Kritik

Monky

„Monky – Kleiner Affe, großer Spaß“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2020 (DVD/Blu-ray)

Auch wenn es sich natürlich abgezeichnet hatte, sie schon seit Längerem schwer krank war: Als die kleine Monky (Nina Åkerlund) ihrem Leiden erliegt, bedeutet das für den Rest der Familie eine schwere Prüfung. Vor allem für ihren älteren Bruder, den 11-jährigen Frank (Julius Jimenez Hugoson), ist dieser Schicksalsschlag nur schwer zu verkraften, standen sich die beiden doch immer sehr nahe. Doch dann läuft ihm eines Tages ein kleines Äffchen über den Weg, das ihm irgendwie bekannt vorkommt, bis er sich absolut sicher ist: Es handelt sich dabei in Wirklichkeit um Monky! Natürlich klingt die Geschichte verrückt für ihn, auch seine Eltern (Johan Petersson, Frida Hallgren) wollen das zuerst nicht glauben. Aber was, wenn es doch sie ist, sie zurückgekommen ist, wie sie es vor ihrem Tod versprochen hat?

Mittlerweile ist man durch die Vielzahl an Kinderfilmen darauf geeicht, im Vorfeld die Erwartungen an den Inhalt deutlich herunterzuschrauben. Wenn sich etwas an eine junge Zielgruppe richtet, dann bedeutet das meistens, dass die pure Unterhaltung im Vordergrund steht, es viel simplen Humor gibt, der sich oft aus Chaos ergibt. Oder weil jemand mal wieder nicht seine Körperöffnungen im Griff hat. Aber es gibt sie, die kleinen Ausnahmen, die zumindest versuchen, dem jungen Publikum noch ein bisschen mehr mit auf den Weg zu geben. Die sich an Themen heranwagen, die tatsächlich von Relevanz sind.

Eine Art Mogelpackung
Mit Monky – Kleiner Affe, großer Spaß ist eine dieser seltenen Ausnahmen kürzlich hierzulande erschienen, ein bisschen versteckt im DVD-Regal. Hingucker ist natürlich das kleine Äffchen, das da groß auf dem Cover prangt. Wer da schon zugreift, ohne sich ein bisschen über den Film zu informieren, der dürfte dann auch schnell überrascht sein. Nicht allein, dass Monky nicht der Name des Affens ist, wie es naheliegend wäre, sondern der eines kleinen Mädchens. Dieses ist nach einigen Minuten auch noch tot, lässt die von Schmerz und Trauer erfülle Familie mit den Erinnerungen an die Verstorbene zurück. Erst später darf das Äffchen in Erscheinung treten und den Platz der verschwundenen Titelfigur einnehmen, deren Namen es teilt.

Dass ein Affe die Wiedergeburt eines Menschen sein soll, das muss man natürlich glauben können. Die Reaktionen der Eltern darf man an der Stelle getrost ignorieren, sollte es vermutlich auch. Als Porträt eines Jungen, der Trost in der Vorstellung findet, seine Schwester könnte mit dem Tod nicht völlig verschwunden sein, ist Monky aber durchaus interessant und auch bewegend. Regisseurin Maria Blom, die schon in Hallohallo ein Talent dafür hatte, eine Figur in der Krise zu zeigen, nähert sich Frank mit viel Einfühlungsvermögen an. Die Begegnung mit dem Affen, sie ist gleichzeitig eine Form der Auseinandersetzung mit dem Tod – ein Thema, das nun wirklich nicht sehr oft in Kinderfilmen auftaucht.

Es bleiben Fragen
Ob Monky nun tatsächlich Monky ist, ob es eine Form der Wiedergeburt gibt, das lässt der Film dabei offen. Man könnte auch sagen, er drückt sich vor der Antwort. Vielmehr beschränkt sich das Drehbuch von Anders Weidemann, der ansonsten hauptsächlich im Serien-Bereich unterwegs ist, dann streckenweise doch auf die typischen Zutaten eines solchen Films. Ein niedliches Äffchen, das herumtollt und dabei für jede Menge Chaos sorgt? Das geht immer, unabhängig von den Kontexten. Was umgekehrt heißt: Zwischendrin wird Monky – Kleiner Affe, großer Spaß ziemlich austauschbar, wenn zumindest für eine Weile doch nur bunter Familienspaß ansteht.

Zum Ende hin darf der Film wieder nachdenklicher werden, in einem anderen Zusammenhang. Dabei werden mehrere Themen miteinander verknüpft, die jedes für sich bedeutsam sind, und wieder die Schwierigkeit aufgreifen, jemanden loszulassen. Das ist schön und traurig zugleich, führt behutsam zum Anfang zurück. Ob die Verbindung von simplem Spaß und schwerem Inhalt angebracht ist, darüber lässt sich streiten. Die schlechten Bewertungen auf imdb haben sicher nicht zuletzt mit den nicht erfüllten Erwartungen zu tun, die der Mix mit sich bringt. Und auch bei den Figuren wäre sicher noch mehr möglich gewesen: Frank wird nur durch seine Beziehung zu Monky charakterisiert, die Eltern nicht einmal das. Dennoch, wer für seine Kinder einen Film sucht, der sie an ein schwieriges Thema heranführt, über das im Anschluss diskutiert werden kann, der sollte dem kleinen Äffchen eine Chance geben.

Credits

OT: „Monky“
Land: Schweden
Jahr: 2017
Regie: Maria Blom
Drehbuch: Anders Weidemann
Musik: Anders Nygårds
Kamera: Ari Willey
Besetzung: Julius Jimenez Hugoson, Johan Petersson, Frida Hallgren

Bilder

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Monky – Kleiner Affe, großer Spaß
3.33 (66.67%) 3 Artikel bewerten

Monky – Kleiner Affe, großer Spaß
„Monky – Kleiner Affe, großer Spaß“ tarnt sich als harmloser Familienfilm, kombiniert bunten Affenspaß aber mit den schweren Themen Trauer und Tod. Die Mischung ist nicht ganz geglückt, macht auch zu wenig aus den Figuren, ist aber eine einfühlsame Heranführung an etwas, das man in Kinderfilmen nur sehr selten sieht.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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