Kritik

Jexi

„Jexi“ // Deutschland-Start: 2. November 2020 (Amazon Prime Video)

Eigentlich hatte Phil (Adam Devine) immer davon geträumt, als Journalist Karriere zu machen. Stattdessen verdient er sein Geld damit, Klick-Listen fürs Internet zu erstellen. Und auch privat läuft es nicht so wirklich. Freunde hat er nicht, von einer Freundin ganz zu schweigen. Dafür verbringt er jede freie Sekunde an seinem Handy und merkt so nicht einmal, wie die attraktive Cate (Alexandra Shipp) mit ihm zu flirten versucht. Stattdessen wird sein Leben bald von Jexi bestimmt, einer künstlichen Intelligenz, die auf seinem neuen Handy installiert ist. Denn die nimmt ihm als persönliche Assistentin nicht nur viele Arbeiten ab, sondern beginnt auch, ihm ihre Entscheidungen aufzuzwingen …

Eine üble Überraschung
Während Amazon dann und wann mal richtig Geld in Serien steckt, ist die Filmausbeute eher bescheiden. Meistens beschränken sich Verantwortlichen beim hauseigenen Prime Video Programm darauf, bei Filmfesten einkaufen zu gehen und sich doch ein paar kleinere bis mittlere Titel zu schnappen. Das ist zwar nicht sonderlich ambitioniert. Dafür stimmt meistens die Qualität, Titel wie Get Duked!, Die Weite der Nacht oder Leg’ den Kerl um waren im Schnitt doch um einiges origineller als die Massenware, die der größte Konkurrent Netflix unentwegt auswirft. Insofern ist es schon eine kleine Überraschung, dass nun auch Jexi als Amazon Original verkauft wird. Der Film kann schon vor einem Jahr in den USA in die Kinos, lief auf keinem Festival. Nur ist es leider keine besonders gute Überraschung.

Tatsächlich ist die Komödie so mäßig, dass man sich fragt, was die Leute denn dazu veranlasst hat, das hier noch kaufen und veröffentlichen zu wollen. Das Thema an sich ist natürlich schon aktuell und relevant. Immer mehr Menschen entwickeln eine Handy-Sucht, verlagern wichtige Teile ihres Lebens ins Virtuelle, lassen sich politisch, kulturell und persönlich dort formen. Daraus lässt sich eine Menge machen, sofern der Stoff in den richtigen Händen liegt. Ob man dazu jedoch Jon Lucas und Scott Moore zählen muss, darüber lässt sich streiten. Bekannt geworden wurde das Duo durch sein Drehbuch zu Hangover, mit Filmen wie Bad Moms versuchten sie sich zudem als Regisseure.

Zwischenlangweilig und nervig
Wer diese Filme kennt, der weiß dann auch schon relativ genau, was einen hier erwartet: Humor, der gerne ins Derbe geht und kein Interesse daran hat, tatsächlich etwas Relevantes zu sagen. Das bedeutet bei dem Thema natürlich schon verschenktes Potenzial. Schlimmer noch ist aber, dass Jexi so gar nicht lustig ist. Profitierte Hangover seinerzeit von dem ungewöhnlichen Szenario und einem talentierten Ensemble, würde man das hier nicht gerade behaupten wollen. Die Gags sind altbacken, neigen zu starken Wiederholungen. Hauptdarsteller Adam DeVine (Magic Camp, Game Over, Man!) ist auch nicht unbedingt jemand, der durch eine besonders Präsenz auffallen würde.

Das fällt besonders in der zweiten Hälfte auf. Während die erste sich stärker auf die titelgebende künstliche Intelligenz beschränkt und wie diese zunehmend Grenzen überschreitet, soll die zweite nicht nur komisch, sondern auch romantisch sein. Was sie aber nicht ist. Tatsächliche Emotionen weckt der Film nicht, sofern man nicht akute Langeweile als solche bezeichnen will. Es mangelt Phil einfach an dem notwendigen Charisma, um sich für sein Leben interessieren zu wollen. Wobei es bei den anderen Figuren nicht besser aussieht. Michael Peña ist als Phils Chef einfach nur nervig, Alexandra Shipp wird darauf reduziert, das Love Interest zu sein und zeigt dabei weniger Persönlichkeit als die Handy-Stimme. Wie so etwas deutlich besser funktionieren kann, das bewies vor einigen Jahren Her, bei dem sich ein Mann in eben so eine künstliche Intelligenz verliebte und damit unsere Beziehung zur Technik in Frage stellte. Bei Jexi gibt es hingegen nur Zickenterror und plumpe Klischees, die einen den Glauben an Menschen und Technik gleichermaßen verlieren lassen.

Credits

OT: „Jexi“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Jon Lucas, Scott Moore
Drehbuch: Jon Lucas, Scott Moore, Patrick Doran
Musik: Christopher Lennertz, Philip White
Kamera: Ben Kutchins
Besetzung: Adam DeVine, Alexandra Shipp, Michael Peña, Justin Hartley

Trailer

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Jexi
In „Jexi“ macht ein von seinem Handy besessener Mann die Bekanntschaft einer künstlichen Intelligenz, die zunehmend sein Leben bestimmt. Als Thema hatte das durchaus Potenzial, doch die altbackenen Witze, die erzwungene Romanze und ein wenig charismatischer Hauptdarsteller würgen das Interesse ab, noch bevor die Geschichte in Fahrt kommt.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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