Kritik

10 Minutes Gone

„10 Minutes Gone“ // Deutschland-Start: 6. Februar 2020 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatte Gangsterboss Rex (Bruce Willis) ja alles bis ins Detail geplant und vorbereitet: Frank (Michael Chiklis), sein Bruder Joe (Tyler Jon Olson) und diverse Handlanger sollen in eine Bank einbrechen und ein kleines Kästchen stehlen, das einen sehr wertvollen Inhalt haben soll. Der Einbruch an sich funktioniert, doch auf dem Weg nach draußen kommt es zu einer Katastrophe: Ein Alarm wird ausgelöst, Frank niedergeschlagen, Joe getötet. Frank kann dies natürlich nicht auf sich beruhen lassen und macht sich deshalb mit Joes Freundin Claire (Meadow Williams) auf die Suche, wer sie verraten hat. Gleichzeitig ist auch Rex nicht untätig, will er doch unbedingt den Schatz für sich haben …

Ein Zeichen dafür, dass man älter wird, ist mitansehen zu müssen, wie Filmstars, mit denen man groß geworden sind, auf einmal in der Low-Budget-Direct-to-Video verramscht werden, in schlampig zusammengestellten Actiontiteln so tun müssen, als wären sie immer noch irgendwie relevant. Bruce Willis ist so ein Beispiel. Der war in den 80ern und 90ern ein echter Publikumsmagnet, spielte in Klassikern wie Stirb langsam, Pulp Fiction oder The Sixth Sense. Untätig war der inzwischen über 60-jährige Schauspieler in den letzten Jahren zwar nicht, die wenigsten seiner Titel schaffen es aber noch in die Kinos. Gute Filme dreht er höchstens noch mal zufällig.

Arbeit aus der zweiten Reihe
10 Minutes Gone ist das neueste Beispiel, wie eine große Karriere in der Belanglosigkeit versandete. Ein Film, der zudem die Frage aufwirft, weshalb genau Willis da überhaupt mitmachen wollte. Ruhm oder künstlerische Entfaltung werden es kaum sein. Richtig viel Geld ließ sich mit der Low-Budget-Produktion sicherlich auch nicht machen. Andererseits: Der Arbeitsaufwand war offenkundig überschaubar. Auch wenn Willis in der Besetzungsliste ganz vorne auftaucht, oft zu sehen ist er nicht. Tatsächlich meldet er sich so selten zu Wort, dass man zwischendurch vergisst, dass er ja auch dabei ist. Seine Rolle beschränkt sich darauf, in einem Büro zu sitzen und in sparsamen Dialogen ein paar Gangsterklischees abzuhaken, während er möglichst gelangweilt die Wand anstarrt.

Michael Chiklis (Fantastic Four: Rise Of The Silver Surfer), der eigentliche Hauptdarsteller, hat da schon mehr zu tun. Er muss schließlich durch die ganze Stadt rennen, um sowohl den geheimen Mörder seines Bruders wie auch das Kästchen zu finden. Wobei das mit dem Rennen so eine Sache ist. Richtig agil ist der Schauspieler nicht gerade, was in den häufigen Actionszenen alles andere als ein Vorteil ist. Zwar gibt er sich durchaus Mühe, einigermaßen überzeugend rüberkommen, anders als sein berühmter Kollege. Tatsächlich überzeugend ist das Ergebnis jedoch nicht. Ein derart leichtes Ziel wie er, der dennoch immer wieder davon kommt?

Und jetzt noch mal von vorne
Dass 10 Minutes Gone recht bald langweilt, ist dennoch nicht seine Schuld. Sich von einem Verbrecher zum nächsten zu hangeln, auf der Suche nach Antworten und dem wahren Täter, das kann durchaus Spaß machen. Destroyer hatte vor einem Jahr eine ähnliche Vorgehensweise. Dort waren die einzelnen Stationen aber wenigstens abwechslungsreich genug, um dem Publikum ein bisschen was zu bieten. Das unerfahrene Drehbuchduo Kelvin Mao und Jeff Jingle – beide geben hier ihr Spielfilmdebüt – waren mit dieser Aufgabe jedoch überfordert, weshalb sie einfach mal hier was zusammenklauen, mal dort, und das dann auf Endlosschleife stellen.

Die absolute Katastrophe ist der Film sicherlich nicht. Das anvisierte Zielpublikum, welches einfach nur ein paar Gangstersprüche hören und viel Schießerei sehen will, bekommt knapp anderthalb Stunden genau das. Und dieses Publikum muss groß genug sein, sonst würden nicht andauernd solche Titel veröffentlicht. Mehr als Minimalanforderungen werden hier jedoch nicht erfüllt: Wer unbedingt seine Zeit totschlagen muss, schafft das hiermit womöglich, für einen spannenden Videoabend ist 10 Minutes Gone jedoch weniger geeignet.

Credits

OT: „10 Minutes Gone“
Land: Kanada, USA
Jahr: 2019
Regie: Brian A. Miller
Drehbuch: Kelvin Mao, Jeff Jingle
Musik: Josh Atchley
Besetzung: Michael Chiklis, Meadow Williams, Bruce Willis, Kyle Schmid, Texas Battle, Lydia Hull

Bilder

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10 Minutes Gone
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10 Minutes Gone
„10 Minutes Gone“ ist eine dieser typischen Low-Budget-Direct-to-Video-Produktionen, die unbeirrt den Markt überschwemmen. Der Auftritt des groß beworbenen Bruce Willis beschränkt sich auf ein paar gelangweilte Telefonate im Hintergrund. Michael Chiklis als Gangster, der den Mörder seines Bruders sucht, tut schon mehr für sein Geld, macht dabei jedoch nicht die beste Figur.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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