann insgesamt auch das größte Manko des Films: Er bekommt einfach keine richtige Entwicklung hin. Da wurde alles zusammengeworfen, was einem irgendwie vor die Füße gefallen ist, egal ob sich das nun sinnvoll kombinieren lässt oder nicht. Selbst wenn da zwischendurch auch mal gelungenere Szenen sind, sie stehen zu sehr im luftleeren Raum. Darunter leidet insbesondere die Beziehung zwischen den Halbschwestern, die einfach nicht die Zeit bekommt, um sich entfalten zu können. Stattdessen wird zum Ende hin wieder der Krisenhammer geschwungen und damit alles zusammengeprügelt, bis es wieder durch die Schablone passt. Das kann man dann schön und aufmunternd finden. Oder eben ärgerlich, dass man sich mal wieder keine Mühe geben wollte und Konflikte auf dem möglichst einfachen Weg verschwinden lässt.

Credits

OT: „Weihnachtstöchter“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Rolf Silber
Drehbuch: Rolf Silber
Musik: Peter W. Schmitt, Torsten Kamps
Kamera: Stephan Wagner
Besetzung: Gesine Cukrowski, Elena Uhlig, Felicitas Woll, Tim Bergmann, Peter Lerchbaumer, Maximilian von Pufendorf, Yuna

Bilder

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Weihnachtstöchter
In „Weihnachtstöchter“ müssen sich drei verkrachte Halbschwestern mit dem Erbe ihres verstorbenen Vaters auseinandersetzen und dabei eigene Konflikte verarbeiten. Das Problem des TV-Films ist dabei weniger das einfallslose Szenario als vielmehr die Willkürlichkeit, mit der hier verschiedenste Handlungselemente zusammengeworfen werden, die sich dann magisch auflösen müssen, weil für Entwicklung mal wieder keine Zeit blieb.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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