Credits

The Last Wave

„The Last Wave“ // Deutschland-Start: 26. Juni 2020 (TV) // 10. Juli 2020 (DVD/Blu-ray)

Es gehört zu den festen Traditionen des kleinen französischen Ortes Brizan: der jährliche Surfwettbewerb. Auch dieses Mal finden sich zahlreiche Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die den Fluten trotzen wollen. Doch etwas ist anders. Eine riesige Wolke erscheint über dem Meer und verschluckt elf Leute, die daraufhin spurlos verschwunden sind. Zur großen Erleichterung der Bevölkerung tauchen die elf einige Zeit später wieder auf. Und doch ist nichts mehr so, wie es vorher war. Keiner kann sich erinnern, was in den vergangenen Stunden geschehen ist. Außerdem haben sich die elf verändert. So hat der kleine Thomas (Gaël Raes) auf einmal eine andere Augenfarbe und kann sehr viel mehr sehen, Matthieu (Théo Christine) hat heilende Kräfte bekommen. Und das ist nur der Anfang zahlreicher eigenartiger Vorkommnisse …

Wo ist die Welle hin?
Mystery-Filme und -Serien leben bekanntlich davon, dass sie dem Publikum lauter eigenartige Ereignisse zeigen, bei denen man bis zum Schluss rätseln darf, wie es zu den Ereignissen kam und wie die Figuren aus der Sache wieder herauskommen. Im Fall von The Last Wave taucht die erste Frage auf, bevor die Geschichte noch richtig Fahrt aufnimmt: Warum redet die Serie im Titel von einer Welle? Klar, auf dem Meer gibt es solche, man braucht sie auch zum Surfen. Auf den Inhalt haben diese aber überhaupt keinen Einfluss. Stattdessen steht im Mittelpunkt die riesige Wolke, die sich eines Tages über dem Wasser bildet und rätselhafte Folgen nach sich zieht. Nun ist ein Titel nur ein Titel, einer der unwichtigsten Faktoren bei der Entscheidung über die Qualität des Gezeigten. Aber es ist doch irgendwie bezeichnend für eine Serie, bei der nie klar wird, welches Konzept sie überhaupt hat.

Der Einstieg ist dabei eigentlich vielversprechend. Die drängendste Frage ist im Anschluss natürlich die, was es mit der Wolke auf sich hat und was genau mit den Surfern und Surferinnen passiert ist. Nur haben Alexis Le Sec und Raphaëlle Roudaut, von denen die Idee für die Serie stammt und die auch das Drehbuch geschrieben haben, wenig Interesse an einer Aufklärung. Eine Antwort wird irgendwann zwar mal eingebaut, aber das geschieht so beiläufig und lieblos, dass man sich das auch hätte sparen können. Zumal sie keine wirkliche Antwort ist, man das Gefühl hat, die französische Produktion wolle aktiv sein Publikum verhöhnen mit dieser banalen Nicht-Erklärung, die den Mystery-Faktor zunichtemacht, ohne für Ersatz zu sorgen.

Fähigkeiten sind egal
Nun lebt eine Mystery-Geschichte nicht zwangsläufig nur von den präsentierten Rätseln. The Returned, eine weitere französische Serie, die in dem Zusammenhang fast zwangsläufig zitiert werden muss, hat es vorgemacht. Dort waren es Verstorbene, die eines Tages wieder auftauchten und sich an nichts erinnern konnte. Um eine wirkliche Auflösung war man auch damals nicht bemüht, stattdessen standen die Figuren und ihre Verhältnisse untereinander im Mittelpunkt. Aber auch die Frage: Wie soll man mit jemandem umgehen, den man vor Jahren für tot erklärt hat und der seither um keinen Tag gealtert ist? Bei The Last Wave werden hierfür die übernatürlichen Fähigkeiten herangezogen. Abgesehen von Matthieu, der für diese an einer Stelle gemobbt wird und Stress mit seinem Vater Faust (Guillaume Cramoisan) hat, da dieser die Fähigkeit kommerziell nutzen will, gibt es jedoch keinerlei Reibungspunkte. Man wundert sich ein bisschen, das war es aber auch schon.

Das soll jedoch nicht heißen, dass man auf Konflikte verzichtet hätte. Die gibt es, jede Menge sogar. Aber es bewegt sich mehr auf Seifenoper-Niveau, dreht sich um gescheiterte Ehen, um alte Verletzungen, zwischendurch ein bisschen Missbrauch. Der Fokus auf das Persönliche kann funktionieren, wenn man wie das besagte The Returned interessante Figuren und nachvollziehbare Geschichten kreiert. Bei The Last Wave warf man hingegen nur den Zufallsgenerator an und nahm einfach das, was dieser ausspuckte. Das reicht, um irgendwie die Mindestanforderungen zu erfüllen, die man an eine solche Serie hat. Mehr aber auch nicht. Einige der schönen Wassermomente, die leise an Undine erinnern, helfen zusammen mit dem an und für sich interessanten Szenario, bis zur tatsächlich letzten Welle dabeizubleiben. Aber das hätte doch deutlich mehr sein können und müssen.

Credits

OT: „La Dernière Vague“
Land: Frankreich
Jahr: 2019
Regie: Rodolphe Tissot
Drehbuch: Alexis Le Sec, Raphaëlle Roudaut
Idée: Alexis Le Sec, Raphaëlle Roudaut
Musik: Jean-Pierre Taïeb
Kamera: Pénélope Pourriat
Besetzung: David Kammenos, Marie Dompnier, Capucine Valmary, Arnaud Binard, Lola Dewaere, Gaël Raes, Isabel Otero, Guillaume Cramoisan, Théo Christine, Roberto Calvet, Evan Naroditzky

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The Last Wave
In „The Last Wave“ verschwinden elf Surfer und Surferinnen spurlos in einer riesigen Wolke und tauchen später ohne Erinnerungen, dafür mit neuen Fähigkeiten wieder auf. Das Szenario an sich klang interessant, es gibt auch einige schöne Aufnahmen. Man wusste nur nicht so recht was damit anzufangen: Die Auflösung ist schwach, der Fokus auf das Zwischenmenschliche scheitert an den wenig spannenden Figuren.
5von 10

Eine Antwort

  1. Daniel Calderón

    Mich hat diese Serie von Anfang an gepackt, obwohl ich kein Serienseher bin.
    Die Stereotypen amerikanischer Serien langweilen mich. Und auch ich habe gedacht, diese Serie würde auch als Soap gehen. Sie ist französisch, ein Lehrer hat zwei Beziehungen, entscheidet sich für die erste und ist trotzdem einer der „Guten“.
    In der amerikanischen müßte er irgendwie bestraft werden.
    In dieser Serie hat seine ehemalige Geliebte, noch einen mitleidigenden Blick, wie er vom Lehramt suspendiert wird.
    Amerikanische Serien durchdringt der Puritanismus. In französischen Filmen, schwingt immer dieses „Pourquoi pas?“ mit. Das Leben eben, jenseits von Rosamunde Pilcher. Und das „bisschen Missbrauch“ („bisschen zynisch“) endet damit, dass die nicht wissen wollende Mutter ihren Freund erschlägt und mit ihrem Sohn verscharrt.
    Es wird wahrscheinlich nicht herauskommen. In einer amerikanischen Serie ziemlich unvorstellbar, es hieße, „it´s the law“, in einem Gerichtstermin endend. Eine schöne „opulente“ Ärztin, die kurz mal Sex hat mit dem Starsurfer, undenkbar in den USA, weil sie trotzdem nicht ein verkommenes Weib ist, sondern ein guter Mensch, warum nicht?
    Das es keine „vernünftige“ Auflösung gibt, habe ich geahnt. Es hat mich seltsamerweise an „Twin Peaks“ erinnert, eine Serie die immer abstruser wurde, und bei der man auch den Eindruck hatte, dass ein vorgedachtes Ende nicht da war. Die einzige amerikanische Serie, die mich fasziniert hat. Bei „La Dernière Vague“ haben mich auch die Schauspieler angesprochen. Endlich mal andere Gesichter.
    Warum das alles „Die letzte Welle“ heißt und keine Kamerateams sich vom Ort ermächtigt haben, weiß ich auch nicht. Ein bisschen „Weißer Hai“ ist auch dabei, aber sei`s drum…

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