Kritik

American Mary

„American Mary“ // Deutschland-Start: 28. März 2013 (DVD/Blu-ray)

Mary Mason (Katherine Isabelle) ist eine ehrgeizige Medizinstudentin, die aber seit geraumer Zeit unter Geldnot leidet und eventuell gezwungen ist, ihr Studium aufzugeben. Bevor es dazu kommt, nimmt Mary in ihrer Verzweiflung eine Stelle als Tänzerin im Strip-Club von Billy Barker (Anthony Cupo) an. Doch das Vorstellungsgespräch verläuft ganz anders, als Mary es sich vorgestellt hat, denn schließlich bietet ihr Billy 5000 Dollar an, wenn sie einem seiner Männer hilft, der blutüberströmt im Keller des Clubs liegt. Zunächst schockiert nimmt Mary das Geld dennoch an und operiert an dem grausam zugerichteten Mann. Tage später meldet sich bei Mary Beatress (Tristan Risk), eine Tänzerin aus Billys Klub, die von Marys Fähigkeiten als Chirurgin gehört hat und sie im Namen einer Freundin engagieren will, die eine illegale Operation an sich durchführen lassen möchte, nach der sie aussehen will wie eine Puppe. Auch wenn Mary zunächst Bedenken hat, ist das Geld abermals sehr verlockend und sie nimmt das Angebot an. Damit öffnet sich für Mary eine neue Welt, denn Beatress und ihre Freundin gehören zu „Bodymod-Community“, zu Menschen, die an ihrem Körper teils drastische Eingriffe und Operation machen lassen, um anders oder kreativ zu sein. Mit der Zeit beginnt sich nicht nur Marys finanzielle Situation zu verändern, sondern auch sie selbst sowie ihre Beziehung zum menschlichen Körper.

Dein Körper, deine Kunst
Noch während Jen und Sylvia Soska ihren ersten Film Dead Hooker in a Trunk an einen Verleih verkaufen wollten, schrieben sie an dem Drehbuch zu ihrem zweiten Werk American Mary. Die Hauptrolle schnitten sie dabei eigens auf Darstellerin Katherine Isabelle zu, mit der sie später noch bei See No Evil 2 zusammenarbeiten sollten. Ausgangspunkt für die Geschichten bilden die Erfahrungen, welche das auch als The Soska Sisters bekannte Regieduo im Filmgeschäft machte, welcher Art von Menschen und Mentalität man vor allem als Frau begegnet. Von daher ist American Mary nicht nur der Beginn der Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, einem Thema, welches das Werk der Geschwister durchzieht, sondern zudem eine schwarzhumorige Darstellung mit dem Gegensatz von Kunst und Kommerz.

In einem denkwürdigen Auftritt sieht man Jen und Sylvia Soska selbst, die ein Geschwisterpaar spielen, welches nach einer ganz besonderen Art der Verbindung miteinander strebt. Immer wieder begegnet dem Zuschauer das erzählerische wie auch visuelle Motiv dieser Sehnsucht nach einer besonderen Verbindung zum eigenen Körper und zu dem eines oder einer anderen. Ähnlich der plastischen Chirurgie geht es auch innerhalb der Körpertransformation um die Perfektion des Körpers, aber in diesem Falle auch um den Selbstausdruck, um Kunst und die Hervorhebung der Einzigartigkeit des Ichs, welches sich sowohl im Inneren wie auch im Äußeren zeigen soll. Mit Mary finden die nach einer solchen Verbindung strebenden einen Menschen, der sie versteht und der ihren Wunsch nach diesem Alleinstellungsmerkmal erfüllt.

Doch in der Figur der Mary Mason zeigt sich noch viel mehr als nur jene Erfüllungsgehilfin. Die von Katherine Isabelle gespielte Figur begegnet ihren Patienten mit der für ihren Berufsstand üblichen Distanz und nicht mit jener Abwertung, welche die restliche Welt für ihre Ansichten und ihren Körper hat. In Mary finden sie letztlich eine Künstlerin, die den Körper ähnlich wie sie als eine Leinwand betrachtet, als ein Kunstwerk und mit der Zeit einen nicht unerheblichen Stolz entwickelt auf ihre Arbeit.

Ein großer Aufschneider
Natürlich ist die Aussage gegenüber dem Filmgeschäft mehr als deutlich. Die Arroganz, der unverstellte Sexismus und die Ausbeutung des Körpers sind Charaktereigenschaften des „Mainstream“, der Elite von Chirurgen, die Mary mit ebensolcher Kaltschnäuzigkeit betrachten wie die Leiber ihrer Patienten. Das antiseptisch anmutende Interieur der Klinik steht im scharfen Kontrast zu dem eher einem Künstleratelier gleichenden Praxis Marys, in der sie ihre eigentlichen Patienten empfängt. Neben der Inszenierung dieser Räume und dem Spiel Isabelles kommt in diesen Szenen auch die Kamera Brian Pearsons zum Tragen, welche nicht nur solche Kontraste betont, sondern auch die Transformation Marys hin zur Künstlerin und, wenn man so will, auch zu einer Unternehmerin, dem „großen Aufschneider“ wie es ihr von einem Arzt prophezeit wurde.

Credits

OT: „American Mary“
Land: Kanada
Jahr: 2012
Regie: Jen Soska, Sylvia Soska
Drehbuch: Jen Soska, Sylvia Soska
Musik: Peter Allen
Kamera: Brian Pearson
Besetzung: Katharine Isabelle, Antonia Cupo, Tristan Risk, David Lovgren

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American Mary
„American Mary“ erzählt eine Geschichte über die Beziehung des Menschen zum Körper sowie darüber, diesen Körper als Ausdrucksform zu betrachten. Mit einer überzeugenden Katharine Isabelle in der Hauptrolle und der richtigen Portion schwarzen Humor gelingt Jen und Sylvia Soska eine gelungene Parabel über Abseitigkeit und Kommerz, bei der lediglich das etwas abrupte Ende stört.
7von 10

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