Kritik

War Dogs DVD

„War Dogs“ // Deutschland-Start: 29. September 2016 (Kino) // 23. Februar 2017 (DVD/Blu-ray)

Der Plan hörte sich gut an: Hochwertige Bettwäsche an ältere Menschen verkaufen, was kann da schon schief gehen? Jede Menge, wie David (Miles Teller) feststellt, der nun völlig verschuldet ist und nicht weiß wohin mit dem Zeug. Da trifft er seinen alten Schulfreund Efraim (Jonah Hill) wieder, der derzeit richtig viel Geld mit dem Verkauf von Waffen an die Regierung macht. Dessen Angebot, bei ihm einzusteigen, lehnt David zunächst ab. Schließlich sind er und seine Freundin Iz (Ana de Armas) entschiedene Kriegsgegner. Andererseits steckt er finanziell nun einmal richtig in der Klemme, zumal demnächst Nachwuchs ansteht. Und so beschließt er, hinter dem Rücken von Iz bei dem profitablen Geschäft mitzumachen …

Bekannt geworden ist Todd Phillips eigentlich durch seine derben Komödien, in denen sich Männer völlig daneben benehmen, bis die Situation irgendwann völlig eskaliert – siehe Hangover und Project X. Umso größer war die Überraschung, als der Regisseur und Drehbuchautor mit der Comic-Adaption Joker einen zumindest kommerziellen Volltreffer landete: Ein brutales Gesellschaftsporträt über einen Mann, der von allen herumgeschubst wird und dann zu einem Mörder wird? Das kam nun ziemlich unerwartet von einem Filmemacher, der zuvor nicht unbedingt durch kritische Töne aufgefallen ist.

Eine Komödie mit ein bisschen Kritik
Wobei es da natürlich noch War Dogs gibt. Der Film liegt nicht nur zeitlich zwischen den Erfolgskomödien und dem blutigen Clown-Anarchismus. Er versucht sich auch inhaltlich an einer Mischung aus beiden. Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt Phillips, wie zwei ganz normale junge Männer auf einmal im großen Stil Waffen an die Regierung verticken, indem sie auf bloße Internetausschreibungen reagieren. Die Vorstellung ist natürlich absurd, dass zwei unerfahrene Unternehmer an solche Aufträge rankommen, auch an das nötige Waffenarsenal herankommen. Wie kann das sein?

Eine tatsächliche Antwort darauf liefert War Dogs nicht, auch weil Phillips kein großes Interesse daran hat, sich näher mit der Materie auseinanderzusetzen. Ihm reicht es völlig, diese Waffenschiebereien als Posse anzulegen. Als einen Beitrag in den sozialen Medien, die man weiterleitet mit dem knappen Kommentar: „Ist das nicht unglaublich? Müsst ihr euch anschauen!“ Es fehlt seinem Film die Schärfe, welche beispielsweise The Big Short auszeichnete. Der Mut, sich ebenso wahnsinnig zu gerieren, wie es die Geschichte letztendlich ist. Letztendlich ist das hier alles brav und recht harmlos, selbst die bösen Szenen sind immer mit einer jovialen Kumpelei verbunden. Der Film soll Spaß machen, mehr nicht.

Ich tu, was ich will
Teilweise tut er das auch. Vor allem Jonah Hill hat wie schon in dem ungleich satirischer angelegten The Wolf of Wall Street einen Heidenspaß dabei, einen schmierigen Möchtegern-Big-Boss zu spielen, der weit oberhalb seiner Liga mitspielt. Miles Teller (Whiplash) bleibt hingegen die Rolle des sympathischen Verlierers, der nur zufällig in alles hineingezogen wird und eigentlich ein netter Kerl ist. War Dogs macht aus diesem starken Gegensatz eine Buddy Komödie, ähnlich zu den vielen anderen Buddy Komödien, wo zwei ungleiche Protagonisten nur gemeinsam aus einer heiklen Situation wieder herauskommen können. Nur dass das Szenario des Waffenhandels etwas ungewohnt ist.

Dieses hilft natürlich, sich ein bisschen aus dem Umfeld vergleichbarer Filme abzuheben. Aber es reicht nicht, um aus War Dogs mehr zu machen als eine unterhaltsame, irgendwie gewöhnliche Kleinigkeit für nebenher. Das Werk ist weder so lustig noch so erschreckend, wie es sein könnte. Auch die Ausführungen zur moralischen Flexibilität der Figuren bleiben an der Oberfläche. Das kann man sich schon alles anschauen. Aber es ist letztendlich schade, dass bei einem derart unglaublichen Thema nur ein Film heraussprang, an den man sich im Anschluss von einigen wenigen Szenen abgesehen kaum erinnern wird.

Credits

OT: „War Dogs“
Land: USA
Jahr: 2016
Regie: Todd Phillips
Drehbuch: Stephen Chin, Todd Phillips, Jason Smilovic
Vorlage: Guy Lawson
Musik: Cliff Martinez
Kamera: Lawrence Sher
Besetzung: Jonah Hill, Miles Teller, Ana de Armas, Bradley Cooper

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globe Awards 2017 Bester Hauptdarsteller – Musical oder Komödie Jonah Hill Nominierung

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War Dogs
3.82 (76.47%) 17 Artikel bewerten

War Dogs
Zwei unerfahrene junge Männer betreiben Waffengeschäfte mit der Regierung, so ganz nebenbei am Computer? Das klingt absurd. Ist es auch. „War Dogs“ gefällt sich mit dem ungewöhnlichen, auf einer wahren Geschichte basierenden Szenario, macht daraus aber einen ziemlich gewöhnlichen Film, der weder inszenatorisch noch inhaltlich Mut beweist. Ganz unterhaltsam ist die Komödie aber schon, auch weil Jonah Hill als schmieriger Waffenschieber jede Menge Spaß hat.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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