Kritik

The Five Rules of Success

„The Five Rules of Success“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Nach einer langen Haftstrafe wird X (Santiago Segura) wegen guter Führung entlassen. Entschlossen, es in Los Angeles zu etwas zu bringen und ausgestattet mit einem Regelkatalog, der ihn zum Erfolg führen soll, wird er jedoch schnell gebremst durch die drakonischen Bewährungsauflagen, die ihm Emma (Isidora Goreshter), die für ihn zuständige Bewährungsbeamtin, mitteilt. Einschüchtern lässt sich X dann aber doch nicht, er befolgt Emmas Anweisungen und Regeln, auch wenn viele von ihnen mehr dazu gemacht zu sein scheinen, ihn zu demütigen. Schließlich heuert er als Auslieferer im Restaurant des griechischen Einwanderers Avakian (Jon Sklaroff) an, zu dem er Vertrauen aufbaut und in dessen Betrieb er schnell aufsteigt, besonders da Avakians Sohn Danny (Jonathan Howard) seinem Vater nichts als Sorgen und Kummer bereitet. Inspiriert von seiner Arbeit will schließlich auch X ein Restaurant im Herzen L.A.s eröffnen, welches seinen Kunden eine unvergleichliche Erfahrung garantieren soll. Jedoch fehlt ihm für sein Vorhaben nicht nur das nötige Geld, auch Emma stellt sich den Bestrebungen ihres Schützlings in den Weg. Schließlich sieht X keinen anderen Ausweg, als in sein altes Verhalten zurückzukehren und ein Verbrechen zu begehen, damit er endlich genug Geld hat, um seinen Traum zu erfüllen.

Die Regeln der Welt
In The Five Rules of Success befasst sich der US-amerikanische Regisseur und Kameramann Orson Oblowitz abermals mit dem Bild des modernen Amerikas. Bereits in seinem letzten Film, dem Home Invasion Thriller Hell is Where the Home is ging es um die Relevanz von Status- und Klassendenken in den USA, während sich Oblowitz in seinem dritten Spielfilm, der im Programm des Filmfestivals Oldenburg 2020 läuft, mit dem Mythos des amerikanischen Traums und den Möglichkeiten des persönlichen wie auch wirtschaftlichen Aufstiegs in seiner Heimat befasst. The Five Rules of Success ist ein visuell berauschender, zynischer und oft sehr brutaler Blick hinter die Kulissen des Landes, dessen Gesellschaft und Politik jeglichen Chancen auf Resozialisation im Wege stehen.

Im Zentrum der Handlung steht einer jener Träumer und Ambitionierten wie sie die Traumfabrik schon seit Jahren immer wieder zeigt. Wie Al Pacinos Tony Montana in Scarface ist auch der namenlose Protagonist in Oblowitz’ Film ein Repräsentant für all jene, die sich versuchen an die Regeln des Landes und der Wirtschaft, wahlweise aufgestellt von Institutionen oder individuellen Personen wie dem Restaurantbesitzer, zu halten. Frei nach der Idee der „ladder of success“, einzelne Charakteristika, die es zu erfüllen gilt, liegt es nur an der Ambition, dem Willen, hart zu arbeiten (auch an sich selbst), ob man aufsteigen kann oder nicht. Der von Santiago Segura mit großer Hingabe gespielten Protagonisten glaubt an dieses Versprechen, fügt sich den diversen Regelkatalogen seiner Umwelt und verwandelt sich mit ihnen.

Der moderne Traum
Reich an Verweisen, beispielsweise auf die Filme eines Guy Ritchie oder Danny Boyle, begibt sich X auf die Suche nach diesem einen Traum, der ihn antreibt. Die stetig wachsende Anspannung zeigt sich nicht nur im Spiel Seguras, sondern auch in der Ästhetik des Films, dem Farbrausch sowie der Filmmusik Daniel De Laras, welche die passende Untermalung zu einer Geschichte bietet, die immer weiter eskaliert und schließlich jegliche Grenzen sprengt. Es ist der amerikanische Traum, der hier gelebt und gefeiert wird, doch es ist gleichzeitig der Albtraum der Figuren, eine psychedelische Achterbahnfahrt, die zutiefst verstört und die erst spät ihr wahres, hässliches Gesicht zeigt.

Credits

OT: „The Five Rules of Success“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Orson Oblowitz
Drehbuch: Orson Oblowitz
Musik: Daniel De Lara
Kamera: Orson Oblowitz
Besetzung: Santiago Segura, Mike Ferguson, Jonathan Howard, Isidora Goreshter, Roger Guenveur Smith, Jon Sklaroff

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The Five Rules of Success
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The Five Rules of Success
„The Five Rules of Success“ ist eine Geschichte über das heutige Amerika, besonders über sein Versprechen des Erfolgs und des Aufstiegs. Orson Oblowitz gelingt ein farbenprächtig-surrealer Film über die Ambitionen eines Menschen, welche Grenzen oder Regeln diesen auferlegt werden und in welch dunkle Abgründe diese Bestrebungen führen. Ein beeindruckender Film, der gerade in der heutigen Zeit sehr aktuell erscheint.
8von 10

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