Kritik

Bad Boys For Life

„Bad Boys for Life“ // Deutschland-Start: 16. Januar 2020 (Kino) // 28. Mai 2020 (DVD/Blu-ray)

Das einst unzertrennliche und von Erfolgshunger getriebene Cop Duo Mike Lowery (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) droht langsam auseinanderzubrechen. Während sich Mike nach wie vor in gefährliche Missionen stürzen will, realisiert Marcus zunehmend, dass er sich mehr um seine Familie kümmern will und körperlich auch nicht mehr mit früheren Zeiten mithalten kann. Und so festigt sich in ihm die Entscheidung, nun doch Sicherheit und den Ruhestand den Verfolgungsjagden und Schießereien vorzuziehen. Zu dem Zeitpunkt ahnt aber noch keiner der beiden, dass auf Mike ein Killer angesetzt ist und dass die folgenden Attentate weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen werden. Dann steht nämlich nicht nur Marcus plötzlich vor der Frage: ein letztes Mal Bad Boy?

Ganze 17 Jahre nach Bad Boys II und unerfüllten Startterminen einer Fortsetzung kommt der dritte Teil der Actionreihe nun endlich ins Kino. Wobei das „endlich“ zunächst doch eher verhalten zu hören war unter den Filmbegeisterten. Dass man sehnlichst auf Bad Boys 3 gewartet hätte, machte so nicht ganz den Eindruck. Immerhin sind 17 Jahre eine lange Zeit, in der Fans auch aus gewissen Genres herauswachsen und sich Sehgewohnheiten jüngerer Altfans auch verändern. Vielleicht auch deshalb ein gewagtes Projekt, noch einmal bekannte Töne anzuschlagen? Denn das war es, was uns der Trailer augenscheinlich zunächst einmal versprach.

Neue Regisseure braucht das Actionland
Und um bei Altbekanntem zu bleiben, könnte man jetzt wieder anfangen mit „Hier sehen wir einen typischen Michael Bay“. Aber weit gefehlt, ganz so einfach kann man es sich diesmal dann doch nicht machen, denn DAS liebe Filmfreunde und Actionliebhaber, ist der REMIX. Zwar immer noch unter der Hand von Blockbusterproduzent Jerry Bruckheimer (Nur noch 60 Sekunden, Prince Of Persia: Der Sand der Zeit), aber nicht mehr mit Michael Bay (6 Underground, Pain & Gain, Transformers) auf dem Regiestuhl sondern mit den beiden Jungregisseuren Adil El Arbi und Bilall Fallah.

Und diese zwei machen den Vorgängerfilmen alle Ehre. Selbst Fans der Bad Boys, haben sie ein ausgezeichnetes Gespür dafür, wie man das Publikum für sich gewinnt und was man von einem Leinwandcomeback der beiden schonungslosen Cops Mike und Marcus erwartet. Und damit begrüßt der Film den Zuschauer auch mit einem wohligem „Welcome to Miami!“ Findige Bad Boys und Bay Fans dürften sich nämlich mit Leichtigkeit an die ein oder andere Szene zurückerinnern und wiedererkennen. El Arbi und Fallah spicken den Film nämlich mit kleinen Referenzen, die einem unbewanderten Kinobesucher, der vielleicht hierüber den Einstieg ins Franchise versucht, aller Wahrscheinlichkeit nach entgehen werden. Als Kenner umhüllt einen aber ein angenehmes Gefühl des Revivals, ganz so als wäre 2003 erst gestern gewesen. Trotz vieler Ähnlichkeiten bekommt man aber trotzdem nie das Gefühl, dass hier ein Plagiatsversuch über die Leinwand kracht. Vielmehr eröffnen die Regisseure El Arbi und Fallah eine neue nuanciertere Perspektive auf die actiongeladenen Buddy-komödie, in die viel Blut, Schweiß und Tränen floss, wie es Will Smith (Aladdin, Men in Black, Suicide Squad) so treffend auf der Berliner Premierenfeier ausdrückte.

Überraschend viel Herz
Mit Leichtigkeit bekommt die Geschichte nicht nur zusätzlich einen feministischeren Touch, wo man in dem Zuge ehrlich gestehen muss, dass anhand der Eingangsszene mit Kate del Castillo sogar noch etwas mehr der knallharten Frauenpower hätte kommen können, auch wird das Ganze um Mike und Marcus noch familiärer und persönlicher. Was die beiden Regisseure hier alles unterbringen, ist schon beachtlich, wenn man mal an die Charaktertrübheit von Teil 1 und 2 zurückdenkt. Während sich der zweite Bad Boys schon weitaus mehr auf den Weg machte, uns emotional an die Figuren binden zu wollen, so ist doch Bad Boys for Life gleich eine ganz andere Liga und tritt überraschend sentimental und ergreifend auf. Damit wird man als Fan der Reihe wohl doch etwas unvermittelt mit der ein oder anderen Szene schweren Herzens zu kämpfen haben.

Aber nicht nur damit driften wir im Sportwagen oder auch etwas gediegener im Familienwagen mehr als einmal in einen unvorhergesehenen Twist, bei denen man bei anderen Filmen dieser Art lediglich mit dem Kopf geschüttelt hätte. Hier jedoch dürften uns El Arbi und Fallah sogar ruhig gern noch mehr vor die Nase setzten, um uns den Unterhaltungsdurst zu stillen.

Was ihnen jedoch zweifelsfrei ohnehin schon ziemlich gut gelingt, wenn Will Smith und Martin Lawrence (Beach Bum, Born To Be Wild – Saumäßig unterwegs) diesmal nicht nur die Waffen, sondern auch die Fäuste sprechen lassen. An handgemachter Action sowie einem ordentlichen Explosionsfeuerwerk mangelt es dem Film also keineswegs. Nur mit Kunstblut geht man hier etwas bedachter und weniger makaber um, und das sorgt erst einmal dafür, dass der Film bereits ab 16 Jahren freigegeben ist. Aber keine Sorge, Bad Boys for Life gestaltet sich von Anfang bis Ende zu einer gelungenen Suchtnummer, die man im Anschluss eigentlich gleich nochmal sehen möchte.

Credits

OT: „Bad Boys for Life“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Adil El Arbi, Bilall Fallah
Drehbuch: Chris Bremner, Peter Craig, Joe Carnahan, George Gallo
Musik: Lorne Balfe
Kamera: Robrecht Heyvaert
Besetzung: Will Smith, Martin Lawrence, Joe Pantoliano, Kate del Castillo, Paola Nuñez, Charles Melton, Alexander Ludwig, Vanessa Hudgens, Jacob Scipio

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Überraschend erfrischend, mit unglaublich viel Herzblut und erwartungsgemäß actionlastig: „Bad Boys for Life“ lässt einem für zwei Stunden nicht nur die Munition, sondern auch die derb witzigen One-Liner um die Ohren fliegen und wird so zu einer absolut würdigen und verdienten Fortsetzung, die am Ende nicht nur Fans auf ihre Kosten kommen lässt.
8von 10

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