Kritik

The Good Doctor

„The Good Doctor – Tödliche Bedrohung“ // Deutschland-Start: 27. Juli 2012 (DVD/Blu-ray)

Martin Ploeck (Orlando Bloom) hat es geschafft: Der Brite hat seine Ausbildung als Arzt abgeschlossen und arbeitet nun in einem renommierten amerikanischen Krankenhaus. Richtig glücklich ist er dort aber nicht, irgendwie erweist ihm keiner den Respekt, den er verdient. Da kommt ihm Diane Nixon (Riley Keough) gerade recht, denn durch die erfolgreiche Behandlung der Patientin wird er für ihre Familie zum Helden. Die Sache hat nur einen Haken: Die Bewunderung ist nicht auf Dauer, sobald sie erst einmal genesen ist, ist alles vorbei. Und so versucht er, ihren Krankheitsverlauf zu manipulieren, mit unvorhergesehenen Folgen …

Die Karriere von Orlando Bloom war schon irgendwie interessant. In der ersten Hälfte der 2000er Jahre startete sie raketengleich, indem er sowohl in Der Herr der Ringe: Die Gefährten und Fluch der Karibik mitspielte, der Auftakt von zwei Franchise-Phänomen, die jeweils zu den erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten zählte. Darüber hinaus gelang ihm aber nicht so wahnsinnig viel. Ein Jahrzehnt später war der Name offensichtlich nur noch so viel wert, dass er in kleineren Produktionen wie The Good Doctor – Tödliche Bedrohung mitspielte, deren kommerzielles Potenzial als so gering eingeschätzt wurde, dass es bei uns nicht fürs Kino reichte.

Gute Besetzung mit zu wenig Stoff
Andererseits: So richtig interessant ist der Film nicht, was jedoch weniger an den Schauspielern und Schauspielerinnen liegt. Die Besetzung ist gut und prominent, mit Riley Keough, Taraji P. Henson, Michael Peña und J.K. Simmons tummeln sich schon einige größere Namen auf der Liste. Bloom eine Art Antagonisten spielen zu lassen, war zudem irgendwie mutig. Lebten seine anfänglichen Erfolge davon, dass er gut aussehende, charakterlich eher dünn ausgestattete Figuren spielte, die man anhimmeln, aber nicht wirklich kennen konnte, geht The Good Doctor in die entgegengesetzte Richtung. Das gute Aussehen ist geblieben, von der wenig vorteilhaften Frisur mal abgesehen. Ein Held ist Ploeck aber, trotz des Titels, sicher nicht.

Er ist auch nicht spannend, was zum größten Manko des Films wurde. Bei Blooms früheren Erfolgstiteln war drumherum so viel Spektakel, dass nicht weiter auffiel, wenn seine Figur langweilig war. Bei einem Thriller jedoch, der einen Charakter in den Mittelpunkt stellt, sollte man schon etwas mehr erwarten können. Aber irgendwie schien Drehbuchautor John Enbom selbst nicht so recht gewusst zu haben, was er genau mit dem Doktor anfangen soll. Soll er ein echter Bösewicht sein? Ein an und für sich guter Mensch, der irgendwann die Kontrolle verliert? Ist er von vornherein ambivalent angelegt, als einer, der alles irgendwie ist? Eine wirkliche Antwort liefert The Good Doctor – Tödliche Bedrohung nicht, verrät letztendlich zu wenig.

Ein unverständlicher Protagonist
Dadurch fällt es dann auch schwer so richtig nachzuvollziehen, was genau er da tut. Sich nach Anerkennung zu sehnen, schön und gut, vor allem wenn sie von einer jüngeren, reizenden Frau kommt. Der Film erfordert vom Publikum aber schon recht viel Gutgläubigkeit, um die Ereignisse so anzunehmen, hier und auch später. Wenn The Good Doctor dabei wenigstens wirklich konsequent vorgegangen wäre: Aus dem Stoff hätte man sowohl einen spannenden Thriller wie auch eine schwarze Komödie machen können, eine Art To Die For, nur im Umfeld eines Krankenhauses. Das Ergebnis ist jedoch wenig spannend und erst recht nicht komisch. Es ist sogar ein bisschen langweilig.

Der Film lässt sich viel Zeit, um die Situation aufzubauen, sowohl die innerhalb des Krankenhauses wie auch die rund um die Patientin. Es folgt nur danach nicht mehr viel, was die Geschichte als solche irgendwie rechtfertigen würde. Nach dem ersten Tabubruch kommen weitere. Die wirken jedoch lieblos und etwas überfragt hinterhergeschoben, anstatt die Eskalation tatsächlich voranzutreiben. Ein bisschen neugierig darf man natürlich sein, worauf das alles hinausläuft und wie tief der gute Doktor noch absteigt. Die Neugierde wird jedoch nicht wirklich belohnt, der Film endet tragisch, ohne Wirkung zu zeigen.

Credits

OT: „The Good Doctor“
Land: USA
Jahr: 2011
Regie: Lance Daly
Drehbuch: John Enbom
Musik: Brian Byrne
Kamera: Yaron Orbach
Besetzung: Orlando Bloom, Riley Keough, Taraji P. Henson, Rob Morrow, Michael Peña

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The Good Doctor – Tödliche Bedrohung
4.05 (81.05%) 19 Artikel bewerten

The Good Doctor – Tödliche Bedrohung
„Good Doctor – Tödliche Bedrohung“ erzählt von einem jungen Arzt, der sich nach Anerkennung sehnt und dabei eine Grenze überschreitet. Das Szenario ist nicht schlecht, die tatsächliche Geschichte langweilt jedoch, die Hauptfigur ebenfalls. Wirklich spannend ist der Thriller daher trotz der bösen Eskalation nicht, das hätte alles konsequenter verfolgt werden müssen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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