Kritik

Herr der Ringe Hobbit

„Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ // Deutschland-Start: 17. Dezember 2003 (Kino) // 3. November 2016 (DVD, Blu-ray – Mittelerde Collection)

Die Schlacht um Helms Klamm konnten die Menschen für sich entscheiden. Doch die größte Herausforderung steht allen noch bevor. Während der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) nach Minas Tirith reist, die in Felsen errichtete Hauptstadt von Gondor, um dort Denethor (John Noble) vor dem bevorstehenden Angriff von Saurons Truppen zu warnen, suchen derweil die anderen nach Unterstützung bei den Kriegern von Rohan. Doch so sehr deren König Théoden (Bernhard Hill) auch darum wirbt, kaum einer will ihnen zu Hilfe eilen. Und so ziehen Aragorn (Viggo Mortensen), Legolas (Orlando Bloom) und Gimli (John Rhys-Davies) los, in der Hoffnung, einen unerwarteten Verbündeten zu finden. Gleichzeitig kämpfen sich Frodo (Elijah Wood) und Samwise (Sean Astin) immer weiter zum Schicksalsberg vor, ohne zu ahnen, dass Gollum ein falsches Spiel mit ihnen spielt …

Bevor das Mammutprojekt in die Kinos kam, war die Skepsis groß. Konnten Filme wirklich die Vision von J. R. R. Tolkiens kultisch verehrten Büchern adäquat umsetzen? Zumal Regisseur Peter Jackson sich zuvor mit teil kruden Genre-Werken einen Namen gemacht hatte und mit groß angelegten Blockbustern nichts zu tun hatte. Auch beim Ensemble wurden überwiegend wenig bekannte Darsteller verpflichtet, sieht man einmal von Ian McKellen ab. Doch die Reaktionen waren euphorisch nach dem Auftakt Die Gefährten, beim Nachfolger Die zwei Türme fielen sie nur minimal schwächer aus. Und doch war der Druck hoch bei Die Rückkehr des Königs, mit der die Saga ihr Ende finden sollte. Ein „gut“ reichte nicht aus, nicht weniger als das perfekte Finale wurde gefordert.

Ein Abenteuer mit Wiederholungen
Ob Die Rückkehr des Königs das wirklich ist, darüber darf man geteilter Meinung sein. Er ist auf jeden Fall dem zweiten Teil näher als dem Auftakt, was angesichts der Geschichte aber auch kaum zu vermeiden war. Beiden Werken ist gemeinsam, dass die Handlung sich in mehrere parallel verlaufende Stränge teilt, weshalb sich nie das Gefühl einer Gruppe einstellt. Und auch die Abwechslung von Die Gefährten sucht man hier vergebens. Das betrifft einerseits die Landschaften, die sich nur wenig geändert haben, worunter die Abenteuerstimmung leidet. Es betrifft aber auch den Inhalt: Während der Ringträger und seine beiden Begleiter sich alleine durchschlagen, ist der Rest damit beschäftigt, eine Menschenstadt von den anstürmenden Horden des Feindes zu beschützen.

Déjà-vu-Erlebnisse gibt es hier dann auch mehr als genug, von den Konflikten unter den Charakteren bis zum Verlauf der großen Schlacht: Es läuft, wie immer bei dieser Reihe, darauf hinaus, dass alles schon verloren scheint, bevor im letzten Moment die Rettung kommt. Sogar mehrfach. Die kann sich mal frühzeitig ankündigen, einmal tatsächlich aus dem Nichts kommen – und dabei neue Fragen aufwerfen, die der Film nicht zu beantworten gedenkt. Erschwerend kommt hinzu, dass es kein Pendant zu den Ents gibt, welche dem zweiten Teil noch ein eigenes Flair gegeben haben. Außerdem empfiehlt sich eine hohe Toleranzgrenze für Pathos nahe der Grenze zum Kitsch, wenn unschöne Tendenzen des Vorgängers noch verstärkt werden. Gleiches gilt für den Gebrauch der Computertechnik, die in den 17 Jahren seither nicht besonders gut gealtert ist.

Große Gefühle bis zum Ende
Wer will, findet hier also genügend Mankos, die den Film zum schwächsten der drei Teile machen. Doch dafür gibt es eben auch Stärken. Deutlich besser als beim Vorgänger ist beispielsweise die persönliche Komponente geworden. Das Verhältnis zwischen Frodo und Sam enthält einige sehr emotionale Momente. Auch die Geschichte um den von Trauer zerfressenen Denethor ist ausgesprochen tragisch, ohne dabei übermäßig manipulativ zu werden. Man hat bei Die Rückkehr des Königs wieder mehr das Gefühl, es mit realen Figuren zu tun zu haben, die alle ihre persönlichen Gründe und Motivationen mit sich herumtragen, weshalb der Abschied zum Ende doch immer wieder zu Herzen geht. Denn wenn hier die Figuren auseinandergehen, nach vielen gemeinsam verbrachten Stunden, dann fühlt es sich wirklich wie ein Ende an, im Guten wie im Schlechten.

Die Stärken, welche die ersten beiden Filme ausmachten, die sind ohnehin nach wie vor vorhanden. Von der fabelhaften Besetzung über die schönen Landschaften bis zu der geradezu grotesk detaillierten Ausstattung, es gibt hier so viel, was man sich anschauen kann und will. Die Ohren bekommen ebenfalls eine Menge geboten, wenn Komponist Howard Shore, der zum Abschluss noch einmal zwei Oscars bekam, sein persönliches Meisterwerk ablieferte. Die Atmosphäre der Reihe ist ohnehin nicht von dieser Welt, wenn zwischen Action und Abenteuer gewechselt wird, zwischen Fantasy und Horror, ohne dass es je zu einem Bruch käme. Bei Der Herr der Ringe greift (fast) jedes Teil zu einem harmonischen Gesamtpaket, das vielleicht nicht so perfekt ist, wie es manche gerne sehen, aber doch in seinem Bereich ungeschlagen ist.

Credits

OT: „The Lord of the Rings: The Return of the King“
Land: USA, Neuseeland
Jahr: 2003
Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Vorlage: J. R. R. Tolkien
Musik: Howard Shore
Kamera: Andrew Lesnie
Besetzung: Elijah Wood, Ian McKellen, Sean Astin, Viggo Mortensen, Billy Boyd, Dominic Monaghan, John Rhys-Davies, Orlando Bloom, Bernard Hill, Miranda Otto, David Wenham

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2004 Bester Film Sieg
Beste Regie Peter Jackson Sieg
Bestes adaptiertes Drehbuch Philippa Boyens, Fran Walsh, Peter Jackson Sieg
Bestes Szenenbild Dan Hennah, Alan Lee, Grant Major Sieg
Beste Kostüme Ngila Dickson, Richard Taylor Sieg
Bestes Make-up Peter King, Richard Taylor Sieg
Beste Musik Howard Shore Sieg
Bestes Originallied Fran Walsh, Howard Shore, Annie Lennox für Into the West Sieg
Bestes Tonschnitt Christopher Boyes, Michael Semanick, Michael Hedges, Hammond Peek Sieg
Bester Schnitt Jamie Selkirk Sieg
Beste Spezialeffekte Jim Rygiel, Joe Letteri, Randall William Cook, Alex Funke Sieg
BAFTA Awards 2004 Bester Film Sieg
Beste Regie Peter Jackson Nominierung
Bestes adaptiertes Drehbuch Philippa Boyens, Fran Walsh, Peter Jackson Sieg
Bester Nebendarsteller Ian McKellen Nominierung
Beste Kostüme Ngila Dickson, Richard Taylor Nominierung
Beste Kamera Andrew Lesnie Sieg
Bester Schnitt Jamie Selkirk Nominierung
Beste Musik Howard Shore Nominierung
Bestes Make-up und Haare Richard Taylor, Peter King, Peter Owen Nominierung
Bestes Szenenbild Grant Major Nominierung
Bester Ton Ethan Van Der Ryn, Michael Hopkins, David Farmer, Christopher Boyes, Michael Hedges, Michael Semanick, Hammond Peek Nominierung
Beste Spezialeffekte Joe Letteri, Jim Rygiel, Randall William Cook, Alex Funke Sieg
Orange Film of the Year Sieg
Golden Globe Awards 2004 Bester Film – Drama Sieg
Beste Regie Peter Jackson Sieg
Beste Musik Howard Shore Sieg
Bestes Originallied Fran Walsh, Howard Shore, Annie Lennox für Into the West Sieg

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Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
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Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
„Die Rückkehr des Königs“ ist in einigen Punkten das Schlusslicht der Trilogie, etwa bei der Abwechslung oder auch in Hinblick auf den überbordenden Pathos. Doch die starke emotionale Komponente gleicht das wieder aus und macht das Finale der Mittelerde-Trilogie zu einem würdigen und beeindruckend harmonischen Abschluss, der Maßstäbe setzte.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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