Enkelkinder sind etwas Schönes! Vor allem wenn es nicht die eigenen sind … In der Komödie Enkel für Anfänger (Kinostart: 6. Februar 2020) spielen Barbara Sukowa und Heiner Lauterbach neben Maren Kroymann drei Senior*innen, die – mehr oder weniger freiwillig – über eine Agentur zu Leihgroßeltern werden. Das bedeutet jede Menge Aufregung, aber auch Spaß und die eine oder andere Lebensweisheit. Wir haben die beiden zum Interview getroffen und unter anderem gefragt, was sie selbst an ihre Enkel weitergeben und welche Erinnerungen sie an ihre eigenen Großeltern haben.

In Enkel für Anfänger spielen Sie Figuren, die sich als Leih-Oma bzw. Leih-Opa um Kinder kümmern. Solche Services für Leih-Großeltern gibt es ja tatsächlich. Kannten Sie die vorher schon?

Barbara Sukowa: Ich hatte davon noch nie etwas gehört.

Heiner Lauterbach: Ich auch nicht, obwohl die Idee offensichtlich nicht ganz brandneu ist.

Könnten Sie sich denn vorstellen, sich im wahren Leben als Leih-Großeltern zur Verfügung zu stellen?

Barbara Sukowa: Das nicht. Ich habe selber eine Enkeltochter, die ich gar nicht so viel sehen kann, weil ich eben weit weg wohne. Ich hatte auch so lange große Kinder, weil die so weit auseinanderlagen. Ein Sohn wohnt immer noch bei mir im Haus. Da habe ich nicht das Bedürfnis, noch mehr Kinder zu suchen.

Heiner Lauterbach: Vorstellen kann ich mir das schon. Schauspieler leben ja im allgemeinen von einer großen Vorstellungskraft. Aber ich habe eben auch gerade erst ein Enkelkind bekommen, da wäre das absurd für mich, das zu machen. Die Idee an sich finde ich aber schön. Das ist ja, wie man heute so schön sagt, eine Win-win-Situation, für die Alten wie auch die Enkel.

Barbara Sukowa: Ich finde Großeltern auch ganz wichtig für Kinder. Meine Enkeltochter hat noch eine andere Großmutter von der Mutterseite aus, die in Europa lebt und Kindergartentante war. Da ist sie ganz gut eingedeckt.

Heiner Lauterbach: Das stimmt. Großeltern sind eine ganz wichtige Institution beim Aufwachsen von Kindern.

Wie würden Sie denn die Funktion von Großeltern beschreiben, gerade auch im Kontrast zu Eltern?

Barbara Sukowa: Man muss nicht mehr erziehen. Das ist so toll! Man muss eben nicht mehr Vorbild sein.

Heiner Lauterbach: Du kannst sie bedingungslos verwöhnen und die Eltern müssen das ausbaden, wie man sie wieder verzogen hat in den zwei Tagen. Das ist großartig! Meinen Sohn habe ich da auch schon vorgewarnt. Ich liebe es, wenn man ein Kind nicht mehr permanent maßregeln muss.

Barbara Sukowa: Genau. Meine Enkelin darf bei mir auf dem iPad spielen. Auf meinem Handy sind auch lauter Apps für sie drauf, mit Prinzessinnen oder einem Tiersalon, wo du die Hunde schminken und ihnen die Haare machen kannst.

Wenn wir jetzt verstärkt solche Leihservices für Großeltern haben, liegt das daran, dass früher niemand auf die Idee gekommen ist? Oder ist es Ausdruck einer sich ändernden Gesellschaft?

Barbara Sukowa: Wahrscheinlich hat sich schon die Gesellschaft sehr geändert. Die Eltern und Mütter sind heute viel mehr unterwegs als früher. Außerdem leben die Menschen heute mehr auseinander. Bei mir ist es so, dass mein Sohn zurück nach Deutschland gegangen ist, während ich selbst noch in Amerika lebe. Man lebt einfach nicht mehr in diesem Familienverband wie früher. Die einen wohnen in München, die anderen in Berlin, die dritten in Paris, die vierten in Lissabon.

Wenn Sie an Ihre eigenen Großeltern zurückdenken, was sind die schönsten Erinnerungen daran?

Heiner Lauterbach: Die Enkel empfinden das ja genauso wie die Großeltern, dass man da bedingungslos verwöhnt wurde und alles machen durfte. Ich habe meine leider verhältnismäßig früh verloren. Aber das gehört einfach mit zu der Familie. Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren wir immer bei den Großeltern. Das war eine Tradition, die ich sehr schön fand und genossen habe als Kind.

Barbara Sukowa: Ich habe viel mit meinem Großvater gesungen und war da viel mit alten Männern zusammen, mit denen er sich im Park getroffen hat. Zwischen denen habe ich getanzt und es wurde viel über meine goldenen Löckchen gesprochen. Mein Großvater ist auch sehr früh gestorben, da war ich erst vier. Aber ich erinnere mich bis heute daran, wie ich vor ihnen getanzt und gesungen habe. Das erste Lied, das ich gelernt habe, war „Ich hatt einen Kameraden“.

Heiner Lauterbach: Für ein Kind war das aber sehr martialisch …

Barbara Sukowa: Das stimmt. Aber das war so ein typisches Altherrenlied, das damals noch gesungen wurde.

Und was würden Sie Ihren eigenen Enkeln gern beibringen?

Heiner Lauterbach: Schach könnte ich mir gut vorstellen. Dafür hat man einfach mehr Zeit als die Eltern. Ein bisschen Fahrradfahren üben. Solche Dinge.

Barbara Sukowa: Ich versuche ihr beizubringen, keine Angst zu haben. Ich bin da ein bisschen wie die Philippa, die ich im Film spiele.

Heiner Lauterbach: Das ist auch gut. Sie sollen achtsam durchs Leben gehen, aber nie ängstlich.

Barbara Sukowa: Außerdem höre ich ihr viel zu. Aber das habe ich auch bei meinen eigenen Kindern gemacht. Meine Enkelin kann auch schon so viel. Sie kann mit sechs Jahren schon Skateboard fahren und reiten, sie schwimmt. Da muss ich ihr gar nichts mehr beibringen. Wir essen gern zusammen. Bei mir bekommt sie jeden Abend Würstchen. Mein erster Sohn bekam das nicht, er wurde vegetarisch ernährt und es gab keinen Zucker. Danach bin ich aber auch entspannter geworden.

Im Film ist es so, dass nicht nur die Kinder von den Leih-Großeltern etwas lernen, sondern auch umgekehrt. Was können wir von der aktuellen jungen Generation lernen?

Heiner Lauterbach: Signifikant ist hier natürlich die Umweltthematik. Es ist ja schon schlimm, wenn unsere Kinder uns darauf aufmerksam machen müssen, achtsam mit der Umwelt umzugehen. Diese Initiative hätte eigentlich von uns kommen müssen. Insofern finde ich es gut, wenn die da selbst so aktiv werden.

Barbara Sukowa: Ich finde es auch toll, wie selbstverständlich die mit dem Thema Gender umgehen. Okay, ich wohne in New York. Das ist vermutlich schon noch mal etwas anderes, als wenn du in einer Kleinstadt lebst. Aber bei uns ist es gar nichts Besonderes mehr, wenn du gay oder transgender bist. Da werden auch nicht viele Fragen darüber gestellt. Wenn ich hingegen „they“ sagen soll, dann stocke ich da noch ein bisschen. Für die Kinder ist das ganz normal. Außerdem muss ich sagen, dass ich die jungen Leute so unglaublich nett und liebenswürdig finde. So viel mehr, als wir das damals waren. Für uns waren unsere Eltern Nazis oder wir hatten zumindest den Verdacht, sie könnten es sein. Wir waren so rebellisch und trauten keinem über dreißig.

Heiner Lauterbach: Also, meine Kinder haben die Tendenzen auch noch. Die halten mich jetzt nicht für einen Nazi, halten mir aber gerne vor, dass ich keine Ahnung habe. Wenn man denen das Handy wegnehmen will zum Beispiel. Hausarrest brauchst du heute ja keinen mehr zu geben, da bleibt das Handy die einzige Waffe. Und ohne das können sie nicht existieren.

Barbara Sukowa: Deine Kinder sind auch noch etwas jünger als meine. Mein Jüngster ist 25, das ist noch mal etwas anderes. Was auch anders heute ist: Es ist für die ganz normal, noch bei den Eltern zu wohnen. Wir wollten damals so schnell wie möglich weg.

Ist der Generationenkonflikt heute also geringer als früher?

Heiner Lauterbach: Wie Barbara richtig gesagt hat, waren wir damals gegen das Establishment. Und Hauptsache weit weg von den Eltern. So eine große Diskrepanz gibt es da heutzutage nicht mehr.

Barbara Sukowa: Das macht es aber vielleicht auch manchmal schwer für die Leute. Wenn die Mütter und Töchter dieselben Kleider anziehen und genauso aussehen, dann ist das glaube ich nicht einfach für die Jugendlichen. Ich habe ja die Theorie, dass diese Mode mit der bauchfreien Kleidung unbewusst eine Reaktion darauf war, um sich zu wehren. Denn das können die Mütter nun wirklich nicht mehr anziehen. Man muss da auch als Eltern aufpassen, sich nicht zu sehr anzubiedern. Ich habe deshalb immer zu meinen Kindern gesagt: „Ich bin nicht eure Freundin. Ich bin eure Mutter.“

Enkel fuer Anfaenger

Krisensitzung: Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa) auf dem Spielplatz (© STUDIOCANAL / WOLFGANG ENNENBACH)

Kommen wir noch auf den Film an sich. Was hat Sie daran gereizt mitzuspielen?

Barbara Sukowa: Eigentlich all das, worüber wir bisher gesprochen haben. Außerdem fand ich es schön, mal bei etwas mitzumachen, was nicht ganz so intellektuell ist. Wir wurden ja fast immer so ganz ernste Sachen angeboten. Es war einfach eine andere Rolle, als was ich sonst oft gespielt habe.

Heiner Lauterbach: Ich war auch tatsächlich sehr überrascht, dass du mitmachst. Enkel für Anfänger ist natürlich kein blöder Film, da steckt schon jede Menge drin. Aber es ist eine Komödie, wo man dich nicht zwingend erwartet.

Barbara Sukowa: Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen. Ich habe es mit Spaß gelesen. An manchen Stellen habe ich sogar laut aufgelacht. Und das passiert einem ja selten, wenn man ein Buch liest.

Heiner Lauterbach: Das ist mir auch so gegangen. Ich habe es ganz durchgelesen, was immer ein gutes Zeichen ist. Und ich habe eben gelacht. Es hat einen ganz speziellen Humor, der mir gefällt. Ein schöner schwarzer Humor.

Und wie sehr konnten Sie sich mit den Figuren identifizieren? Sie meinten ja, dass Sie den Mut von Philippa haben.

Barbara Sukowa: Das stimmt. Ich habe außerdem schon die Tendenz, das Glas halbvoll zu sehen. Das Negative in etwas Gutes umzudrehen. Bei Philippa stimmt das zwar nicht zu hundert Prozent, aber nach außen hin ist es zumindest bei ihr so.

Heiner Lauterbach: Bei mir ist es so, dass ich mich erst einmal mit gar nichts identifiziere, auch wenn die Frage natürlich immer gern gestellt wird. Es ist eine Rolle, in die man hineinschlüpft. In dem Fall eine sehr interessante Rolle: ein schwuler Misanthrop, der immer mies drauf ist, aber einen gewissen Grad an Intelligenz verfügt. Und Humor. Der sich dann aber brechen lässt von einem kleinen Jungen, obwohl er eigentlich Kinder hasst. Das ist einfach eine schöne Herausforderung als Schauspieler.

Barbara Sukowa: Außerdem hast du besonders gute Sätze.

Heiner Lauterbach: Das stimmt. Diese knorrigen, furztrockenen Typen, die keiner mag, die sind immer schön zu spielen.

Barbara Sukowa: Unsere drei Figuren haben alle etwas in unserem Leben, was nicht so ganz stimmt. Karen, die glaubt, in ihrer Ehe zufrieden zu sein, letztendlich aber unbefriedigt ist. Ich mache einen auf lustige Hippiefrau, habe aber eigentlich den Schmerz mit meiner Tochter. Und du denkst, du kannst leben ohne Menschen. Das gibt dem auch Tiefe.

Wie war das für Sie, mit den ganzen Kindern zusammen zu spielen?

Barbara Sukowa: Das war eine tolle Erfahrung, mir hat das Spaß gemacht. Ich mochte unsere Kinder so gern.

Heiner Lauterbach: Ich auch, die waren wirklich süß.

Es gibt ja immer wieder Schauspieler oder Regisseure, die sagen, dass es schwieriger ist, mit Kindern zu arbeiten.

Barbara Sukowa: Bei uns nicht. Wolfgang Groos, unser Regisseur, hat da aber auch ein Händchen für. Die ganze Dreharbeit war so entspannt.

Welche Projekte stehen als nächstes bei Ihnen an?

Barbara Sukowa: Ich habe einen sehr schönen französischen Film namens Wir beide gedreht, über zwei lesbische ältere Damen, für den ich noch viel Promotion machen werde. Außerdem gibt es da eine Retrospektive von mir in Vietnam, wo ich noch hingehen werde.

Heiner Lauterbach: Im Herbst startet ein weiterer Film, Es ist zu deinem Besten. Dann habe ich noch dieses Format „Meet Your Master“, das ich mache und das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Als nächstes werde ich zwei Serien für Streaming-Dienste drehen.

Zur Person
Barbara Sukowa wurde am 2. Februar 1950 in Bremen geboren. Nach dem Abitur studierte sie ab 1968 an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin und trat anschließend viel im Theater sowie einigen Fernsehproduktionen auf. Zu ihren wichtigsten Kinofilmen zählt Rosa Luxemburg (1986). Für ihre Darstellung als deutsch-polnische Sozialistin wurde sie in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet. Außerdem tritt sie als Sängerin auf, sowohl im klassischen Bereich wie auch mit ihrer Rockband Barbara Sukowa & The X-Patsys.

Heiner Lauterbach wurde am 10. April 1953 in Köln geboren, wo er auch 1970 die Schauspielschule der Keller besuchte. Sein Durchbruch gelang ihm 1985 in Doris Dörries Komödie Männer. Er war aber auch oft in Fernsehproduktionen zu sehen, gerade aus dem Krimibereich. Zusätzlich ist er ein gefragter Synchronsprecher und lieh unter anderem Kevin Costner, Richard Gere und Chirstopher Walken seine Stimme.



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Barbara Sukowa/Heiner Lauterbach [Interview]
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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