(„Solace“ directed by Afonso Poyart, 2015)

Die Vorsehung

„Die Vorhersehung“ läuft ab 31. Dezember im Kino

Sie sind unterschiedlich alt, unterschiedlichen Geschlechts, kennen sich nicht, haben auch sonst keine Gemeinsamkeiten – die Polizei steht vor einem Rätsel, wie und weshalb sich der Serienmörder (Colin Farrell) seine Opfer aussucht. Aber ganz aufgeben wollen die FBI-Agenten Joe Merriwether (Jeffrey Dean Morgan) und Katherine Cowles (Abbie Cornish) nicht, bitten deshalb den Psychoanalytiker Dr. Clancy (Anthony Hopkins) um Hilfe, da dieser über hellseherische Fähigkeiten verfügt. Der ziert sich zunächst, da er seine Gabe nie wieder einsetzen wollte, willigt am Ende aber doch noch ein, als er merkt, was hier auf dem Spiel steht.

Wenn ein Drehbuch 15 Jahre von Produzent zu Produzent weitergereicht wird, dann kann das bedeuten, dass es sich um ein sehr ungewöhnliches, dem Mainstream kaum zu verkaufendes handelt. Oder um eins, das einfach nur schlecht ist. Bei Die Vorsehung, eines dieser immer wieder gescheiterten Langzeitprojekte, ist es nicht so ganz klar, welche der zwei Möglichkeiten es hier waren, zutreffen tun sie beide irgendwie. Dabei ist es gar nicht mal das grundsätzliche Szenario, das hier ein Problem darstellt, ist dieses doch sehr klassisch: Polizisten bzw. Agenten, die mit ihrer Weisheit am Ende sind und deshalb außenstehende Spezialisten zu Rate holen, das ist wirklich nicht kontrovers. Wohl aber, dass hierbei auf übersinnliche Fähigkeiten zurückgegriffen wird, eigentlich ein absolutes No-Go im Krimi-Thriller-Bereich.

Man muss sich daher schon auf diese eigenwillige Prämisse einlassen wollen, um Die Vorsehung etwas abgewinnen zu können. Tut man das, darf man sich hier immerhin solide Unterhaltung erhoffen, die ihre übernatürlichen Elemente gleich in zweifacher Hinsicht gut auszunutzen weiß. Zunächst mussten sich die Drehbuchautoren nicht sonderlich damit aufhalten, ob eine Ermittlung nachvollziehbar ist und konnten auf diese Weise Wendungen einbauen, die in einem „richtigen“ Film einfach nicht funktionieren würden, Die Vorsehung wird zu einem kaum vorhersehbaren Thriller, der einem sogar ein bisschen was zum Nachdenken mit auf den Weg gibt.

Außerdem durfte der brasilianische Regisseur Afonso Poyart bei seinem internationalen Debüt in den hellseherischen Momenten zeigen, was er früher bei seinen Werbefilmen gelernt hat. Ob Zeitraffer oder Zeitlupe, Weitwinkel oder extreme Nahaufnahme, Poyart probiert hier alles einmal aus, zaubert so zusammen mit dem Score von Elektro-Musiker BT eine ganze Reihe äußerst schicker Szenen auf die Leinwand. Allerdings hätte es dem Film gut getan, wenn er diese Spielereien nicht ganz so exzessiv eingesetzt hätte: Was als Pluspunkt beginnt, verliert mit der Zeit seinen Reiz, wird zum Schluss sogar etwas ermüdend.

Ein Pluspunkt bis zum Schluss bleibt hingegen die Besetzung. Schon Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish als ungleiche Agentenpartner halten sich konstant über dem Durchschnitt, auch wenn die Rollen sich nicht wirklich originell angelegt sind. Am stärksten ist Die Vorsehung aber, wenn Hopkins und Farrell sich gegenüberstehen, sie alles und jeden um sich herum vergessen lassen. Lohnt es sich dafür, den gesamten Film anzuschauen und die kruden Aspekte der Geschichte in Kauf zu nehmen? Auch hier fällt die Antwort wie schon bei dem Drehbuch nicht wirklich eindeutig aus. Seinen Zweck erfüllt der Thriller aber, allen Schwächen zum Trotz will man immerhin wissen, wie das Duell zwischen den beiden ungewöhnlichen Männern am Ende ausgeht.


Die Vorsehung
4.07 (81.43%) 28 Artikel bewerten

Die Vorsehung
Wenn du den Täter nicht auf herkömmliche Weise schnappen kannst, dann such dir doch einfach einen Hellseher. Das ist für einen Thriller natürlich eine krude, um nicht zu sagen billige Methode der Verbrechensbekämpfung, lässt „Die Vorhersehung“ aber immerhin wendungsreich und schick inszeniert werden.
6von 10

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