Kritik

Mom and Mom

„Mom + Mom“ // Deutschland-Start: 27. Februar 2020 (Kino)

Karole (Linda Caridi) und Ali (Maria Roveran) führen eine Beziehung, wie sie glücklicher nicht sein könnte. Wobei, eine Sache fehlt den beiden noch zu ihrem vollkommenen Glück: ein gemeinsames Kind! Leider ist das nicht wirklich einfach, ist eine künstliche Befruchtung in Italien doch verboten. Sex mit einem Mann zu haben, kommt für die zwei Frauen aber ebenfalls nicht in Frage. Also bleibt ihnen nichts anderes übrig, als nach Spanien zu fahren und dort alles für den Nachwuchs in die Wege zu leiten. Nur brauchen sie dafür Geld, viel Geld. Und sie brauchen Geduld, denn das klappt alles nicht so wie gedacht …

Der Weg zur Gleichberechtigung ist selten einfach. Meistens ist er mit Kämpfen verbunden, braucht viel Geduld, zuweilen auch eine hohe Frustrationsgrenze, wenn der Fortschritt auch mit Rückschritten verbunden sind. Ein Beispiel sind die Rechte von Homosexuellen, die inzwischen zwar deutlich stärker sind als früher, zumindest in vielen westlichen Ländern, aber immer noch weit davon entfernt sind, tatsächlich auf einer Stufe mit denen „normaler“ Menschen zu sein. Das betrifft neben der Möglichkeit zu heiraten auch die, Kinder zu haben – denn das wird von so manchen als Angriff auf das traditionelle Familienbild wahrgenommen.

Nimm es mit Humor!
Zwei Frauen, die sich nach einem gemeinsamen Kind sehnen, das ist dann eigentlich eine Steilvorlage für ein betroffenes Problemdrama, das unentwegt auf Missstände aufmerksam macht. Es geht aber auch anders, wie Mom + Mom beweist. Regisseurin und Drehbuchautorin Karole Di Tommaso nimmt das Thema zwar ernst, wohl auch weil es autobiografisch zu sein scheint, was sie aber nicht davon abhält, der Geschichte mit Humor zu begegnen. Beispielsweise tauchen da immer wieder skurrile Figuren auf, sei es aus dem eigenen Umfeld oder die ganzen Touristen, an die beide Zimmer vermieten, um auf diese Weise Geld für die Prozedur zu bekommen.

Sehr schön sind aber auch die kleinen Ausflüge ins Fantastische. Eine der frühen Szenen zeigt beispielsweise einen Traum, in dem die Frauen ihr Kind verloren haben und nun wiederfinden müssen – was mit einer unterhaltsamen Traumlogik einhergeht. Und auch später wird es immer mal wieder kurze surreale Momente geben, in denen Gedanken und Gefühle auf kuriose Weise verbildlicht werden. Aber selbst wenn Mom + Mom sich ganz in der Realität aufhält, der Film behält oft eine leicht märchenhafte Note an sich. Die Märchen, die mit einem Happy End aufhören, vielleicht dem einen oder anderen Regenbogen.

Kein Herzschmerz in Sicht
Die emotionale Komponente hält sich auf diese Weise eher in Grenzen. Es gibt nur selten Momente, die tatsächliches Mitgefühl provozieren, Mom + Mom unterhält mehr, als dass es einem zu Herzen gehen würde. Das soll nicht bedeuten, dass einen die Geschichte völlig kalt lassen würde. Das Paar ist sympathisch, es gibt einige süße Auftritte der beiden, man würde ihnen tatsächlich wünschen, dass sie ihr Kind bekommen und was auch sonst sie noch so brauchen, um gemeinsam glücklich zu sein. Der Film versteckt sich aber ein wenig hinter seiner netten Fassade und lässt einen zu selten an das Innere heran.

Wer überhaupt nicht diesen Anspruch hat, sondern auf der Suche nach freundlicher Unterhaltung im LGBT-Umfeld ist, der ist hier an der passenden Adresse. Mom + Mom ist ein Wohlfühlfilm, der ein gesellschaftliches Thema aufgreift, das aber so bekömmlich aufbereitet, dass sich kaum einer daran stören wird. Sofern man nicht der Gruppe angehört, die Homosexuellen aus Prinzip schon nicht dieselben Rechte zugestehen will. Und selbst die geraten ein wenig in Erklärungsnot, warum man Karole und Ali nicht ihr Glück zugestehen sollte, die so warmherzig, liebenswürdig und harmlos sind.

Credits

OT: „Mamma + Mamma“
Land: 2018
Regie: Karole Di Tommaso
Drehbuch: Karole Di Tommaso, Chiara Ridolfi
Musik: Giulia Anania, Marta Venturini
Kamera: Sara Purgatorio
Besetzung: Linda Caridi, Maria Roveran, Andrea Tagliaferri, Silvia Gallerano, Stefano Sabelli, Anna Bellato

Bilder

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Mom + Mom
In „Mom + Mom“ lernen wir ein lesbisches Pärchen kennen, das unbedingt ein eigenes Kind haben will und für eine künstliche Befruchtung ins Ausland geht. Das klingt nach einem Problemdrama, ist aber stattdessen eine beschwingte Komödie mit einem größeren Wohlfühlfaktor und kleinen surrealen Einlagen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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