Gold 2016
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Gold (2016)

(OT: Gold, Regie: Stephen Gaghan, USA, 2016)

Gold DVD
„Gold“ ist seit 5. Oktober 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Gold erzählt die Geschichte des Goldsuchers Kenny Wells (Matthew McConaughey), der nach dem plötzlichen Tod seines Vaters das Familiengeschäft Washoe Mining erbt und innerhalb kürzester Zeit in den Ruin treibt. Fast am Boden angekommen, sieht Kenny eines Nachts in einem lebhaften Traum die Rettung: ein unentdecktes Goldvorkommen in den Tiefen des dichten Regenwaldes Indonesiens. Er kratzt den letzten Rest seines ehemaligen Vermögens zusammen und macht sich gemeinsam mit dem namhaften Geologen Mike Acosta (Edgar Ramirez) auf zu einem Abenteuer auf unerforschtem Boden. Gleichzeitig versucht er, Investoren für das waghalsige Projekt zu gewinnen. Doch die Expedition erweist sich als komplizierter und riskanter als gedacht, da zu Beginn kein einziges Körnchen Gold zu finden ist und Kenny außerdem malariakrank im Delirium siecht. Als sein Kumpane Acosta ihn mit der frohen Botschaft überrascht, auf eine Goldader gestoßen zu sein, scheint der Traum endlich in Erfüllung zu gehen. Bald verbreitet sich die Nachricht vom größten Goldfund aller Zeiten unter den Geldhaien an der Wallstreet und erreicht sogar die Regierungsoberhäupter Indonesiens. Jeder möchte ein Stück von der Torte abbekommen und Kenny steht vor der Herausforderung zu erkennen, wer seine wahren Freunde sind.

Starke Performance, starke Kamera
Mit Matthew McConaughey in der Hauptrolle des bierbäuchigen, krummzahnigen, bald glatzköpfigen Kenny Wells wurde ein Volltreffer gelandet. Der Texaner erreicht zwar nicht seine preisgekrönte Höchstform aus Dallas Buyers Club (wofür er damals rund 20 kg an Gewicht verlor, wohingegen er für seine Rolle in Gold ungefähr die gleiche Menge an Hüftgold zulegte), liefert aber dennoch eine überzeugende Leistung ab, die letztendlich zum Herzstück des Films wird. Kennys Charakter ist ein widerlicher Glücksritter dessen Alkoholfahne man beinahe durch Fernsehbildschirm riechen kann. Ob er ein sympathischer Antiheld oder garstiger Strolch ist, bleibt umstritten. McCounaughey schafft es, beides in einer Figur zu verkörpern. Außerdem sind die außerordentlichen Bilder, u.a. die großartigen Landschaftsaufnahmen Indonesiens zu betonen, die man in diesem Film zu sehen bekommt. Kameramann Robert Elwit, der 2008 den Oscar für die beste Kamera für There Will Be Blood gewonnen hat, stellt in Gold sein fachmännisches Talent unter Beweis.

Unnötige Längen und ungenügender Coolness-Faktor
Wer von Matthew McConaugheys kurzem Auftritt in The Wolf of Wall Street und seinem auf die Brust Geklopfe nicht genug kriegen konnte, kommt mit Gold zumindest teilweise auf seine Kosten. Der Film greift ein aktuelles und im Showbusiness angesagtes Thema auf, das man bereits aus Hits wie American Hustle, Blow oder eben The Wolf of Wallstreet, der Schaumkrone dieser Welle an kapitalistischen Gaunerkomödien, kennt. Teilweise gewinnt die Story an Fahrt und man freut sich schon auf mehr Party, mehr Verrücktheit, mehr Abenteuer, aber leider schafft es Gold nicht, an den Sexappeal oder an den Spaß- und Coolnessfaktor, den die Toptitel dieses Genres erzeugen, heranzukommen. Die klassische Spannungskurve, die in dieser Art Film die Geschichte des anfänglichen Nichtsnutzes über den ersten Erfolg, ausgelassene Partys, Reichtum und Überfluss, bis auf die Spitze des dekadenten Verschwendertums und darauffolgend zum unvermeidlichen Verfall treibt, ist hier nicht gegeben. Stattdessen wird die Handlung immer und immer wieder unnötig verzögert durch mehrere Spannungsspitzen und -tiefen, so dass man als Zuschauer bald gelangweilt ist.

Ein weiterer Unterschied zu den großen Vorbildern sind die charakterlichen Eigenschaften der Hauptfigur. Während Jordan Belfort (The Wolf of Wall Street) oder Irving Rosenfeld (American Hustle) sich durch ihr Genie, ihr Charisma, manchmal auch ihre Kaltblütigkeit aus aufkommenden Krisen retten können und den Zuschauer baff und über den gelungenen Coup begeistert lassen, ist Kenny Wells lediglich ein naiver Trottel. Sein Schicksal beruht auf Glück und Zufällen, nicht auf einem ausgefuchsten Masterplan oder geschicktem Improvisationstalent. Hölzerne Dialoge, ein durchschnittlicher Soundtrack und inkonsistentes Editing tragen unglücklicherweise zur Trägheit des Gesamtwerks bei und am Ende fragt man sich, warum diese eigentlich gute Story nicht in knackige 90 Minuten gepackt wurde. Wenigstens gibt es am Ende einen schönen Twist, der aber leider ein bisschen zu spät kommt, um das Kuddelmuddel der Geschichte zu retten.



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Unterhaltsam, aber uninspiriert. McConaugheys überzeugende Performance trägt den Film quasi alleine. Nur deshalb gibt es 6 statt 5 Sternen.
6
von 10