Kritik

Das Tal der Mörder

„Das Tal der Mörder“ // Deutschland-Start: 26. Oktober 2020 (ZDF)

Der Schock sitzt tief bei Eva Kufner (Anna Unterberger), als sie hört, was ihre im Sterben liegende Mutter ihr zu sagen hat: Der Marmorbruchbesitzer Anton Gasser (Fritz Karl) soll seinerzeit Evas Vater ermordet haben, um sich an ihr zu rächen. Um der Sache auf die Spur zu gehen, beschließt die Tochter, selbst an den Ort des Verbrechens zu reisen und dort unter falschem Namen als Hausmädchen zu arbeiten. Dabei kommt sie nicht nur dem mutmaßlichen Täter näher, sondern auch dessen Söhnen Jakob (Franz Dinda) und Florian (Gerrit Klein), die untereinander nicht das beste Verhältnis haben. Aber auch Eva selbst gerät bald in die Schusslinie, als Jakob beginnt, Verdacht zu schöpfen …

Undercover auf Mörderjagd
Es gehört zu den beliebtesten Handlungselementen des Krimis: Um hinter das Geheimnis eines Mordes zu kommen, schleicht sich jemand unter Vortäuschung einer falschen Identität ein und ermittelt Undercover. Dass sich jemand als Hausmädchen ausgibt, um so ein Verbrechen aufzuklären, kennen wir beispielsweise aus dem unverwüstlichen Klassiker 16 Uhr 50 ab Paddington. Der Kniff funktioniert prinzipiell aber auch einige Jahrzehnte später tadellos. Hausangestellte werden gerne mal eher missachtet und als bloßen Hintergrund wahrgenommen, was es diesen ermöglicht, ganz ungeniert ein bisschen herumzuschnüffeln und nach Hinweisen zu suchen.

Von dem Humor, den der Krimi um die rüstige Amateurin Miss Marple gerne verwendete, ist man bei Das Tal der Mörder aber ganz weit entfernt. Stattdessen gibt es hier eine Extraportion Drama. Auch wenn die Zahl an Figuren in der TV-Produktion überschaubar ist, es gibt da praktisch keine normalen Beziehungen mehr. Entweder hassen sich die Leute, sind neidisch auf die Position des anderen oder begehren Personen, die sie gar nicht haben können oder sollen, weil sie schon mit anderen liiert sind. Oder es schlicht etwas unpassend ist, wenn auf einmal der frisch verwitwete Gassner der deutlich jüngeren Eva hinterhersteigt. Überhaupt: Die Männer kommen in dem Film überhaupt nicht gut weg, sind größtenteils irgendwie widerlich und haben ein mindestens problematisches Verhältnis zu Frauen, die gerne mal zu einem Objekt reduziert werden.

Ich leide leider leidenschaftlich
So ganz kann sich Das Tal der Mörder aber nicht dazu durchringen, daraus auch wirklich eine Aussage abzuleiten. Stattdessen versucht sich der Film daran, möglichst verhängnisvolle Leidenschaften darstellen zu wollen. Das bedeutet jedoch nicht, dass er damit auch bewegend würde. Vielmehr sind die Charaktere so erbärmlich bis nervig, dass man sich nur schwer dafür begeistern kann, ihr Schicksal weiter zu verfolgen. Nicht einmal Eva, die eigentlich als Heldin positioniert ist, taugt dafür. In ihrem Fall hat das aber auch mit der sehr spärlichen Figurenzeichnung zu tun. Wir lernen sie schließlich nur im Kontext der Ermittlungen kennen. Darüber hinaus hat sie keine Geschichte, keine Persönlichkeit – und leider auch kein Charisma.

Die Spannung ist dadurch eher überschaubar. Klar darf man sich fragen, ob ihre Verkleidung denn nun auffliegt und ob es in dem abgelegenen menschlichen Abgrund vielleicht noch zu weiteren „Unfällen“ kommt. Dennoch, als Krimi ist der Film wenig beglückend. Zwar ist Eva unentwegt damit beschäftigt mehr herausfinden zu wollen. Dennoch kommen die Ermittlungen nicht wirklich voran, weil der Fokus doch zu sehr auf der Familie liegt und wer wen warum nicht ausstehen kann. Und auf einer Liebesgeschichte zwischen Opfertochter und dem Verdächtigen, die sich zu wenig mit der an und für sich spannenden Frage auseinandersetzt, ob eine Liebe in einem solchen Fall funktionieren. Das grob geschlagene Drama könnte ein Publikum erfreuen, das sich gerne Seifenopern anschaut, zumal sich Das Tal der Mörder doch sehr ernst nimmt. Der Rest darf sich eher fragen: Warum genau soll ich mir das anschauen? Am ehesten kommt dafür noch das Setting in Frage, das doch recht stimmungsvoll geworden ist. Aber es ist dann doch nicht genug, um die wenig interessante, teils hanebüchene Geschichte auszugleichen, gegen die auch das engagierte Ensemble erfolglos anspielt.

Credits

OT: „Das Tal der Mörder“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Peter Keglevic
Drehbuch: Dominique Lorenz
Musik: Jürgen Ecke
Kamera: Emre Erkmen
Besetzung: Fritz Karl, Anna Unterberger, Franz Dinda, Gerrit Klein, Franz Buchrieser

Bilder



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Das Tal der Mörder
In „Das Tal der Mörder“ gibt sich eine Frau als Hausmädchen aus, um den vermeintlichen Mörder ihres Vaters auszuspionieren. Das hört sich spannend an, ist es aber kaum. Die Ermittlungen kommen kaum voran. Stattdessen darf man sich mit unangenehmen bis erbärmlichen Figuren herumplagen, mit denen man eher ungern Zeit verbringt.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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