Kritik

Get the Hell Out

„Get the Hell Out“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Eigentlich will Yu-wei (Bruce Hung) nur seine Arbeit als Sicherheitsbeamter im taiwanesischen Parlament verrichten, als er plötzlich mitten in einer politischen Schlammschlacht landet. Nach einer erhitzten Debatte um die Errichtung einer Chemiefabrik und der damit verbundenen Zerstörung eines Fischerdorfs, geraten die Befürworter, angeführt von dem korrupten Abgeordneten Li (Wang Chung-huang), sowie deren Gegner aneinander. Die Abgeordnete Ying-ying (Megan Li) verfolgt dabei noch eine sehr persönliche Agenda, da besagtes Dorf ihre Heimat ist und ihr Vater dort seiner Arbeit nachgeht. Als ihr ein Journalist eine unpassende Frage stellt, greift Ying-ying diesen an und als Yu-wei zu schlichten versucht, wird er ebenfalls Opfer ihrer Attacke, die sogleich am nächsten Tag in der Presse breit getreten wird und den Ruf der jungen Abgeordneten irreparabel schädigt. Da nun Yu-wei von der Presse wegen seiner Integrität gefeiert wird, wollen sowohl Ying-ying als auch Li den jungen Mann für ihre Pläne einspannen. Nun in der Rolle als Abgeordneter soll er während der abschließenden Debatte um die Chemiefabrik das Zünglein an der Waage sein, doch auf einmal findet er sich in einer ganz anderen Schlecht wieder. Infiziert mit einem neuartigen Tollwut-Virus mutiert der Präsident Taiwans zu einem wilden Zombie, der sogleich sich daran macht, weitere Abgeordnete zu infizieren. Nur mit Mühe und Not kann Yu-wei den Tollwütigen entkommen und findet heraus, dass sein Blut der Schüssel sein könnte zur Eindämmung der Epidemie.

Politik und Horror
Das Spielfilmdebüt des taiwanesischen Regisseurs I-fan Wang trägt in vielerlei Hinsicht das Herz auf der Zunge. Schon in seinem letzten Kurzfilm Temple of the Devilbuster vermischten sich vor allem auf ästhetischer Ebene viele Genrezutaten zu einer thematisch dichten Auseinandersetzung mit der Gesellschaft seines Heimatlandes. In Get the Hell Out, der nun unter anderem auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest gezeigt wird, sieht sich der Zuschauer ebenfalls einer wilden Mischung verschiedener Einflüsse ausgesetzt, wobei sich das von I-fan mitgeschriebene Drehbuch vor allem als eine Farce auf die politisch-gesellschaftliche Landschaft Taiwans versteht, deren Konflikte sich hinter geschlossenen Türen zwar austragen, aber deren zerstörerische Konsequenzen Einfluss auf das Leben vieler haben.

Mag Get the Hell Out bisweilen noch verrückter und auch wirrer sein, so kann man I-fan Wangs Film in der Tradition von Shaun of the Dead oder Zombieland betrachten. Neben eines reichen, teils undurchschaubaren Flickenteppichs verschiedenster popkultureller Anspielungen verweist die Geschichte nicht zuletzt auf die problematische Interpretation von Politik als Reality-Show, die immer mehr zu einer blutigen Farce wird. Der etwas naive, aber pflichtbewusste Yu-wei wird hierbei zu einem Spielball verschiedener Interessen, die ihn für seine Zwecke missbrauchen wollen, was ihm wiederum den Blick verstellt für das Wesentliche. Immer wieder findet er sich, wie die Protagonisten der eben genannten Vorbilder in Situation wieder, wo er zwischen beiden Fraktionen sowie der eigenen Intuition entscheiden muss, meist unter Zeit- und Handlungsdruck sowie begleitet von desaströsen Konsequenzen für ihn selbst oder die Menschen um ihn.

Zu Idioten werden
Allgemein ist die Idee des politischen Interessenkonflikts sowie die Verwandlung der politischen Elite eines Landes in tollwütige Idioten, wie sie an einer Stelle genannt werden, durchaus reizvoll. Auf formaler Ebene betont die Filmmusik Jimmy Lins und CK Changs sowie die comic-hafte Ästhetik, komplett mit entsprechenden Soundeffekten und visuellen Gags, die Idee der Farce als die sich Get the Hell Out anscheinend versteht. Ausgetragen wird hier der Kampf um die Zukunft des Landes, bei der die alte, ausgediente Elite sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst zerfleischt, doch sich nach wie vor der Ablösung durch die junge Generation wehrt. Die muss sich vor allem gegen den Gangster/Politiker Li wehren, der von Wang Chung-huang mit einer herrlichen Tendenz zum Over-acting gespielt wird.

Andererseits verliert die Geschichte durch ihren ästhetischen und narrativen Ballast auch vor allem in der zweiten Hälfte viel von ihrer Attraktivität. Ausgebreitet auf die Laufzeit von über 110 Minuten ist man irgendwann der Effektlastigkeit dieses Films müde, die letztlich zu kaschieren versucht, wie erzählerisch einfach gestrickt Get the Hell Out im Grunde ist.

Credits

OT: „Get the Hell Out“
Land: Taiwan
Jahr: 2020
Regie: I-fan Wang
Drehbuch: I-fan Wang, Shih-keng Chien, Wang-ju Yang
Musik: Jimmy Lin, CK Chang
Kamera: Seven Tsai
Besetzung: Ya-yen Lai, Hao Chen-he, Yatauyungana Paicx, Tsung-Hua Tuo, Chung-huang Wang, He-syuan Lin

Bilder

Trailer

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Get the Hell Out
3.75 (75%) 4 Artikel bewerten

Get the Hell Out
„Get the Hell Out“ ist eine wilde Mischung auf Horrorfilm und Komödie. Mag die Grundidee von I-fan Wangs Spielfilmdebüt noch ganz reizvoll sein, so wirkt sie auf die Dauer ermüdend, sodass man sich als Zuschauer bisweilen etwas mehr Zurückhaltung sowie einen konsequenteren Schnitt wünscht.
5von 10

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