Kritik

We Summon the Darkness

„We Summon the Darkness“ // Deutschland-Start: 28. August 2020 (DVD/Blu-ray)

Im Sommer 1988 sind die Nachrichten voller grausiger Meldungen: 18 junge Menschen sind bereits ermordet worden, eine vermeintliche Satanistengruppe sorgt für Angst und Schrecken. Die drei Freundinnen Alexis (Alexandra Daddario), Val (Maddie Hasson) und Beverly (Amy Forsyth) haben hingegen ganz andere Sorgen. Als sie gerade auf dem Weg zu einem Heavy-Metal-Konzert sind, fährt ein kleiner Lieferwagen an ihnen vorbei, aus dem jemand einen Milkshake-Becher wirft. Die drei Übeltäter sind schnell gefasst, Mark (Keean Johnson), Kovacs (Logan Miller) und Ivan (Austin Swift) besuchen schließlich dasselbe Konzert wie sie. Nach einer kleinen Revanche sind die Differenzen beigelegt. Alexis lädt die Jungs sogar dazu ein, noch ein bisschen Zeit mit ihnen im Landhaus ihrer Familie zu verbringen. Doch was als gemütliches Beisammensein beginnt, nimmt bald eine blutige Richtung …

Eine etwas andere Horrornacht

Eines muss man Drehbuchautor Alan Trezza lassen: Es ist schon ein netter kleiner Twist, den er da in sein Drehbuch eingearbeitet hat. Schon der Titel lockt einen etwas auf eine falsche Fährte, wenn man einen regulären Okkult-Horror à la Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel erwartet, bei dem ein harmloses Spiel dämonische Folgen nach sich zieht. Später schlägt die Geschichte ohnehin eine andere Richtung ein, als es das Genre meistens vorgibt. So etwas ist grundsätzlich natürlich immer nett. Gerade in diesem Bereich gibt es doch Massen an Titeln, die alle irgendwie gleich sind und einem entsprechend vorgebildeten Publikum nur Gähnlaute entlocken. Da ist man für alles dankbar, das zumindest versucht, mal mit den Konventionen zu brechen.

Nur ist ein Twist für sich genommen noch nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. M. Night Shyamalan beispielsweise war irgendwann dafür berüchtigt, unter allen Umständen noch eine Wendung einbauen zu müssen, um die Erwartungen auf den Kopf zu stellen. Das führt aber nicht nur zu angepassten Erwartungen. Zu oft entpuppten sich diese Abzweigungen als reines Gimmick, dem alles andere untergeordnet wurde. Im Fall von We Summon the Darkness ist das leider nicht groß anders, wenn außerhalb dieser Wendung irgendwie nichts Interessantes passiert. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film schon nach einem Drittel bereits verrät, was Sache ist, sein Pulver also frühzeitig verschießt.

Auch danach versucht sich Trezza, der zuvor lediglich das Drehbuch zu Weg mit der Ex von Joe Dante geschrieben hat, zwar noch ein wenig an Wendungen. Die wiederum sind so sehr nach Konventionen gestrickt, dass es überraschender gewesen wäre, wenn es sich nicht um Wendungen gehandelt hätte. Natürlich gilt auch in dieser Hinsicht: Twists alleine machen die Qualität nicht aus. Es hätte selbst mit dem vorliegenden Szenario noch diverse Möglichkeiten gegeben, für gute Unterhaltung zu sorgen. We Summon the Darkness macht aber praktisch gar nichts aus diesen Möglichkeiten, arbeitet stur und uninspiriert die Stationen ab.

Warum so ernst?

Der vielleicht größte Fehler des Films ist dabei, dass er sich zwar satirisch gibt, sich selbst aber zu ernst nimmt. Dabei wäre der Stoff viel besser als Komödie geeignet gewesen, umso mehr, da die Figuren auch nicht die kompetentesten sind. Eigentlich geht so ziemlich alles schief, von den kleinsten bis zu den größten Plänen. Am unterhaltsamsten ist We Summon the Darkness, das hierzulande im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights 2020 Premiere hatte, dann auch in den Momenten, in denen sich die Figuren ihre Inkompetenz gegenseitig um die Ohren hauen. Das Motto: welcher Plan bitte?

Das ist ganz nett, auf Dauer aber nicht genug. Enttäuschend ist dabei, wie Regisseur Marc Meyers, der vor einigen Jahren mit My Friend Dahmer ein gelungenes Serienmörder-Porträt ablieferte, weder aus den Figuren noch den Thrillerelementen etwas Nennenswertes macht. Erstere schwanken zwischen nichtssagend und nervend, was nicht unbedingt dazu motiviert, irgendwie mitfiebern zu wollen. Letztere sind so lieblos runtergedreht, dass einfach keine Spannung aufkommt. Die vereinzelt guten Ideen und das prinzipiell witzige Grundszenario reichen zwar aus, dass man sich We Summon the Darkness durchaus anschauen kann. Aber es ist schon enttäuschend, wie wenig am Ende dabei rausspringt.

Credits

OT: „We Summon the Darkness“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Marc Meyers
Drehbuch: Alan Trezza
Musik: Timothy Williams
Kamera: Tarin Anderson
Besetzung: Alexandra Daddario, Keean Johnson, Maddie Hasson, Logan Miller, Amy Forsyth, Austin Swift, Johnny Knoxville

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We Summon the Darkness
In „We Summon the Darkness“ treffen drei Mädels und drei Jungs bei einem Heavy-Metal-Konzert aufeinander, bevor es weiter zu einer lauschigen Nacht in einer abgelegenen Villa geht. Vereinzelt hat der Horror-Thriller-Mix zwar nette Ideen, versagt aber an den entscheidenden Stellen und tut sich zudem keinen Gefallen damit, sich selbst zu ernst nehmen, anstatt konsequent auf Humor zu setzen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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