Kritik

Rabid 2019 DVD

„Rabid“ // Deutschland-Start: 25. Oktober 2019 (DVD/Blu-ray)

Trotz ihres Talents scheint es für die Schneiderin Rose (Laura Vandervoort) so, als ob sie ihre Mitmenschen wie Luft behandeln. Wenn nicht gerade der Boss, der launische Modedesigner Gunter (Mackenzie Gray), sie wieder einmal heruntermacht wegen ihrer vermeintlichen Fehler, versucht sie verzweifelt, die Aufmerksamkeit des Fotografen Brad (Benjamin Hollingsworth) zu gewinnen, der sie eines Tages tatsächlich zu einem Essen einlädt. Als Rose dann aber am Abend erfährt, dass dies nur von ihrer besten Freundin eingefädelt war, dem Model Chelsea (Hanneke Talbot), fährt sie aufgebracht mit ihrem Roller in die Nacht und verursacht einen Unfall. Diesen überlebt sie zwar schwer verletzt, jedoch ist die junge Frau entsetzlich entstellt. Einer Anzeige des Burroughs Institut folgend, dessen Forschungsfeld der Transhumanismus ist, hofft Rose auf eine Rekonstruktion ihres Gesichts und tatsächlich gelingt die heikle Operation, bei welcher der behandelnde Arzt (Ted Atherton) eine neue Stammzellenkur testet. Für Rose beginnt nun ein neues Leben, denn nun wird sie endlich vor allem von der Männerwelt wahrgenommen und hat neue Energie und Ideen für ihre Entwürfe. Doch daneben entwickelt sie auch einen unerklärlichen Durst nach Blut und leidet an Albträumen, in denen sie Männern das Blut aussaugt. Zwar tut ihr Arzt diese als Nebenwirkungen des Eingriffs ab, jedoch sind es alles andere als Träume, was Rose erlebt. Schlimmer noch, ihre Opfer werden nach kurzer Zeit zu reißenden, tollwütigen Bestien.

Die neuen Religionen
Nach ihren vielen Arbeiten im Horrorgenre nahmen sich die kanadischen Filmemacherinnen Jen und Sylvia Soska als eines ihrer nächsten Projekte eine Neuinterpretation von Rabid – der brüllende Tod ihres Landsmanns David Cronenberg vor. Geschickt vermied das als Soska Sisters bekannte Regieduo die Bezeichnung „Remake“, wollten sie ihre Version mehr als eine Fortführung der Themen und Gedanken des Originals verstanden wissen, welches sie vor allem durch eine feminine Perspektive modernisieren wollten. Herausgekommen ist dabei ein Werk, welches mit vielen Ideen aus dem bisherigen Werk der Soska Sisters arbeitet und durchaus einige frische Ansätze liefert, aber leider nicht durchweg überzeugt.

Eine zentrale Neuerung ist die Anlage des Hauptcharakters Rose, dessen Umfeld im Film der Soska Sisters wesentlich mehr herausgearbeitet ist. Während die von Marilyn Chambers gespielte Rose in Cronenbergs Original eher minimal beschrieben wurde und bereits früh durch die Operation und den sich in ihrem Körper befindlichen Parasiten veränderte, ist Laura Vandervoort eine gänzlich andere Person, eher sensibel und verletzbar, was ihre Transformation noch erschreckender macht. Wie schon in American Mary verwechseln die Soska Sisters allerdings den Akt der Transformation mit einem Akt der Emanzipation, verstehen die Veränderung des Charakters auch als eine Befreiung, was die Vorlage durchaus hergibt, aber aufgrund der thematisch viel zu überlasteten Dialoge bisweilen irritiert. Alleine in den ersten Gesprächen von Rose mit Chelsea darf man getrost einmal mitzählen, welche inhaltlichen Baustellen sich der Film vornimmt, wodurch es dem Endergebnis an Fokus mangelt.

Neben der Sicht der Chirurgie oder des Transhumanismus als neue Religion wird auch die Kommerzialität der Modebranche als eine Art Ersatzreligion gesehen. Die Inszenierung betont den sakralen Charakter der Operation, wobei die roten Roben an Cronenbergs Dead Ringers erinnern, sowie die Prozession der Mode, welche Schönheit nach ihren, also kommerziellen Maßstäben festlegt.

Das Monster in mir
Diese omnipräsente Oberflächlichkeit und Fixierung auf den Körper als Ware erzeugt natürlich Monster. War das Vampirhafte in Cronenbergs Original Ausdruck eines Zerfallsprozesses menschlicher Beziehungen und eines problematischen Verhältnisses zum Körper, interpretieren die Soska Sisters den Blutdurst ihrer Protagonistin als schwarzhumorigen Kommentar auf eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder nur aussaugt, verbraucht und am Ende wieder ausspuckt. Diese Mentalität ist nahe am Chaos oder an der Tollwut gebaut, einer Aggression, die sich letztlich entleeren muss. Schade nur, dass es dem Film nicht durchweg gelingt, diese Ideen auszuformulieren oder zu Ende zu denken, denn gerade die letzten Minuten des Films verlieren sich in einem sinnlosen Geplänkel.

Credits

OT: „Rabid“
Land: Kanada
Jahr: 2019
Regie: Jen Soska, Sylvia Soska
Drehbuch: Jen Soska, Sylvia Soska, John Serge
Musik: Claude Foisy
Kamera: Kim Derko
Besetzung: Laura Vandervoort, Ben Hollingsworth, Ted Atherton, Stephen Huszar, Phil Brooks, Stephen McHattie, Mackenzie Gray, Hanneke Talbot

Bilder

Trailer

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Rabid (2019)
3.69 (73.85%) 13 Artikel bewerten

Rabid (2019)
„Rabid“ von Jen und Sylvia Soska ist eine solide, aber nicht durchweg überzeugende Neuinterpretation des Originals von David Cronenberg. Zwar sind die Ideen und Ansätze durchaus vorhanden, doch neben dem berechenbaren Drehbuch, den überladenen Dialogen gesellen sich auch einige schauspielerische Mängel.
5von 10

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