(„Hangover“ directed by Todd Phillips, 2009)

Wenn das schnell in Vergessenheit geratene Starsky & Hutch trotz namhafter Besetzung nur marginal meinen Humor traf macht es Todd Phillips bei Hangover deutlich besser. Der Film punktet bei mir mit herrlicher Situationskomik und einem gut harmonierenden Darstellerpool.

Doug (Justin Bartha) wird in zwei Tagen heiraten, für seine engsten Freunde ist dies natürlich ein guter Grund um nach Jahren mal wieder so richtig auf den Putz zu hauen deswegen wird kurzerhand eine Junggesellenabschiedsfeier in Las Vegas organisiert. Es gib da zum einen Phil (Bradley Cooper), der ein bisschen wie der Anführer der Truppe wirkt. Der smarte Grundschullehrer und verheiratete Vater ist der  geborene Partylöwe, die Fete in Vegas scheint für ihn ein willkommener Alltagsausbruch zu sein. Ähnlich ergeht es den verklemmten Zahnarzt Stu (Ed Helms), der zwar noch nicht vermählt, dafür aber unter einer herrschaftssüchtigen Freundin zu leiden hat. Für ihn wird sich die Reise in die Wüste von Nevada in Sachen Liebe noch als besonders illuminierend erweisen. Das Schlusslicht bildet der Neuzugang der Clique und Bruder der Braut. Alan (Zach Galifianakis), so sein Name, scheint gehörig ein paar Schrauben locker zu haben und wirkt auf die anderen zunächst wie ein Zurückgebliebener den es nur aufgrund seines Familienstatus gilt mitzunehmen.

Nachdem alle vier Protagonisten kurz vorgestellt und eingesammelt wurden kann es mit Schwiegerpapis geliebten und zur Feier des Tages an Doug geliehenen Mercedes Richtung Westen losgehen. Angekommen in der Stadt die niemals schläft überstürzen sich allerdings die Ereignisse. Alan, der sich in der Gruppe erst etablieren muss und es im Prinzip ja nur gut meinte, versetzt aus versehen ihre Getränke mit sogenannten Roofies, einer starken Blackout-Droge. Der Zuschauer bekommt jetzt aber nicht wie man vermuten möchte eine ausufernde Rauschnacht zu Gesicht sondern wacht gemeinsam mit den Darstellern am nächsten Morgen auf und sieht lediglich die Folgen. Der in der Hotelsuite herumstreichende Tiger, ein gackerndes Huhn oder die selbstgebastelte Bowlingbahn stellen dabei nur das kleinste Problem dar, denn Doug, dessen Hochzeit in ca. 24 Stunden stattfinden soll, scheint wie vom Erboden verschluckt zu sein.

Genau ab diesem Zeitpunkt wird das Ganze dann auch erst so wirklich interessant. Die drei verbleibenden Protagonisten irren fortan durch Vegas um anhand der spärlich vorhandenen Indizien aus vergangener Nacht irgendetwas über den Verbleib von Doug in Erfahrung zu bringen. Sie stoßen dabei auf allerlei kuriose Figuren (unter anderem auf Mike Tyson der sich selbst spielt und Heather Graham) und hören haarsträubende Storys über ihren nächtlichen Streifzug.

Der Film begrenzt sich im Grunde nun darauf die fehlenden Puzzlestücke zusammenzuführen um – wie könnte es auch anders sein – es am Ende rechtzeitig zu Dougs Hochzeit zu schaffen. Nichts desto trotz bietet Hangover aber viele lustige Momente die gut unterhalten können und der Streifen erfüllt somit auch voll und ganz seinen Zweck. Das relativ unbekannte Schauspielergespann umfasst diverseste Charakterzüge bei den für jedem etwas dabei sein sollte. Vor allem Galifianakis und Cooper, der bereits eine durchaus ähnliche Rolle in der Serie Nip/Tuck übernehmen durfte, wissen zu gefallen. Schlicht überragend, herrlich überzogen und gleichzeitig unendlich nervig war allerdings Ken Jeong der hier als Mr. Chow sein Bestes gibt.

Die oftmals gelesenen Kritiken die den Film allerdings regelrecht in den Himmel loben und die durch die Bank hohen Bewertungen diverser Onlineportale kann ich dann aber doch nicht ganz nachvollziehen, schließlich glänzt Hangover kaum mit Originalität und bietet unterm Strich nur einen unterhaltsamen Sauftrip schräger Vögel. Phillips inszeniert tolles Popcornkino und weckt wohl nostalgische Gefühle bei in die Jahre gekommene Männer, macht allerdings keine Anstalten auch darauf hinzuweisen dass man keine Las Vegas-Tour im Drogenrausch braucht um Spaß zu haben bzw. den oftmals tristen Alltag vergessen zu machen.

Egal aber jetzt, denn Hangover ist eine Komödie wie ich sie seit Jahren nicht mehr gesehen habe und macht einen Mörderspaß. Todd Phillips beweist dass ein Filmgenre das zuletzt meist durch schmalzige, romantische Komödien dominiert wurde durchaus auch anderweitig genutzt werden kann. Hoffentlich konnte sein verdienter Erfolg der Branche ein aufrüttelndes Signal senden.

Hangover
4.14 (82.73%) 22 Artikel bewerten

7 Responses

  1. Dr. Borstel

    Absolute Zustimmung meinerseits (übrigens auch zu der Bemerkung zu „Starsky & Hutch“). „Hangover“ ist bestimmt kein Meisterwerk und in zehn Jahren wird sich niemand mehr an den Film erinnern; ich werde vermutlich auch nie die nötige Motivation zusammen bekommen, ihn mir ein zweites Mal anzuschauen. Das eine Mal hatte ich allerdings meinen Spaß. Nette, etwas überspannte Situationskomik mit den großartigen Galifianakis und Yeong, der – der kleine Widerspruch sei dann doch gestattet – mich nicht einmal ansatzweise genervt hat, so overacted seine Rolle auch war. Bloß das Ende gefällt mir rückblickend nicht mehr besonders.

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    • Candide

      …und Yeong, der – der kleine Widerspruch sei dann doch gestattet – mich nicht einmal ansatzweise genervt hat, so overacted seine Rolle auch war.

      In diesem Fall sollte nervig vielleicht nicht allzu negativ angesehen werden, in der deutschen Synchronisation wurde es mir aber irgendwann schon ein bisschen zu viel des Guten. Dieselbe Szene (Doug-gegen-Geld-Tausch) wirkt im O-Ton da um Längen besser.

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  2. Dr. Borstel

    Da bin ich leider überfragt, habe – da in Gesellschaft – nur die synchronisierte Fassung gesehen, wobei mir der Ton eigentlich nicht negativ aufgefallen ist.

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  3. Ijon Tichy

    Schöne Review 😉

    Die Grundidee, die Nacht nicht zu zeigen, sondern den Tag danach, ist an sich ja schon originell. Aber letzten Endes bleibt es eine mit vielen Klischees und abgedroschenen Stereotypen triefende Hollywood-Komödie – egal, ob es sich nun um bekannte oder unbekanntere Schauspieler handelt.

    „Todd Phillips beweist dass ein Filmgenre das zuletzt meist durch schmalzige, romantische Komödien dominiert wurde durchaus auch anderweitig genutzt werden kann.“
    Leider (ACHTUNG SPOILER!) kommt es am Ende doch noch zu Schmalz und Romantik, was mir persönlich dann doch ordentlich die Suppe versalzen hat.

    „Phillips inszeniert tolles Popcornkino und weckt wohl nostalgische Gefühle bei in die Jahre gekommene Männer“
    Das ist wohl der Hauptgrund für die übereifrigen Lobeshymnen auf den durchschnittlichen Streifen, der ein bisschen „Fear & Loathing“ zitiert oder sich bei „Very Bad Things“ bedient.

    Unterm Strich kann (aber muss) man den Streifen (nicht) ansehen, denn mindestens ein, zwei Lacher sind garantiert.

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  4. Sebastian Krause

    Auch ich habe es endlich geschafft den mir so vorgelobten „Hangover“ im Free-TV zu sichten.
    Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nie auf den Begeisterungszug aufgesprungen bin und mir die DVD käuflich erworben habe.

    Die Rezension von Lorenz sagt eigentlich alles, nur dass bei mir der „Mörder“-Spaß ausgeblieben ist, doch einige herzhafte Lacher, entstanden aus der Situation heraus, überzeugen von gelungenen Gags und dem Verständnis für Humor.

    Aber mal ehrlich, Mike Tyson’s Tiger und ein typisches Hollywood-Ende, nach einem außergewöhnlicheren Anfang versauen, wie oben schon bemängelt wurde, neben etlichen anderen Klischees die Originalität des Flms nachhaltig. Schade drum.

    Ich kann also den Hangover-hype nicht mal Ansatzweise nachvollziehen, ohne mich zu fragen: Gibt es denn wirklich keine guten Komödien mehr auf dem Markt, sodass Filme wie Hangover genügen, um die Zuschauer vollständig zufrieden zu stellen und maßlos zu begeistern? Das wäre wahrlich traurig.

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    • Lorenz Mutschlechner

      Gibt es denn wirklich keine guten Komödien mehr auf dem Markt, sodass Filme wie Hangover genügen, um die Zuschauer vollständig zufrieden zu stellen und maßlos zu begeistern?

      Aus Hollywood darf man das wohl eher nicht erwarten, kann Dir in dieser Hinsicht aber den selbst vor kurzem gesehenen französischen Film „Ziemlich beste Freunde“ wärmstens empfehlen, ich habe mich im Kino fast totgelacht.

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