Kritik

Parfum des Lebens

„Parfum des Lebens“ // Deutschland-Start: 11. Februar 2021 (Kino)

Es läuft nicht so recht im Leben von Guillaume Favre (Grégory Montel). Als wäre die Scheidung nicht schon schlimm genug gewesen, muss er nun auch noch um das Sorgerecht für seine Tochter Léa (Zélie Rixhon) bangen. Schließlich ist seine Wohnung zu klein, um den Bedürfnissen einer Jugendlichen gerecht zu werden. Geld für einen Umzug hat er auch keins. Im Gegenteil: Beinahe hätte er seinen Job als Chauffeur verloren, weil er sich mal wieder nicht so ganz an die Verkehrsregeln gehalten hat. Als er eine neue Kundin zugeteilt bekommt, ist er deshalb überglücklich. Aber das Glück hält nicht lange, stellt sich Anne Walberg (Emmanuelle Devos), deren Job im Zusammenmischen von Gerüchen besteht, doch als äußerst schwierig heraus …

Je ungewöhnlicher eine Begabung ist, umso verschrobener muss auch der Mensch sein. In Filmen trifft man sie immer wieder mal, Leute, die sich so sehr auf ihre Talente spezialisiert haben, dass dabei ihre soziale Kompetenz ein wenig verkümmert ist. Im Fall von Anne trifft das auf jeden Fall zu. Es ist nicht nur so, dass sie bei ihrem Umgang mit anderen distanziert und unterkühlt ist, Worte wie „bitte“ oder „danke“ in dem Vokabular nicht vorzukommen scheinen. Ihr ist oftmals nicht einmal bewusst, wie unmöglich sie sich aufführt. Das ist für die bedauernswerten Leute in ihrem Umfeld natürlich eine Zumutung. Für Außenstehende, die sich die Eskapaden aus sicher Entfernung anschauen dürfen, aber nicht ohne Unterhaltungswert.

Eine komische Kundin
Tatsächlich besteht über längere Phasen der Spaß in Parfum des Lebens darin, wie Guillaume an der Frau verzweifelt, sich dabei jedoch immer wieder zurücknehmen muss, um Job und damit Tochter nicht zu verlieren. Aber selbst wenn Anne mal niemanden vor den Kopf stößt, ist sie dank ihrer nicht ganz alltäglichen Beschäftigung eine interessante Figur. Es dauert eine Weile, bis man so ganz dahinter steigt, was genau sie eigentlich tut. Zum einen spannt der Film das Publikum etwas auf die Folter, will durch die fehlenden Informationen Neugierde erzeugen. Es hängt aber auch damit zusammen, dass der Job sich eher schwierig beschreiben lässt, dem die Frau mit dem exzellenten Geruchssinn da nachgeht.

Die verschiedenen Aufträge, die sie zu erfüllen hat, sind dabei immer wieder kleine Höhepunkte, bringen sie einem doch eine Welt näher, von der man nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Parfum des Lebens wird dabei sogar etwas unvermutet zu einem Film mit kritischen Untertönen, wenn diverse eigentlich unverschämte Manipulierungsversuche von Unternehmen aufgedeckt werden. Um ein Sozialdrama handelt es dabei jedoch nicht. Vielmehr strebte Regisseur und Drehbuchautor Grégory Magne eine etwas leichtere Unterhaltung an, schuf eine Komödie mit einigen etwas ernsteren Passagen und Elementen, vor allem aber einem hohen Wohlfühlfaktor.

Viel Konvention, hoher Wohlfühlfaktor
Dass die beiden Hauptfiguren sich mit der Zeit näher kommen, ist natürlich einkalkuliert. Magne versucht erst gar nicht, bei der Dramaturgie tatsächlich neue Wege zu beschreiben. Sieht man einmal von dem ausgefallenen Beruf Annes ab, ist Parfum des Lebens sogar ein ziemlich konventioneller Film, bei dem man immer ziemlich genau weiß, was als nächstes geschieht. Aber es ist ein Film, der Spaß macht. Der Unterhaltungsfaktor stimmt, trotz leichter Längen im weiteren Verlauf. Außerdem tut es gut, wie hier Leute aus der Krise finden, sich selbst finden, einen Platz für sich finden in einer Welt, in der die Menschen oft erbarmungslos an den Rand gedrückt werden. Das spendet Trost, gerade in einem Jahr wie diesem, in dem es nur selten etwas Erfreuliches zu verkünden gab.

Das funktioniert auch dank des Ensembles sehr gut. Emmanuelle Devos (Der Sohn der Anderen) brilliert als Exzentrikerin, die den Zugang zu der Welt verloren hat. Und auch die Chemie mit Grégory Montel (Call My Agent!) stimmt, dessen Figur sich mit der Zeit zu einem Vertrauten weiterentwickelt. Schön ist dabei zudem, dass nicht versucht wurde, aus dieser Beziehung eine romantische zu machen, wie es in solchen Fällen meistens vorkommt. Hier dürfen zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts auch mal eine andere Form von Verbindung aufbauen, die nicht minder rührend ist. Wer mal wieder das Bedürfnis nach wohliger Filmunterhaltung hat, nach der man sich ein bisschen glücklicher fühlt, der darf sich bei der französischen Komödie daher seelisch einkuscheln und die normale Welt da draußen vergessen.

Credits

OT: „Les Parfums“
Land: Frankreich
Jahr: 2019
Regie: Grégory Magne
Drehbuch: Grégory Magne
Musik: Gaëtan Roussel
Kamera: Thomas Rames
Besetzung: Emmanuelle Devos, Grégory Montel, Gustave Kervern, Sergi López, Zélie Rixhon

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Prix Lumières 2021 Beste Hauptdarstellerin Emmanuelle Devos Nominierung

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Parfum des Lebens
In „Parfum des Lebens“ verzweifelt ein Chauffeur an den Launen seiner sozial gestörten Kundin, kommt ihr mit der Zeit aber näher. Insgesamt ist die Geschichte der französischen Komödie natürlich schon vorhersehbar. Aber der Unterhaltungsfaktor stimmt, gerade wegen der Besetzung und des ungewöhnlichen Berufes der Protagonistin, dazu gibt es einen hohen Wohlfühlfaktor.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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