Kritik

Amityville Horror Wie alles begann

„Amityville Horror – Wie alles begann“ // Deutschland-Start: 2. Januar 2020 (DVD/Blu-ray)

Das Haus der Familie DeFeo ist eigentlich ganz schön. Das, was hinter der Fassade stattfindet, jedoch weniger. Vor allem Familienoberhaupt Ronnie (Paul Ben-Victor) sorgt mit seinen willkürlichen Gewaltausbrüchen dafür, dass sich niemand innerhalb dieser Wände jemals so richtig wohl fühlt. Ob nun seine Frau Louise (Diane Franklin) oder die diversen gemeinsamen Kinder, sie alle haben unter dem Zorn des Patriarchen zu leiden. Besonders das Verhältnis zum ältesten Sohn Ronald (John Robinson) ist äußerst schlecht, der dem Despoten mit seiner Hippie-Art ein Dorn im Auge ist. Der wiederum sucht einen Ausweg, indem er mit seiner Schwester Dawn (Chelsea Ricketts) im Geheimen dämonische Kräfte beschwört, ohne zu ahnen, was er damit anrichten wird …

2019 drehte sich filmisch alles um die Ermordung von Sharon Tate, welche dieses Jahr 50 Jahre zurück lag und an die Werke wie Once Upon a Time in … Hollywood und Charlie Says erinnerten. Die Auswahl war ebenso beeindruckend wie die Bandbreite, es gab viele verschiedene Wege, sich diesem Ereignis anzunähern. Irgendwann ist aber auch mal gut, weshalb zum Jahresausklang ein Film bei uns erscheint, der sich eines anderen Mordfalls annimmt. Es ist sogar ein Mordfall, dem im diesem Metier mehr Werke gewidmet wurden als jedem anderen – wenn auch nur über Umwege.

Ein Schrecken ohne Ende
Als Amityville Horror 1979 in die Kinos kam, war dies der Auftakt zu einer der langlebigsten Horror-Franchises überhaupt. Die Geschichte um ein junges Paar, welches feststellt, dass es in dem neu erworbenen Haus spukt, war damals ein riesiger Kassenerfolg. Dreizehn weitere Filme rund um das verfluchte Domizil kamen im Laufe der folgenden vier Jahrzehnte heraus, in der Hoffnung, irgendwie von dem großen Namen profitieren zu können. Die meisten waren Billigtitel, die lediglich für den Heimgebrauch produziert wurden. Doch gleich ob nun Direct-to-Video oder Leinwand-Albtraum, keine Horrorreihe wurde mehr von Kritikern verrissen. Das steigert die Erwartungen natürlich nicht unbedingt, wenn dann wieder ein neuer Teil auf uns hereinbricht.

Immerhin, Amityville Horror – Wie alles begann hat dabei tatsächlich ein kleines Alleinstellungswmerkmal. Im Gegensatz zu den vielen anderen In-Haunted-House-Kollegen setzt Regisseur und Drehbuchautor Daniel Farrands früher an. Anstatt wie die anderen von den Auswirkungen des Massenmords zu sprechen, die sich Jahre später in dem Familienhaus manifestieren, widmet er sich besagtem Massenmord selbst. Der Streifen ist damit tatsächlich, wie der Titel behauptet, eine Art Prequel, welches die Grundlage legt für den eigentlichen Horror. Theoretisch ist der neueste Streifen damit den obigen Werken rund um die Manson-Morde näher, da in Amityville 1974 tatsächlich Ronnie DeFeo den Rest seiner Familie ermordete. Ein True-Crime-Horror sozusagen.

Das muss mit dem Teufel zugehen!
Vielleicht wollte Farrands aber den Inhalt nicht zu weit weg von dem ansiedeln, worum es in den späteren Werken ging. Vielleicht waren es aber auch die vielen offenen Fragen, die den damaligen Mordfall betreffen, welche zu der eigenwilligen Interpretation der Geschichte führten: Amityville Horror – Wie alles begann erzählt, wie Ronnie sich mit dämonischen Kräften einlässt und diese nach und nach Besitz von ihm ergreifen. Ob es diese Kräfte nun wirklich gibt oder doch nur das Ergebnis eines drogenumnebelten Hippie-Hirns sind, der ständig misshandelt wurde, das lässt Farrands dabei offen. Vielleicht hat es ihn auch einfach nicht interessiert, so wie auch sein The Haunting of Sharon Tate eine dreiste, respektlose Umdeutung einer wahren Tragödie war.

Doch selbst wer sich nicht an derlei Geschmacklosigkeiten stört und einfach nur ein bisschen guten alten Horror erleben mag, kann sich den Titel hier sparen. Während die Szenen rund um die dysfunktionale Familie noch von einer funktionalen Widerwärtigkeit begleitet sind, man zumindest nachempfinden kann, wie man in einem derartigen Umfeld den Verstand verliert, sind die übernatürlichen Momente kaum überzeugend. Die Spezialeffekte leiden unter dem offensichtlich sehr überschaubaren Budget. Es fällt Farrands aber auch nichts wirklich ein, um mit dem, was er hat, irgendwie Spannung zu erzeugen. Stattdessen vertraut er auf plumpe Jump Scares und einen verwirrt dreinblickenden John Robinson, dessen Anblick eher belustigt oder Mitleid erregt, weniger Furcht einflößt.

Credits

OT: „The Amityville Murders“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Daniel Farrands
Drehbuch: Daniel Farrands
Musik: Dana Kaproff
Kamera: Carlo Rinaldi
Besetzung: John Robinson, Chelsea Ricketts, Diane Franklin, Paul Ben-Victor

Bilder

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Amityville Horror – Wie alles begann
Anstatt sich wie die anderen Teile der Endlosreihe auf die Haunted-House-Elemente zu konzentrieren, erzählt „Amityville Horror – Wie alles begann“ von dem realen Mord, der erst zu den übernatürlichen Begegnungen geführt haben soll. Das ist als Ansatz interessant, der Film selbst ist es nicht. Die Kombination aus realem Schrecken und dämonischen Kräften ist fragwürdig, spannend ist die Billigproduktion so oder so nicht.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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