Kritik

„Grand Isle – Mörderische Falle“ // Deutschland-Start: 15. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

1988 im Süden der USA: Die Hurrikan-Zeit hat begonnen, ein weiterer droht über das verschlafene Städtchen Grand Isle hinwegzuziehen. Aus diesem Grund ist Eile geboten, Buddy (Luke Benward) soll im Laufe eines Tages den Gartenzaun eines Ehepaares reparieren. Die eigentliche Herausforderung ist dabei aber gar nicht so sehr der Zeitdruck als vielmehr das besagte Paar selbst. Walter (Nicolas Cage) neigt gleichermaßen zum Alkohol wie zur Gewalt, seine Frau Fancy (KaDee Strickland) genießt es, den jungen Hilfsarbeiter mit ihren Augen auszuziehen. Als der Hurrikan immer näher kommt und Buddy gezwungen ist, die Nacht im Haus der beiden zu verbringen, spitzt sich die Situation zu …

Wegwerftitel am laufenden Band

Sich über den Filmoutput von Nicolas Cage lustig zu machen, ist keine wirkliche Kunst. Vielmehr sprechen die Werke meist für sich. Sicher, es gibt sie, die seltenen Ausnahmen, in denen die Manierismen des Schauspielers sinnvoll eingesetzt werden, etwa bei Mandy und Die Farbe aus dem All. Doch das sind die Ausnahmen, es dominieren meistens die austauschbaren B-Movie-Wegwerftitel, irgendwo zwischen Action und Thriller angesiedelt. Filme, die selbst so farblos sind, dass nicht einmal der unentwegt verramschte Ex-Star mit seiner exzessiven Mimik noch etwas ausrichten kann. Es regiert die maximal durchschnittliche Dutzendware.

Aber es geht auch anders, wie Grand Isle – Mörderische Falle beweist. Wobei man sich schon sehr darüber streiten kann, ob „anders“ in dem Fall auch „besser“ bedeutet. Denn einerseits ist der Film tatsächlich einer, den man im Anschluss nicht unbedingt vergisst. Das hängt jedoch mehr damit zusammen, dass er mit der Zeit immer bizarrer wird. Um einen tatsächlichen Actionthriller handelt es sich hier nicht, auch wenn der Film als solcher verkauft wird. Zwischendurch dürfen zwar auch mal Fäuste fliegen, alternativ Munition von Schusswaffen. Im Fokus steht aber eher die Atmosphäre, das Gefühl, dass da etwas Schlimmes passieren wird.

Das liegt auch an der Erzählstruktur: Anstatt die komplette Geschichte chronologisch auszubreiten, gibt es zunächst eine Rahmenhandlung. In der sehen wir Kelsey Grammer als Südstaaten-Detective, der Buddy verhört. Er soll jemanden ermordet haben. Da liegt der Verdacht doch nahe, dass das enge Zusammensein mit dem kaputten Paar mit einer Leiche enden wird. Regisseur Stephen Campanelli (Momentum) genießt es dann auch, während dieser Phase des Films langsam die Daumenschrauben anzuziehen. Eingesperrt mit einem offenkundig gewalttätigen Irren und einer manipulativen Ehefrau, bei denen man nie weiß, ob das Gesagte gerade ernst gemeint ist oder nicht, doch, daraus lässt sich etwas machen. Die Konstellation taugt für einen guten Film.

Unfreiwillig komisch statt spannend

Leider ist Grand Isle – Mörderische Falle aber kein guter Film. Er ist nicht einmal durchschnittlich. Schon die Phase des gemächlichen Spannungsaufbaus ist nur mäßig geglückt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind die Dialoge derart furchtbar und plump auf abgründig getrimmt, dass der Thriller eher als Parodie durchgeht. Verstärkt wird das noch durch das Ensemble. Cage kann zwar gut irre spielen. Er kann aber nicht subtil. Vielleicht will er es auch nicht. So oder so ist Walter von Anfang an derart übertrieben angelegt, dass sich das mit der langsam aufbauenden Atmosphäre wieder erledigt hat. Strickland und Grammar gelingt es nicht, aus ihren Figuren mehr als ein Stereotyp zu machen. Luke Benward (Dumplin’) ist nicht einmal das, glänzt allenfalls durch sein hübsches Gesicht.

Wenn man mit weit aufgerissen Augen auf das Geschehen starrt, dann liegt das aber nicht an besagtem Gesicht oder den Schauspielleistungen. Vielmehr wollte das Drehbuchduo Iver William Jallah und Rich Ronat wohl irgendwie clever sein, was sie mit Wendungen gleichsetzen. Die gibt es in Grand Isle – Mörderische Falle. Es gibt sie vor allem in der zweiten Hälfte, wenn die Geschichte komplett entgleist und Geheimnisse gelüftet werden. Auch das kann man komisch finden. Als Komödie, vielleicht gar als Satire hätte das hier durchaus etwas erreichen können. In der Form ist das aber völlig missglückt. Allein das stimmungsvolle Haus bleibt zurück. Das und die Erkenntnis, dass manche Geheimnisse auch aus Zuschauersicht besser Geheimnisse bleiben sollten.

Credits

OT: „Grand Isle“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Stephen Campanelli
Drehbuch: Iver William Jallah, Rich Ronat
Musik: Josh Atchley
Kamera: Eric Moynier
Besetzung: Nicolas Cage, KaDee Strickland, Luke Benward, Kelsey Grammer, Emily Marie Palmer

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Grand Isle – Mörderische Falle
„Grand Isle – Mörderische Falle“ beginnt mit einem eigentlich vielversprechenden Szenario: Ein junger Mann muss wegen eines Hurrikans die Nacht im Haus eines dubiosen Paares verbringen. Die langsam aufgebaute Spannung wird jedoch durch das übliche Overacting von Cage und die grauenvollen Dialoge zunichtegemacht. Später kommen noch bizarre Wendungen hinzu, die den Film wie eine Parodie erscheinen lassen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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