Kritik

Jäger des verlorenen Schatzes Raiders of the Lost Arc Indiana Jones

„Jäger des verlorenen Schatzes“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 1981 (Kino) // 24. Oktober 2008 (DVD/Blu-ray)

Wenn es darum geht, antike Schätze zu finden, da ist der Archäologe Dr. Henry „Indiana“ Jones (Harrison Ford) immer gern dabei. Vor allem bei diesem hier: Die Nazis sind hinter der legendären Bundeslade her, Jones soll dies auf Drängen des Militär-Geheimdienstes verhindern. Schließlich besagt die Legende, dass eine Armee in Besitz der Lade unbesiegbar sein soll, was bei den Deutschen nur Scherereien bedeuten wird. Gemeinsam mit seiner Ex-Freundin Marion (Karen Allen) und seinem alten Freund Sallah (John Rhys-Davies) ist er fest entschlossen, das Artefakt zu bergen, bevor es Gestapo-Major Arnold Toht (Ronald Lacey) und seinen Männern in die Hände fällt …

So erfolgreich die Science-Fiction-Abenteuer von Star Wars an den Kinokassen auch waren, so wenig Glück haben die Filme ihren Darstellern und Darstellerinnen gebracht. Wer nicht schon vorher ein Star war, etwa Alec Guinness oder Ewan McGregor, der hatte meist enorme Schwierigkeiten, sich auch abseits der Sternensaga zu etablieren. Eine große Ausnahme: Harrison Ford. Denn der schaffte es parallel, mit dem tatkräftigen Archäologen Indiana Jones noch eine zweite Kultfigur zu verkörpern, die in die Filmgeschichte einging und endgültig seinen Superstar-Status festigen sollte.

Der Gipfel der Unterhaltung
Dabei war Ford gar nicht die erste Wahl gewesen. Ausgerechnet George Lucas, jener Mann hinter seinem großen Durchbruch also, hatte Bedenken, ihm die Hauptrolle zu überlassen. Lucas war es nämlich auch, der die Idee zu Jones hatte. Am Ende begnügte er sich aber mit der Produzentenrolle und überließ seinem Freund Steven Spielberg den Regiestuhl. Das war damals das Gipfeltreffen der Unterhaltungsgiganten: Der Schöpfer von Star Wars trifft auf den Regisseur der Blockbuster Der weiße Hai und E.T. – da war man praktisch zum Erfolg verdammt. Der trat dann auch erwartungsgemäß ein, diverse Fortsetzungen folgten – mit gemischten Ergebnissen.

Das Debüt Jäger des verlorenen Schatzes ist aber nach wie vor ohne Einschränkungen empfehlenswert. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Figur des Indiana Jones und dessen Verkörperung durch Ford. Der übernahm Teile seines Weltraum-Charakters Han Solo, etwa den raubeinigen Charme, den nicht unbedingt nachahmungswürdigen Umgang mit Frauen oder den Hang zu eher unorthodoxen, spontanen Lösungen. Doch dies wurde nicht mit einem einfach gestrickteren (Anti-)Helden verbunden, sondern mit einem Intellektuellen. Ein Archäologe, der auch mal kräftig zupacken kann, abwechselnd Bücher wälzt und eine Peitsche schwingt, die neben dem Schlapphut zu seinem Markenzeichen wurde – wie oft sieht man das schon?

Bekannt und doch anders
Auch sonst ist Jäger des verlorenen Schatzes ein Mix aus neu und alt, aus traditionell und unkonventionell. Die Geschichte selbst ist eigentlich klassisches Abenteuermaterial, weshalb der Film auch 1936 angesiedelt ist, mehrere Jahrzehnte vor der damaligen Gegenwart. Doch dies wird mit jeder Menge Humor verbunden. Vieles hier geht mit einem gewissen Augenzwinkern einher, manchmal wandert der Film sogar am Grat zur Parodie. Gleichzeitig geht es zuweilen aber auch richtig zur Sache. Es mangelt nicht nur an Actionszenen, von Kämpfen über Verfolgungsjagden bis zur berühmten Fluchtszene aus dem Tempel. Teilweise wird es ausgesprochen düster, zum Ende hin verwandelt sich das gut gelaunte Abenteuer praktisch in einen Horrorfilm.

Einen größeren Anspruch hat der Film dabei natürlich nicht. Vielmehr haben Spielberg und Lucas, begleitet von ihrem Hauskomponisten John Williams, eines der besten Beispiele für das 80er Popcornkino kredenzt. Erinnerungswürdige Figuren, sowohl auf der Helden- wie Schurkenseite, ein hohes Tempo, dazu noch abwechslungsreiche Szenarien, welche den nötigen Hauch Exotik verströmen – das funktioniert 40 Jahre später noch immer ausgesprochen gut. An einigen Stellen merkt man natürlich schon das Alter, sowohl bei der Umsetzung wie auch dem Inhalt, so ganz politisch korrekt ist das hier nicht immer. Aber der Spaßfaktor, gepaart mit einem nostalgischen Charme, sind ungebrochen hoch.

Credits

OT: „Raiders of the Lost Ark“
Land: USA
Jahr: 1981
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Lawrence Kasdan
Musik: John Williams
Kamera: Douglas Slocombe
Besetzung: Harrison Ford, Karen Allen, Paul Freeman, Ronald Lacey, John Rhys-Davies, Denholm Elliott

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1982 Bester Film Nominierung
Beste Regie Steven Spielberg Nominierung
Bestes Szenenbild Norman Reynolds, Leslie Dilley, Michael D. Ford Sieg
Beste Kamera Douglas Slocombe Nominierung
Bester Schnitt Michael Kahn Sieg
Beste Musik John Williams Nominierung
Bester Ton Bill Varney, Steve Maslow, Gregg Landaker, Roy Charman Sieg
Bester Tonschnitt Ben Burtt, Richard L. Anderson Sieg
Beste Spezialeffekte Richard Edlund, Kit West, Bruce Nicholson, Joe Johnston Sieg
Golden Globe Awards 1982 Beste Regie Steven Spielberg Nominierung
BAFTA Awards 1982 Bester Film Nominierung
Beste Nebenrolle Denholm Elliott Nominierung
Beste Musik John Williams Nominierung
Beste Kamera Douglas Slocombe Nominierung
Bester Schnitt Michael Kahn Nominierung
Bester Ton Bill Varney, Steve Maslow, Gregg Landaker, Roy Charman Nominierung

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Jäger des verlorenen Schatzes
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Jäger des verlorenen Schatzes
„Jäger des verlorenen Schatzes“ war seinerzeit völlig zurecht ein riesiger Erfolg, wenn klassisches Abenteuer mit Humor gekreuzt wird. An manchen Stellen macht sich das Alter zwar bemerkbar. Ein unbekümmert drauflos brechender Harrison Ford, das hohe Tempo und Anleihen aus dem Horrorfilm machen die Schatzsuche aber zu einem nach wie vor großen Vergnügen.
9von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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