Kritik

Das Geheimnis des verborgenen Tempels Young Sherlock Holmes

„Das Geheimnis des verborgenen Tempels“ // Deutschland-Start: 15. Mai 1986 (Kino) // 8. Januar 2004 (DVD)

Als der Arztsohn John Watson (Alan Cox) auf ein Internat in London wechselt, trifft er den jungen Sherlock Holmes (Nicholas Rowe). Auch wenn die beiden auf Anhieb nur wenig Gemeinsamkeiten haben, sind sie sich doch sympathisch, wissen bereits, dass sie noch gute Freunde werden. Diese Freundschaft hilft ihnen nicht nur im turbulenten Schullalltag. Sie werden sie auch bald brauchen, um ein gemeinsames Abenteuer durchzustehen: In kurzer Folge wird die Stadt von einer Reihe rätselhafter Selbstmorde erschüttert. Als auch ein den beiden nahestehender Erfinder plötzlich stirbt, machen sich die beiden zusammen mit dessen Nichte Elizabeth Hardy (Sophie Ward), für die Sherlock schon länger Gefühle hegt, auf die Suche nach einer Erklärung – zum Ärger des Polizisten Lestrade (Roger Ashton-Griffiths), der kein Interesse daran hat, dass ihm ein paar Kinder ins Handwerk pfuschen …

Ein Genie in vielen Variationen

Er gehört sicherlich zu den bekanntesten Figuren, welche die Unterhaltungsliteratur hervorgebracht hat: Nicht nur, dass Sherlock Holmes in insgesamt 60 Geschichten seines Erschaffers Arthur Conan Doyle mitwirkte, es gab noch unzählige weiterer Bücher, von anderen geschrieben, dazu Theaterstücke, Serien und Dutzende Filme. Das macht es einerseits einfach, ein Publikum zu finden, schließlich kennt jeder den berühmten Detektiv, der nur mithilfe seiner unvergleichlichen Kombinationsgabe Verbrechen löst. Andererseits muss man sich mit einer riesigen Konkurrenz herumplagen, die alle irgendwie dasselbe machen. Denn auch wenn die Fälle sich ändern, bei der Darstellung der Figuren variiert wurde, am Ende ist Sherlock Holmes doch Sherlock Holmes.

Einer der sympathischeren Versuche, der Vorlage noch etwas Neues und Eigenes zu entlocken, ist Das Geheimnis des verborgenen Tempels aus dem Jahr 1985. In der Geschichte stellte sich Chris Columbus, der zuvor schon die Drehbücher zu den Kultfilmen Gremlins – Kleine Monster und Die Goonies geschrieben hatte, die Frage: Wie war Sherlock Holmes eigentlich als Jugendlicher? Da bei Doyle in der Hinsicht relativ wenig zu finden war, schrieb Columbus die erste Begegnung von ihm und Watson einfach um. Anstatt sie zu Mitbewohnern zu machen, die sich aus finanziellen Zwängen heraus die berühmte Adresse 221 B Baker Street teilen, sind sie in dem Film Zimmergenossen in einem Jungeninternat. Die einführende Szene ist dabei jedoch an das „echte“ erste Treffen angelehnt, wenn auch hier Holmes mit seiner Beobachtungsgabe und seinen Schlussfolgerungen seinen künftigen Begleiter verblüfft.

Allgemein gab sich Columbus Mühe, immer wieder Bezugspunkte zur Reihe einzubauen. Die sind dann zwar nicht übermäßig originell oder tiefsinnig. Trotzdem ist es immer nett, wenn der typische Sherlock-Ausdruck „elementar“ fällt oder ikonische Gegenstände wie die Pfeife und die Mütze eingeführt werden. Und zumindest anfangs ist Das Geheimnis des verborgenen Tempels auch tatsächlich ein Krimi, wenn erst an der Schule, später auch bei den seltsamen Todesfällen der brillante Verstand von Holmes gefragt ist. Dass es sich bei Letzteren nicht um Unfälle oder Selbstmorde handelt, das weiß das Publikum dabei sofort. Schließlich sehen wir kurz vor den Zwischenfällen immer eine mysteriöse, verhüllte Figur, die mit einem Blasrohr bewaffnet den Männern hinterher schlich.

Zwischen Krimi und Abenteuer

Dennoch ist der Krimianteil nicht so hoch, wie sich das Fans vielleicht erhofft hatten. Stattdessen macht sich der Einfluss von Produzent Steven Spielberg bemerkbar, wenn die zunächst noch klassische Mördersuche sich in ein actionreiches Abenteuer verwandelt. Gerade im letzten Drittel ist Das Geheimnis des verborgenen Tempels, welches im Deutschen etwas unglücklich viel mit dem Titel verrät, Jäger des verlorenen Schatzes mit Kult-Archäologe Indiana Jones deutlich näher als einem typischen Holmes-Fall. Wobei es vorher schon reichlich Spezialeffekte gibt. Gerade die diversen Todessequenzen werden von Tricks begleitet, mal handgemacht, mal aus dem Computer, die nicht nur in ihrer Häufigkeit auffallen, sondern auch in ihrer Drastik. Da ist teilweise der Schritt zum Horrorgenre nicht mehr weit.

Ganz rund ist diese Mischung nicht. Da darf schon einmal der Eindruck entstehen, dass man sich bei dem Film auf kein durchgehendes Konzept einigen konnte oder wollte, stattdessen lieber einfach alles zusammengeworfen hat, was einem so einfiel – inklusive einer überflüssigen Romanze. Hinzu kommt, dass Regisseur Barry Levinson (Rain Man) hektisch von einem Thema zum nächsten rast, Szenen oft nur wenige Sekunden lang sind, weshalb viele Entwicklungen recht willkürlich sind. Dafür stimmt bei Das Geheimnis des verborgenen Tempels aber der Spaßfaktor. Der Film ist ein charmantes Abenteuer mit schönen Settings und viel Atmosphäre, dazu einem sympathischen Duo, das man gern noch weitere Male gesehen hätte. Insofern ist es schade, dass seinerzeit die Einspielergebnisse so enttäuschend ausfielen, dass die Frage nach einer möglichen Fortsetzung – die man seinerzeit durchaus andeutete – sich schnell erledigt hatte.

Credits

OT: „Young Sherlock Holmes“
Land: UK, USA
Jahr: 1985
Regie: Barry Levinson
Drehbuch: Chris Columbus
Vorlage: Arthur Conan Doyle
Musik: Bruce Broughton
Kamera: Stephen Goldblatt
Besetzung: Nicholas Rowe, Alan Cox, Sophie Ward, Anthony Higgins, Susan Fleetwood, Roger Ashton-Griffiths

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1986 Beste Spezialeffekte Dennis Muren, Kit West, John Ellis, David Allen Nominierung

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Das Geheimnis des verborgenen Tempels
Was wäre, wenn Sherlock Holmes und John Watson sich schon als Jugendliche begegnet wären? „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“ ist eine charmante, wenn auch holprige und überhastete Mischung aus klassischem Krimi und actionreichen Abenteuer, die aufgrund der Settings und der Besetzung Spaß macht.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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