Kritik

Timmy Flop Versagen auf ganzer Linie Timmy Failure Mistakes Were Made Disney+

„Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie“ // Deutschland-Start: 24. März 2020 (Disney+)

Der 11-jährige Timmy Flop (Winslow Fegley) lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter Patty (Ophelia Lovibond) in Portland. Dort geht er zur Schule, dort hat er auch seine Detektei, die er erfolgreich führt – zusammen mit seinem treuen, wenn auch etwas faulen Mitarbeiter Super, einem 1500 kg schweren Eisbär. An Aufträgen mangelt es ihm nicht. Da wäre zum Beispiel das mysteriöse Verschwinden eines Rucksacks, den ein Mitschüler zu beklagen hat. Außerdem tummeln sich da irgendwo Russen herum, die etwas Finsteres im Schilde führen, davon ist der angehende Detektiv überzeugt. Und doch, so richtig klappt das momentan alles nicht. Seine Mutter ist mit dem bescheuerten Pseudo-Polizisten Crispin (Kyle Bornheimer) zusammen, die Spurensuche kommt nicht voran. Und dann droht ihm auch noch Ärger an der Schule …

Die Ziele von Disney beim neuen hauseigenen Streamingdienst sind natürlich schon größer. Doch zumindest zum Einstieg investierte man nicht so wahnsinnig viel in neue Produktionen, verließ sich darauf, dass der große Katalog aus Animationsfilmen, Star Wars und Marvel auch so schon Grund genug ist, ein Abonnement abzuschließen. Die eigens produzierten Exklusivtitel sind aber nicht nur quantitativ überschaubar, auch bei der Qualität hapert es. Zumindest die Filme sind nicht unbedingt die besten Argumente für Disney+: Togo: der Schlittenhund ist ein solides, aber zu künstliches Abenteuer, Susi und Strolch eine überflüssige Neuauflage des Zeichentrickklassikers, Stargirl: Anders ist völlig normal ein oberflächliches Plädoyer für mehr Individualismus.

Spaß für die ganze Familie
Thematisch in eine ähnliche Richtung geht auch Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie, der vierte Exklusivfilm von Disney+ zum Auftakt. Er ist aber deutlich besser, sogar der mit Abstand beste Titel des Quartetts. Auch dieses Mal stand ein Roman Pate, genauer eine ganze Romanreihe: Sechs Bände rund um den Kinderdetektiv Timmy hat Stephan Pastis geschrieben. Der war auch an der Filmadaption beteiligt, schrieb zusammen mit Regisseur Tom McCarthy (Spotlight) das Drehbuch. Gemeinsam ist ihnen gelungen, die Vorlage nicht nur in Filmform zu packen, sondern daraus einen großen Spaß zu machen – selbst außerhalb der jungen Zielgruppe.

Dabei ist es nicht der Krimi-Teil, der Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie auszeichnet. Wer den Film aus dem Grund schaut, einen spannenden Fall zu sehen, der wird enttäuscht. Um den Fall, sofern man ihn überhaupt als einen solchen bezeichnen wollte, geht es hier nicht. Der Film funktioniert wenn überhaupt als Parodie auf Krimis, wenn Timmy die ganze Zeit Detektive nachahmt, ohne aber das geringste Talent dafür zu haben. Das ist durchaus unterhaltsam, vor allem weil Nachwuchsschauspieler Winslow Fegley mit todernstem Gesichtsausdruck durch die Gegend läuft, so als würde von ihm das Schicksal der kompletten Welt abhängen – was in einem starken Kontrast zu den Ergebnissen seiner Arbeit steht.

Eine Liebeserklärung an die kindliche Fantasie
Doch Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie macht sich nicht über den Jungen und seine Versuche lustig. Im Gegenteil: McCarthy und Pastis haben hier eine kleine Liebeserklärung an die kindliche Fantasie gedreht, die aus den banalsten Situationen spannende Abenteuer machen kann. Aus dem Grund ist der Film auch so gut für ein älteres Publikum geeignet. Hier darf man sich selbst wieder wie ein Kind fühlen. Sich daran zurückerinnern, wie das war, als die Welt noch ein riesiger, aufregender Ort war, den man erobern wollte. Wenn Timmy gleich zu Beginn sagt, dass jeder Detektiv sein will, dann richtet sich das eben nicht an die jüngeren Zuschauer und Zuschauerinnen, sondern die älteren, die ebenfalls in ihrer Vorstellung zu Helden wurden, bevor sie der Alltag einholte.

Nostalgie trifft auf skurrile Figuren und ganz viel Charme, so könnte man Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie zusammenfassen. Dass der Film seine Weltpremiere in Sundance hatte – ein Novum für einen Disney-Titel – ist daher gar nicht so überraschend, wie man vorab hätte denken können. Auch wenn die Zielgruppe hier jünger ausfällt als bei den meisten Filmen auf dem legendären (Pseudo-)Indie-Festival, die Vorliebe fürs Schrullige macht die Buchadaption zu einem passenden Beitrag und zu einem würdigen Vertreter des Streamingdienstes. Bleibt nur zu hoffen, dass der Geheimtipp im vom großen Namen dominierten Angebot nicht untergeht und es vielleicht zu einer Fortsetzung kommt. Im Gegensatz zu so manchem Blockbuster aus dem Mäusehaus hätte es dieser Film verdient und hat dabei sogar noch Luft nach oben, wenn die sympathischen Charaktere und der Humor im Rahmen einer dann hoffentlich fokussierteren Geschichte Platz finden.

Credits

OT: „Timmy Failure: Mistakes Were Made“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Tom McCarthy
Drehbuch: Tom McCarthy, Stephan Pastis
Vorlage: Stephan Pastis
Musik: Rolfe Kent
Kamera: Masanobu Takayanagi
Besetzung: Winslow Fegley, Ophelia Lovibond, Kyle Bornheimer, Wallace Shawn, Craig Robinson

Trailer

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Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie
„Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie“ handelt von einem Jungen, der davon träumt, ein großer Detektiv zu werden, dabei aber regelmäßig in chaotische Situationen gerät. Die Kinderbuchadaption richtet sich zwar an ein jüngeres Publikum. Aber auch Erwachsene können bei dieser skurrilen Liebeserklärung an die kindliche Fantasie ihren Spaß haben.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Sandra

    Hallo,

    in diesem Film steckt eine noch viel tiefere Begebenheit im Zusammenhang mit der kindlichen Phantasie. Denn Timmy Flops selbst erschaffte Phantasiewelt, ist sein eigener innerer Schutz. Der Eisbär stellt die fehlende Vaterfigur dar, die durch eine Türe ging und somit auch die Stärke und Sicherheit, die er dadurch hatte. Diese wurde ihm entrissen und um sich selbst zu schützen, kreiert er diese eigene Welt. Mit einem starken Eisbären der auch durch eine Türe kam. Und alles was ihm so passiert, was der Eisbär anscheinend macht, ist er selbst. Seine Detektei ist seine innere Säule der Stabilität. Und ohne diese schafft er es nicht das Leben im Außen, in der realen Welt zu meistern.

    Dieser Film ist ein weiterer Film in einer Neuen Zeit, des bewussten Schauens von Filmen und Serien. Was da alles drin steckt und was das ganz tief vermittelt.

    Gruß Sandra

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