Kritik

The Postcard Killings

„The Postcard Killings“ // Deutschland-Start: 8. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Es ist ein grauenvoller Anblick, der sich Jacob Kanon (Jeffrey Dean Morgan) da bietet: Seine Tochter und ihr Ehemann wurden während ihrer Hochzeitsreise grausam ermordet, zerstückelt und auf bizarre Weise neu zusammengesetzt. Aber wer könnte eine solche furchtbare Tat begangen haben? Und aus welchem Grund? Als der New Yorker Polizist nach möglichen Hinweisen sucht, führt ihn die Spur nach München, wo ein ganz ähnlicher Mord geschehen ist. Gemeinsam mit dem deutschen Kommissar Bubeck (Joachim Król) und der schwedischen Journalistin Dessie Leonard (Cush Jumbo) jagt er dem Phantom hinterher, das es zu seiner Methode gemacht hat, seine Verbrechen immer mit Postkarten anzukündigen …

Eines muss man The Postcard Killings lassen: Es gibt doch den einen oder anderen Moment, über den man schmunzeln darf. Wenn etwa Kanon ganz frustriert ist, dass es in Europa Reisefreiheit gibt und die Menschen deshalb nicht ständig überwacht werden können, ist das einer davon. In einem anderen wird trocken entgegnet, dass es in den USA üblich ist, erst zu schießen und danach zu fragen. Möglich gemacht wird beides durch eine Mörderjagd, die quer durch Europa führt und auch noch einen US-Polizisten mit hineinzieht. Das soll für internationales Flair sorgen und den einen oder anderen Konflikt, wenn sich Behörden und Mentalitäten gegenseitig in die Quere kommen.

Eine Suche ohne Sinn
Tatsächlich wurde auch beim Cast darauf geachtet, möglichst international zu besetzen, auch wenn die Nationalität der Figuren höchstens zufällig mal der derjenigen entspricht, die sie spielen. Darüber kann man sich im Einzelfall dann mal ärgern, auch darüber, dass die interkontinentale Schnitzeljagd wenig lokales Flair hat. Die eigentlichen Probleme von The Postcard Killings liegen aber woanders. Tatsächlich sind diese Unstimmigkeiten eher symptomatisch für einen Film, bei dem wenig auf die Details geachtet wurde, man sich nicht übermäßig um Glaubwürdigkeit scherte, an allen Ecken und Enden irgendwas passiert, bei dem man sich am Kopf kratzt und fragt: Was genau sollte das jetzt?

Grundsätzlich folgt die Adaption eines Romans von Liza Marklund und James Patterson (Zoo) natürlich schon den Vorgaben, mit denen in diesem Metier gearbeitet wird. Titel wie Sieben oder Die Stille des Todes zeigen bekanntlich gern Serienmörder, die irgendwelchen bizarren Ritualen folgen, alternativ besondere Statements mit ihren Verbrechen abgeben wollen. Gewissermaßen geschieht das auch hier, wenn die Jagd auf Unbekannte zu einem Ergebnis führt. Es gibt ein Motiv. Es gibt ein Ziel. Es ist nur völliger Blödsinn. Nun sind psychisch Kranke Killer nicht unbedingt Vorbild rationalen Verhaltens. Das sollte aber kein Freischein sein, einfach nur willkürlich irgendwas vor die Füße zu werfen, so wie es The Postcard Killings hier und an anderen Stellen macht.

Unterwegs mit einem Langweiler
Es ist aber nicht allein diese inhaltliche Schwäche, die den Thriller zu einer unbefriedigenden Angelegenheit macht. Die Figuren haben ebenfalls ihren Anteil daran, dass sich die Anteilnahme des Publikums in Grenzen hält. So ist Kanon nicht nur kaum charismatisch, er ist auch als Mensch eine Nullnummer, mit der man freiwillig nicht viel Zeit verbringen möchte. Man freut sich sogar eher, wenn ihm die anderen die Tür vor der Nase zuschlagen – was den großen Kooperationswillen von Bubeck umso unverständlicher macht. Jeffrey Dean Morgan (Die Vorsehung) gelingt es in diesen Momenten nicht, die Zuschauer und Zuschauerinnen wirklich abzuholen. Wenn er seine Figur wenigstens auf eine interessante Weise unsympathisch machen würde. So aber bleibt nur eine unangenehme Mischung aus Ärgernis und Desinteresse – keine besonders gute Voraussetzung.

Insgesamt gibt es wenig, das wirklich als Argument für den Film dienen könnte. Das Anrichten der Opfer ist abscheulich und grotesk und zumindest anfangs will man schon wissen, wer dafür verantwortlich ist. Wer diese Art Filme mag und unbedingt Nachschub braucht, weil er alle anderen Titel schon durch hat, der kann also schon mal hier reinschauen. Ab dem Zeitpunkt, wenn das beantwortet ist, ist der eigentliche Sinn und Zweck des Thrillers jedoch vorbei, der Film selbst ist es nicht. Soll heißen: Danach heißt es tapfer sein und auf das Unvermeidliche warten, wenn The Postcard Killings jeglichen Versuch der Eigenständigkeit aufgibt und mit vollem Bewusstsein auf sein klägliches Ende zukriecht, das nur durch das atmosphärische Setting etwas gerettet wird.

Credits

OT: „The Postcard Killings“
Land: UK, USA
Jahr: 2020
Regie: Danis Tanović
Drehbuch: Tove Alsterdal, Ellen Brown Furman, Liza Marklund, Andrew Stern, Tena Štivičić
Vorlage: Liza Marklund, James Patterson
Musik: Simon Lacey
Kamera: Salvatore Totino
Besetzung: Jeffrey Dean Morgan, Famke Janssen, Cush Jumbo, Joachim Król, Steven Mackintosh, Naomi Battrick

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The Postcard Killings
„The Postcard Killings“ beginnt mit einem bizarren Mord, der einen US-Polizisten auf Spurensuche durch ganz Europa schickt. Das klingt vielversprechend, ist am Ende aber doch ernüchternd. Vereinzelt darf man sich darüber amüsieren, wie der Protagonist mit den Methoden im Ausland hadert. Er selbst ist aber ebenso wie die Gegenseite wenig interessant, der Thriller an vielen Stellen auch unsinnig.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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