Kritik

Cunningham

„Cunningham“ // Deutschland-Start: 19. Dezember 2019 (Kino)

Merce Cunningham, der mit stolzen 90 Jahren im Juli 2009 verstarb, gilt als einer der experimentierfreudigsten Choreografen des zwanzigsten Jahrhunderts und einer der führenden Köpfe des zeitgenössischen Tanzes. Mit den Werken „Rune“, „Winterbranche“, „RainForest“, „Walkaround Time“ „Un jour ou deux“ und „Beach Birds“ hat er langfristig die Arbeit von Ballett- und Tanzcompanien verändert. Der US-Amerikaner gründete 1953, während der Hochphase seiner Karriere die Merce-Cunningham-Dance-Company, mit der er einige Jahre später sogar auf Welttournee ging. Vier Jahre vor seinem Tod erhielt er sogar den Nobelpreis der Künste. Anlässlich seines 100. Geburtstags hat Regisseur Alla Kovgan das Leben des Ausnahmekünstlers 2019 in einem 3D Film aufgearbeitet. In unzähligen Interviews wird über eben jene Kunst gesprochen und wie Merce Cunningham den Tanz revolutionierte.

Cunningham brilliert dabei mit vielen Originalaufnahmen, die in schwarz/weiß immer wieder in den Film eingebracht werden. Diese zeigen im Wesentlichen den Künstler bei seiner Arbeit und seine berufliche Laufbahn. Die Dokumentation konzentriert sich dabei vor allem auf seine Karriere in der Zeit von 1944 bis 1972. Daraus bastelt sich Alla Kovgan jedoch selbst einen Strick, denn die Menge an Informationen bleibt sehr beschränkt und es gibt weder eine spannende Vor- noch Nachgeschichte. Neben den alten Aufnahmen wird das Werk vor allem durch die nachgetanzten Choreografien durch die letzten Mitglieder von Cunninghams berühmter Company geprägt. Diese finden stets in spektakulären und recht farbenfrohen Umgebungen statt. Ganz im Sinne Cunninghams sind dies stets ungewöhnliche Orte, die der dargestellten Kunst zusätzlichen Ausdruck verschaffen sollte. Dabei spielen Licht, Formen und die Räumlichkeiten eine ganz wichtige Rolle, denn diese sollen dem Ausdruckstanz noch mehr Inhalt verleihen.

Inhaltlich dünnes Spektakel
Rein handwerklich ist Cunningham somit tatsächlich recht ansehnlich, auch wenn die 3D-Technik nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Diese dient viel eher der Unterstützung der modernen Inszenierungen. Diverse alte Aufnahmen, die nicht in 3D aufgearbeitet werden konnten, wurden einfach in ein kleineres Ausschnittfenster gezwängt und mit einem dreidimensional wirkenden Hintergrund versehen…. Nicht unbedingt der Grund, warum man einen 3D-Film schauen möchte. Die Optik wird unterstützt durch qualitativ hochwertige Aufnahmen aus den verschiedensten Perspektiven und mit sehr ruhigen, aber eben auch kreativen Kamerafahrten. Dabei finden Drohnen ebenso ihren Einsatz wie klassische Stativaufnahmen.

Sobald es jedoch um den Inhalt geht muss das Werk einfach unglaublich viele Federn lassen und verliert den Zuschauer, der nicht so sehr an dieser Kunstform interessiert ist. Viel mehr folgt dies auch aus der Art und Weise des Kunstsports. Dieser ist zwar beeindruckend anzusehen, was die körperlichen Strapazen angeht, stellt jedoch viel weniger einen Tanz dar als eher unglücklich zusammengewürfelte Zuckungen, die sich im Raum breit machen. Weder ist eine Aussage im Tanz erkennbar noch eine logische Zusammensetzung der Bewegungen. Ohne Frage gibt es viele Fans, die eben jenen Stil lieben und unterstützen und für diese wird es sicherlich ein Fest sein den Film zu sehen. Für alle anderen ist eine Sichtung wohl weniger ratsam.

Hinzu kommen mögliche Verwirrungen durch den ständigen Wechsel der Filmsprache zwischen deutsch und englisch. Bei den unzähligen verschiedenen Interviewpartnern ist es teilweise sehr schwer auseinanderzuhalten, wer aktuell interviewt wird, da viele dieser Monologe im Off stattfinden und somit keine visuelle Verbindung zu den Personen erzeugt wird. Das alles wird noch verstärkt durch das fast vollständige Fehlen eines roten Fadens.

Credits

OT: „Cunningham“
Land: Deutschland, Frankreich, USA
Jahr: 2019
Regie: Alla Kovgan
Drehbuch: Alla Kovgan
Musik: Volker Bertelmann
Kamera: Mko Malkhasyan

Bilder

Trailer



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Cunningham
4.13 (82.61%) 23 Artikel bewerten

Cunningham
Am Ende der Dokumentation bleibt für unwissende Zuschauer kaum mehr über Cunningham hängen, als dass er ein Tänzer war, der vor allem in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts sehr populär war. Visuell stark, bleibt inhaltlich nichts, was den Film zu einer spannenden Dokumentation werden lassen würde. Weder erfährt man viel über den Tänzer hinter dem Erfolg, noch wie sich der Tanz tatsächlich etabliert hat und heutige Generationen beeinflusst.
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