Kritik

Goonies

„Die Goonies“ // Deutschland-Start: 12. Dezember 1985 (Kino) // 23. Januar 2002 (DVD/Blu-ray)

Mikey (Sean Astin), Mouth (Corey Feldman), Chunk (Jeff Cohen) und Data (Jonathan Ke Quan) sind die besten Freunde, verbringen ihre freie Zeit miteinander. Zumindest noch, denn das wird sich bald ändern: Da ihre Wohnsiedlung, die Goon Docks, abgerissen werden soll, um einem Country Club Platz zu machen, bleibt ihnen nur noch ein Wochenende. Als sie vor dem Auszug den Dachboden entrümpeln, stoßen sie auf eine alte Karte, die den Weg zum Schatz eines berüchtigten Piraten weisen soll. Das lassen sich die vier nicht zweimal sagen und machen sich auf den Weg, verfolgt von Mikeys älterem Bruder Brandon (Josh Brolin) und den Fratellis, einer gesuchten Gangster-Familie …

Kaum ein Film symbolisiert wohl stärker die 1980er als Die Goonies – allein schon wegen der beteiligten Personen. Die Geschichte selbst stammt von Steven Spielberg, das Drehbuch von Chris Columbus (Gremlins – Kleine Monster), Regie führte Richard Donner (Lethal Weapon). Hinzu kommt der Jugendcast, der von Sean Astin und Josh Brolin einmal abgesehen nur in diesem Jahrzehnt relevant war. Das unverschämt eingängige Titellied The Goonies ‚R‘ Good Enough stammte von der 80s Ikone Cyndi Lauper, die auch einen Mini-Auftritt im Film hat. Außerdem ist der Film eines der großen Wohlfühl-Abenteuer, wie es sie früher mal gab, die heute aber praktisch ausgestorben sind.

Der ewige Kampf gegen die Mächtigen
Dabei ist das zugrundeliegende Thema durchaus zeitlos. Wenn die finanziell klammen Einwohner der Goon Docks den Superreichen Platz machen müssen, dann greift das der Gentrifizierung voraus, die inzwischen weltweit Städte massiv verändert und die einfachen Leute aus ihrer Heimat vertreibt. Die Sehnsucht, dies zu verhindern, die reichen Schnösel fernzuhalten, und das nur mithilfe der Macht der Freundschaft – dazu kann man heute genauso wenig nein sagen wie vor bald 35 Jahren. Die Sache mit den Piraten einmal ausgenommen könnte man vieles von Die Goonies heute noch genauso erzählen wie damals, als die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundesclique zu einem Riesenhit wurde.

Dabei waren die Freunde an sich schon besonders. Oder auch speziell. Tatsächlich ist Die Goonies vollgestopft mit Figuren, die alle irgendwie schrullig sind oder zumindest klare Eigenschaften haben. Der verträumte Mikey, der vorlaute Mouth, der hektisch-verfressene Chunk und der erfinderische Data, jeder hat einen festen Platz in der Geschichte. Gleiches gilt für die Gegenseite: Anne Ramsey, die einige Jahre später für Schmeiß die Mama aus dem Zug im Oscar-Rennen war, ist fantastisch als Gangster-Matriarchin, vor der selbst die erwachsenen Söhne noch Angst haben. Sie ist auch überraschend brutal, zumindest im Rahmen eines Films, der sich zeitweise eher an ein jüngeres Publikum richtet.

Für alle etwas dabei
Wobei hier eigentlich die gesamte Familie zusammenkommen kann. Die ganz Jungen dürfen sich darüber freuen, dass hier eigentlich immer etwas los ist. Ob nun etwas in die Luft fliegt, die Goonies mal wieder auf der Flucht sind oder es eine der zahlreichen Fallen zu überwinden gilt, die der Pirat damals gelegt hat, an Action mangelt es nicht. Und selbst wenn gerade mal keine Lebensgefahr besteht, finden kleine amüsante Wortgefechte statt. Das Thema erste Liebe findet den Weg in die Geschichte. Für die älteren Zuschauer und Zuschauerinnen gibt es einige Anspielungen auf andere Filme, sowie nostalgische Erinnerungen an die eigene Jugend. Außerdem dürfen sie noch einmal das Gefühl haben, dass die Welt da draußen voller Geheimnisse steckt, die gelüftet werden müssen, voller Abenteuer.

Das ist natürlich irgendwo altmodisch, der Film handelt nicht nur von den vergessenen Überbleibseln von einst, sondern ist selbst irgendwo ein Relikt, das trotz riesigen Kultstatus auch nie eine Fortsetzung bekommen hat. Das ist angesichts anderer missglückter Neuauflagen wie Ghostbusters vielleicht besser so. Und doch ist es eine Mischung aus Wehmut und Glückseligkeit, so viele Jahre später mit dieser wild zusammengewürfelten Gruppe aus Verlierern, Ausgestoßenen, und Nerds durch Höhlen zu kriechen, alte Schiffe zu erkunden und über Abhänge zu klettern. Denn am Ende dieses Abenteuers wartet ein Schatz, der wertvoller ist als all die Perlen und Münzen, Goldbarren und Schmuckstücke: Freundschaft und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Credits

OT: „The Goonies“
Land: USA
Jahr: 1985
Regie: Richard Donner
Drehbuch: Chris Columbus
Geschichte: Steven Spielberg
Musik: Dave Grusin
Kamera: Nick McLean
Besetzung: Sean Astin, Josh Brolin, Jeff Cohen, Corey Feldman, Kerri Green, Jonathan Ke Quan, John Matuszak, Robert Davi, Joe Pantoliano, Anne Ramsey

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Die Goonies
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Die Goonies
„Die Goonies“ ist einer der großen Abenteuerklassiker der 80er, wenn eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen sich auf die Suche nach einem alten Piratenschatz macht. Der temporeiche Film ist einerseits die perfekte Verkörperung seiner Zeit und doch auch zeitlos, wenn am Ende eine wild zusammengewürfelte Gruppe von vermeintlichen Verlierern als Freunde über die unbesiegbaren Geldhaie triumphieren.
9von 10

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