Kritik

Die fantastische Reise des Dr Dolittle

„Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2020 (Kino)

Nach dem Tod seiner Frau lebt Dr. Dolittle (Robert Downey Jr.) mit seinen tierischen Gefährten zurückgezogen auf seinem Anwesen. Und das sollte auch so bleiben, würden da nicht plötzlich Tommy (Harry Collett) und Lady Rose (Carmel Laniado) vor seiner Tür stehen. Während Tommy Dolittle dazu bringen will, einem verletzten Eichhörnchen zu helfen, bittet ihn Lady Rose, sie zum Palast zu begleiten, denn Queen Victoria (Jessie Buckley) ist schwer erkrankt. Sollte es sogar soweit kommen, dass die Queen aufgrund der mysteriösen Erkrankung verstirbt, würde Dolittle sein Stück Land verlieren, auf dem viele Tiere ihr zu Hause gefunden haben. Eile ist also geboten, um mit Detektivarbeit und Abenteuerlust das Leben der Queen zu retten.

Eigentlich sollte die Neuauflage von Dr. Dolittle mit Robert Downey Jr. (Iron Man) bereits im Frühjahr 2019 in den Kinos starten. Nach etlichen Schwierigkeiten, mit denen der Regisseur Stephen Gaghan (Syriana, Gold) zu kämpfen hatte, bekam er für die Kinderbuchadaption Unterstützung durch Chris McKay (The Lego Batman Movie) und Jonathan Liebesman (Teenage Mutant Ninja Turtles), die sich allerdings vornehmlich um den komödiantischen Anteil kümmerten, um auch die Tiere mehr zur Geltung zu bringen. Ob diese Überarbeitung dem Film wirklich soviel besser hat werden lassen, lässt sich allerdings nur schwer beurteilen. In seiner jetzigen Endfassung leidet der Film nämlich trotzdem merklich an seinem simplen Humor.

Zurück zu den Ursprüngen
Nachdem Eddie Murphy zwei Mal in der Rolle zu sehen und die Geschichte in die heutige Zeit verlagert worden war, bewegt man sich mit Robert Downey Jr. wieder zurück in der Zeitgeschichte und findet sich Ende des 18. Jahrhunderts wieder. Damit kehrt man im Grunde zu den Ursprüngen der Buchvorlage zurück und versucht sich deutlich mehr an der kindgerechten Umsetzung dieser Geschichten, als etwas komplett Neues zu erfinden. Dieser Umstand wird aber eben doch gewissermaßen zum größten Fallstrick für den Film, der zudem auch etwas unter der Vermarktung leidet. Während der Film für die ganze Familie beworben wird, ist Die fantastische Reise des Doktor Dolittle eigentlich bis auf minimale Ausnahmen ausschließlich für sehr junges Publikum konzipiert.

Was der Trailer beispielsweise verschweigt, ist das unglaubliche Tempo und das Plotgewitter, das da auf den Zuschauer einprasselt. Allein damit verspielt der Film anfängliche Sympathien, wenn Situation und Vorgeschichte in einer liebevoll gestalteten 2D Animation präsentiert werden. Auch dort werden dem Zuschauer zwar in relativ kurzer Zeit ziemlich viele Informationen an die Hand gegeben. Für einen Prolog ist das aber noch akzeptabel. Danach allerdings gönnt die Handlung den Figuren und seinem Publikum keine Pause mehr. Sicherlich will man auf diese Weise die jungen Zuschauer für knapp 100 Minuten bei der Stange halten, damit die gar nicht erst in die Versuchung kommen, ihre Aufmerksamkeit auf andere Sachen als den Film zu lenken. Eine Charakterbindung oder gar tiefe Charakterentfaltung ist dadurch aber überhaupt nicht möglich. Schlag auf Schlag werden Konfliktsituationen spielend aufgelöst, Antagonisten aus dem Weg geräumt und emotionale Momente bekommen erst gar nicht die Chance sich zu entwickeln.

Auf Distanz gehalten
Damit fehlt dem Zuschauer auch die Möglichkeit mitzufühlen oder sich mit Figuren identifizieren zu können. Dass also jemand von der kleinen „Heldengeschichte“ Tommys wirklich Notiz nimmt, der Tiere liebt, aber wie sein Vater Jäger werden soll und aus dieser Vorbestimmung ausbrechen will, ist daher mehr als unwahrscheinlich. Dafür wird auf diese Handlungen zu wenig eingegangen, obwohl gerade das viel Potenzial gehabt hätte, um den gesamten Film zu tragen. Stattdessen werden massig Moralanekdoten wie „Sprüche des Tages“ eingestreut, die oft deplatziert wirken und kaum Relevanz erlangen.

Aber auch die FSK 6 tritt in Konflikt mit dem, was wir zu sehen bekommen. Einerseits versucht man krampfhaft die Geschichte so märchenhaft zu gestalten, wie es nur geht. Auf der anderen Seite bindet man Charakterzüge ein, die kaum ein Kind wirklich begreifen wird, wenn sie nicht näher erklärt werden. Das erwachsene Publikum wird zudem wohl mehr als einmal in die Versuchung geraten, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, wenn immer wieder versucht wird, mit Fäkal-Witzen zu punkten. Laut Studien kommt das zwar bei Kindern wohl besonders gut an, schadet dem Film aber insgesamt mehr, als dass es wirklich lustig wird – zumindest für die elterliche Begleitung, die vergeblich auf ein erfreuliches Familienerlebnis hofft.

Letztendlich funktioniert der Film Die fantastische Reise des Doktor Dolittle nur halbwegs gut, wenn man ihn mit dem Publikum sieht, für das er gemacht worden ist, und mitbekommt, dass Kinder trotz aller filmischen Schwächen Spaß an dem Gesehenen haben können. Insofern sollte man wirklich davon Abstand nehmen, den Film in einer Vorstellung sehen zu wollen, in der keine Kinder anwesend sind.

Credits

OT: „Dolittle“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Stephen Gaghan
Drehbuch: Stephen Gaghan, Dan Gregor, Hugh Lofting, Doug Mand, Chris McKay, Thomas Shepherd
Vorlage: Hugh Lofting
Musik: Danny Elfman
Kamera: Guillermo Navarro
Besetzung: Robert Downey Jr., Antonio Banderas, Michael Sheen, Jessie Buckley, Harry Collett, Carmel Laniado, Jim Broadbent

Bilder

Trailer



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Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
4 (80%) 3 Artikel bewerten

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
Die Neuauflage des Dr. Dolittle besinnt sich auf die Buchvorlage zurück, wird damit deutlich kindgerechter, verspielt aber zugleich jegliche Sympathien bei seinem erwachsenen Publikum. Trotz des Aushängeschilds Robert Downey Jr. kann sich der Film lediglich halbwegs retten, wenn man ihn wirklich nur als „märchenhafte Gute Nacht Geschichte“ betrachtet, die auf simple Optik, simple Charaktergestaltung und auf simplen Humor setzt.
4von 10

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