Kritik

Togo Der Schlittenhund

„Togo: der Schlittenhund“ // Deutschland-Start: 24. März 2020 (Disney+)

Wenn es nach Leonhard Seppala (Willem Dafoe) gegangen wäre, der kleine Husky Togo hätte niemals das Erwachsenenalter erreicht – zu schwach, zu nutzlos erschien der Welpe. Doch seine Frau Constance (Julianne Nicholson) überredete ihn dazu, den Hund zu behalten und ihm eine Chance zu geben. Wie sich herausstellt, sollte sie damit recht haben: Togo wächst zu einem ausdauernden, flinken und sehr eigensinnigen Tier heran. Eigenschaften, die Seppala nun gut gebrauchen kann: In der alaskischen Stadt Nome droht 1925 eine Diphterie-Epidemie, aufgrund des schlechten Wetters kommt kein Fahrzeug mehr durch. Und so werden Schlittenhunde losgeschickt, um das Serum zu transportieren. An vorderster Front: Togo.

Zuletzt waren etwas altmodische Abenteuer rund um heldenhafte Hunde wieder schwer in Mode, als zeitgleich Lassie – Eine abenteuerliche Reise und Ruf der Wildnis in unseren Kinos starteten. Kinos gehören jetzt zwar erst einmal der Geschichte an, dafür gibt es aber Ersatz in den heimischen vier Wänden: Der neue Streamingdienst Disney+ ist nun auch in Deutschland erhältlich, eines der ersten rein für online produzierten Inhalte ist Togo: der Schlittenhund. Wieder geht es um die Freundschaft zwischen Mensch und Tier, wieder müssen weite Strecken zurückgelegt, große Gefahren gemeistert werden.

Eine wahre Geschichte mit Abweichungen
Der Unterschied: Togo: der Schlittenhund erzählt eine – mehr oder weniger – wahre Geschichte. Sowohl den Hund wie auch die lange Reise gab es tatsächlich, der von Seppala gelenkte Schlitten war einer von insgesamt zwanzig, die vor bald hundert Jahren in einer Art Staffellauf das Serum über enorme Strecken transportierten, um der erkrankten Bevölkerung zu helfen. Tatsächlich bekannt wurde aber nur Balto, der als Leithund des letzten Schlittens den ganzen Ruhm einsackte. Der Film will das nun geraderücken, auch indem er selbst etwas großzügig mit den Ereignissen umgeht. Dass auch ein anderer Hund den Schlitten leitete, wird verschwiegen, das Ende komplett umgeschrieben, damit das Bild der lebenslangen Freundschaft erhalten bleibt.

Aber um einen Dokumentarfilm handelt es sich hierbei nun mal auch nicht. Wichtiger war es Ericson Core, hier für gute Unterhaltung und viel Gefühl zu sorgen. Und zu diesem Zweck ist dem Filmemacher, der als Kameramann begann und diese Funktion hier neben der Regie auch weiterhin ausführt, jedes Mittel recht. Da ist die leider schon sehr penetrante Streichermusik von Mark Isham, die dem Publikum keinen Moment der Ruhe gönnt und selbst in den abgelegensten Orten zu hören ist. Außerdem wird in Togo: der Schlittenhund kräftig in die Trickkiste gegriffen bei den dramatischeren Szenen der langen Reise, etwa wenn auf den letzten Drücker noch eine Eisfläche passiert werden muss, bevor die zusammenbricht.

Die nicht wirklich wilde Künstlichkeit
Das ist einerseits verständlich, manche Ereignisse sind einfach zu gefährlich, als dass sie für einen realen Dreh in Frage kämen. Außerdem werden, im Gegensatz zum vielfach verspotteten Ruf der Wildnis, zumindest in den meisten Szenen tatsächliche Hunde verwendet. Andererseits wirkt Togo: der Schlittenhund selbst losgelöst von diesen Computereffekten viel zu künstlich. So schön die ganzen Bilder anzusehen sind, man gewinnt dabei nie den Eindruck, wirklich draußen in der Wildnis unterwegs zu sein, Wind und Wetter ausgesetzt, verloren im Nirgendwo von Mutter Natur. Dass das gefährliche Unternehmen keine rechte Spannung entwickelt, liegt aber auch daran, dass das Abenteuer ständig von Flashbacks unterbrochen wird, die Togo als jungen Hund zeigen und von der Freundschaft zwischen ihm und den Menschen erzählen.

Diese Szenen sind natürlich süß, dürften auch so manches Herz erwärmen – vor allem bei der jüngeren Zielgruppe, bei der Naturalismus nicht sonderlich weit oben auf der Prioritätenliste steht. Wenn der gewitzte Togo sich nicht einsperren lässt und bis zum Schluss seinem Herrchen die Treue hält, da dürfen Kinderaugen schon mal etwas heller leuchten. Gerade in Zeiten, wenn es draußen ungemütlich wird, lädt Togo: der Schlittenhund dazu ein, es sich daheim auf dem Sofa gemütlich zu machen, vielleicht mit einer Tasse heißen Kakao, und von großen Abenteuern und großen Gefühlen zu träumen. Das ist manipulativ, neigt ein bisschen zum Kitsch, ist letztendlich aber doch schön – selbst wenn der herausragende Charakterdarsteller Willem Dafoe (The Florida Project, Der Leuchtturm) hier eher vergeudet wird.

Credits

OT: „Togo“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Ericson Core
Drehbuch: Tom Flynn
Musik: Mark Isham
Kamera: Ericson Core
Besetzung: Willem Dafoe, Julianne Nicholson

Bilder

Trailer

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Togo: der Schlittenhund
„Togo: der Schlittenhund“ ist ein klassisches Abenteuer für eine jüngere Zielgruppe um einen anfangs unterschätzten Schlittenhund, der zum großen Helden wird. Das ist ganz süß und rührend, aber schon recht manipulativ und an vielen Stellen sehr künstlich. Vor allem die zu sehr bearbeiteten Bilder und die aufdringliche Streichermusik tragen dazu bei, dass man hier nie das Gefühl hat, tatsächlich in der Wildnis zu sein.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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