Kritik

The Haunting of Sharon Tate

„The Haunting of Sharon Tate“ // Deutschland-Start: 10. Mai 2019 (DVD/Blu-ray)

Irgendwie hat Sharon Tate (Hilary Duff) kein besonders gutes Gefühl. Schon seit einer Weile wird sie von einem Alptraum verfolgt, dass jemand sie ermorden wird. Doch so richtig schlimm sind diese Vorahnungen erst, seitdem die hochschwangere Schauspielerin in einem schicken Haus in den Hollywood Hills wohnt – umso mehr, da ihr Mann, der gefeierte Regisseur Roman Polanski, derzeit in Europa ist, um einen Film zu drehen. Immer wieder schleichen sich verdächtige Leute herum, die irgendetwas im Schilde führen, davon ist Sharon überzeugt. Doch niemand will ihr Glauben schenken, nicht einmal ihre Freunde, die diese Paranoia auf die Schwangerschaft zurückführen. Bis zu jener Nacht …

Morde passieren nicht unbedingt selten, mehrere Hunderttausende müssen jedes Jahr durch eine vorsätzliche Tötung ihr Leben lassen. Und doch schaffen es einige dieser Morde zu einer Art Ereignis zu werden, das international Berühmtheit erlangt und viele Jahre später noch in Erinnerung ist. Ein solcher Mord ist der an Sharon Tate und diverser Freunde, der im Jahr 1969 von diversen Mitgliedern der Charles Manson Sekte begangen wurde. Das liegt sicher auch daran, dass Hollywood diesen Mord nicht vergessen hat, ihm im Gegenteil immer mal wieder neue Filme widmet. Gerade zuletzt haben sich diese gehäuft, Charlie Says und Once Upon a Time in … Hollywood beispielsweise nahmen sich zum 50. Jahrestag auf eine jeweils sehr eigene Weise dieses Vorfalls an.

Was wäre gewesen wenn …
Wohlwollend ausgedrückt tut The Haunting of Sharon Tate das auch. Regisseur und Drehbuchautor Daniel Farrands nimmt hierfür ein Interview als Ausgangspunkt, in dem Tate von einem Alptraum berichtet, in dem sie und ihr Freund Jay ermordet werden. War das reiner Zufall? Konnte Tate tatsächlich ihren Mord vorhersehen? Und wenn ja, hätte man diesen vielleicht verhindern können? Letztere Überlegung ist nur allzu menschlich. Egal ob nun eine große Tragödie geschieht, etwa die Anschläge vom 11. September, oder einem im Privaten ein Unglück begegnet, immer wieder verfängt man sich in Spekulationen, was man alles hätte anders machen können oder müssen.

Nun setzt sich Farrands nicht sonderlich mit diesem psychologischen Aspekt auseinander. Er ist auch kein Mann, der sonderlich viel nachdenken möchte. Er ist vielmehr ein Mann der Tat, zumindest filmisch gesehen. Und das bedeutet: ranklotzen, draufhauen, dem Publikum kontinuierlich etwas zumuten. Immer wieder ist das Geschehen von einem ominösen Score von Fantom begleitet, der klarmacht: Achtung, etwas Böses geschieht! Ebenso wenig subtil sind die Versuche, The Haunting of Sharon Tate mit anderen Vorzeichen vollzustopfen, die so offensichtlich sind, dass man am Ende, nach dem Mord, nur denken möchte: Selbst dran schuld, wenn ihr all das nicht bemerkt habt.

Moral ist tot
Das ist mindestens perfide, wenn nicht gar völlig geschmacklos, wie eine persönliche Tragödie derart ausgeschlachtet wird. Ganz überraschend ist das jedoch nicht, zumindest nicht für ein Publikum, das Amityville Horror – Wie alles begann gesehen hat. Denn schon dort hatte Farrands einen realen Massenmord genutzt, um daraus einen billigen Horrorfilm zu machen. Das ist hier nicht besser, eher schlimmer noch durch die was-wäre-wenn-Andeutungen, die jeglichen Respekt vermissen lassen.

Aber selbst wer diese moralische Dimension ignorieren kann, wie mit Verbrechen Kohle gemacht werden soll, wird nur wenig Vergnügen an The Haunting of Sharon Tate haben. Der Film arbeitet derart mit Holzhammermethoden, deren größten Schrecken darin liegt, jemand könnte das Ergebnis tatsächlich gut genug gefunden haben, um es in der Form veröffentlichen zu wollen. Eine echte Spannung tritt während der gut anderthalb Stunden nicht auf, obwohl mit Händen und Füßen darum gekämpft wird. Und wenn dann irgendwann doch einmal der ganze Spuk vorbei ist, dann ist das Ende zwar schrecklich, geht aber wenigstens mit der Erkenntnis einher, dass man das jetzt hinter sich hat und sich nie wieder ansehen muss – sofern man nicht selbst von Alpträumen verfolgt wird.

Credits

OT: „The Haunting of Sharon Tate“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Daniel Farrands
Drehbuch: Daniel Farrands
Musik: Fantom
Kamera: Carlo Rinaldi
Besetzung: Hilary Duff, Jonathan Bennett, Lydia Hearst, Pawel Szajda, Ben Mellish

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The Haunting of Sharon Tate
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The Haunting of Sharon Tate
Der Mord an der Schauspielerin Sharon Tate genießt eine Bekanntheit, von der hier um jeden Preis profitiert werden soll. „The Haunting of Sharon Tate“ ist aber nicht allein schon wegen der was-wäre-wenn-Szenen eine geschmacklose Ausbeutung einer realen Tragödie. Der Film ist auch noch langweilig, indem mit der Holzhammermethode Spannung erzeugt werden soll.
2von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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