Kritik

Harry Potter

„Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ // Deutschland-Start: 14. November 2002 (Kino) // 6. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Ein neues Schuljahr an der Hogwart Zauberschule steht an. Das bedeutet für Harry (Daniel Radcliffe), dass er endlich seine Freunde Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) wiedersehen und seiner despotischen Familie entkommen kann. Doch die Vorfreude wird durch das Auftauchen eines Hauselfen getrübt, der ihn vor einer großen Gefahr warnt und ihn unbedingt davon abhalten will, zur Schule zurückzukehren. Tatsächlich stellt sich schon der Weg als schwierig heraus, nur mit Mühe und Not schaffen es die beiden Jungen an ihr Ziel. Und das ist nur der Anfang: Mysteriöse Warnungen tauchen an den Wänden auf, Tiere und Menschen werden versteinert. Und dann wären da noch die seltsamen Stimmen, die nur Harry hören kann …

Wiedersehen mit vielen Bekannten

Lange mussten Fans nach Harry Potter und der Stein der Weisen nicht warten, schon ein rundes Jahr nach dem Kassenschlager kam mit Harry Potter und die Kammer des Schreckens bereits der zweite Teil der Reihe in die Kinos. Tatsächlich schließt das Fantasy-Abenteuer auch recht nahtlos an die Ereignisse des Vorgängers an. So nahtlos, dass man ohne Vorkenntnisse nicht so wahnsinnig viel verstehen wird. Einiges kann man sich rekonstruieren, das eigentliche Abenteuer ist zudem mehr oder weniger eigenständig zu genießen. Aufgrund der zahlreichen Querverbindungen und Anspielungen sollte man hier aber nicht mittendrin einsteigen. Auch die zwischenmenschliche Komponente, wie welche Figur zu wem steht, macht doch einiges von dem aus, was den Film auszeichnet.

So gibt es dann auch ein Wiedersehen mit nahezu allen Charakteren des Vorgängers. Bei den Lehrern und Lehrerinnen wurde jedoch ein bisschen ausgetauscht. So taucht beispielsweise dieses Mal Kenneth Branagh als selbstverliebter Zauberer auf. Das ist anfangs ganz amüsant, wenn dem aufgeblasenen Wichtigtuer alle weiblichen Anwesenden hinterherschmachten, obwohl er den gesamten Film über nichts auf die Reihe bekommt. Auf Dauer ist es jedoch etwas langweilig, da letztendlich nur ein Witz viele Male in verschiedenen Variationen wiederholt wird. Mehr Potenzial bringt da schon Jason Isaacs mit, der als überheblicher, betont böser Zauberer Lucius Malfoy einen guten Gegenspieler abgibt.

Sonderlich tiefgründig ist aber auch er nicht. Die Figuren sind weitestgehend nach wie vor Stereotypen, sogar noch etwas mehr als bei Harry Potter und der Stein der Weisen, wo zumindest teilweise noch mit Erwartungen gespielt werden. Ein bisschen wird das auch hier noch versucht. Da fiel Autorin J. K. Rowling aber nicht sonderlich viel ein, wiederholte sich einfach. Ebenfalls ein Rückschritt im Vergleich zum Vorgänger ist die Ausgestaltung der Schule. Gefiel der erste Teil gerade durch seine Detailfreude, welche den Ort so lebendig und gleichzeitig geheimnisvoll machten, wurde diesmal nur wenig Wert darauf gelegt. So ist die Zahl der Schauplätze überschaubar, es kam kaum etwas Nennenswertes hinzu. Allgemein gibt es hier zu viel von dem, was man schon einmal gesehen hat.

Geradliniger und düsterer

Dafür gibt es in Harry Potter und die Kammer des Schreckens eine durchgehende Geschichte und ein Abenteuer, das konsequent ein konkretes Ziel verfolgt. Das ist zudem erstaunlich düster. So richtig spannend wurde es beim Auftakt nicht, da zu sehr von einer Szene zur nächsten gehetzt werden musste. Diesmal konnte man sich mehr Zeit lassen, die Entwicklung auskosten, tatsächlich mal etwas aufbauen, bevor schon wieder die Zelte abgebrochen werden mussten. Streckenweise ist das hier gut gelungen, an manchen Stellen nähert sich der Film dabei fast schon dem Horrorgenre an – zu jung sollte das Publikum deshalb besser nicht sein. Enttäuschend ist jedoch das Finale, das zu willkürlich ist und sich etwas billig aus der Affäre zieht.

Alles in allem ist Regisseur Chris Columbus (Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen, Kevin – Allein zu Haus) mit dem zweiten Teil jedoch erneut ein unterhaltsames Familienabenteuer geglückt, das trotz der Laufzeit von zweieinhalb Stunden ohne größere Längen auskommt. Die Effekte waren für die damalige Zeit gelungen, lassen sich heute größtenteils noch sehen. Es gibt gerade anfangs, aber auch zwischendurch humorvolle Einlagen, welche die bedrohliche Haupthandlung etwas auflockern. Außerdem wird die Welt der Zauberei sinnvoll erweitert, indem es erste Einblicke in die Vorgeschichte der älteren Figuren gibt. Bei denen sind erneut eine Reihe britischer Schauspielschwergewichte dabei, welche die nicht immer ganz überzeugenden Leistungen der Nachwuchsdarsteller*innen wieder ausgleichen.

Credits

OT: „Harry Potter and the Chamber of Secrets“
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Steve Kloves
Vorlage: J. K. Rowling
Musik: John Williams
Kamera: Roger Pratt
Besetzung: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Robbie Coltrane, Richard Harris, Alan Rickman, Maggie Smith, Tom Felton, Jason Isaacs, Kenneth Branagh

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
BAFTA Awards 2003 Bester Kinderfilm Nominierung
Bestes Szenenbild Stuart Craig Nominierung
Bester Ton Randy Thom, Dennis Leonard, John Midgley
Ray Merrin, Graham Daniel, Rick Kline
Nominierung
Beste Spezialeffekte Jim Mitchell, Nick Davis
John Richardson, Bill George, Nick Dudman
Nominierung

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Harry Potter und die Kammer des Schreckens
„Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ setzte nahtlos an der Geschichte des erfolgreichen ersten Teils an. Tatsächlich wird schon ein bisschen viel von dem wiederholt, was man bereits gesehen hat, weswegen die Welt weniger aufregend ist. Dafür gibt es jetzt eine konsequente und überraschend düstere Haupthandlung rund um gefährliche Geheimnisse und versteinerte Figuren.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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