Kritik

Amityville Horror 1979

„Amityville Horror“ // Deutschland-Start: 17. Januar 1980 (Kino) // 10. November 2017 (DVD/Blu-ray)

George und Kathy Lutz (James Brolin und Margot Kidder) können ihr Glück kaum fassen, als sie in Amityville, New York auf das ideale Haus für sich und ihre drei Kinder stoßen. Trotz des Preises und der dunklen Vorgeschichte des Anwesens beschließen beide, das Haus zu nehmen und so bald wie möglich umzuziehen. Zunächst ist das Leben im Haus sehr harmonisch, besonders da ihre drei Kinder sehr viel Platz haben und ein großer See in der Nähe ist, doch es zeigen sich erste Anzeichen, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Als der Pfarrer der Gemeinde, Pater Delaney (Rod Steiger), das Haus auf Bitte von Kathy segnen will, leidet er plötzlich unter Atemnot und Übelkeit, die es ihm unmöglich machen, das Ritual zu vollziehen. Seine Versuche, die Familie zu warnen, sind leider vergeblich und bei seinen Vorgesetzten in der Kirche stößt er auf Ablehnung, als er das Haus als besessen bezeichnet. Währenddessen findet die Familie aber auch selbst heraus, dass dort etwas vorgeht. Nicht nur, dass Dinge verschwinden und die seltsamen Geräusche bei Tag und bei Nacht hören, der Ort hat auch eine unheimliche Wirkung auf seine Bewohner, insbesondere George, der zunehmend reizbarer wird und sich vom Rest der Familie isoliert. Als nach einem sehr beunruhigenden Zwischenfall Kathy beschließt, der Vorgeschichte des Hauses auf den Grund zu gehen, scheint sie nicht nur eine Erklärung für die Morde an den vorherigen Besitzern gefunden zu haben, sondern erkennt auch, in welcher Gefahr sie und ihre Familie schweben.

Ein Haus der Erinnerung
Wie so viele Produktionen des Genres basiert auch Stuart Rosenbergs Amityville Horror auf einem realen Ereignis, nämlich den Aussagen der tatsächlichen Familie Lutz, die in eben jenem Vorort ein Haus kauften, welches sie nach 28 Tagen wieder verließen, weil es dort, wie sie selbst sagten, spukte. Bereits vorher war das Anwesen in den Medien durch den Fall Ronald deFeos, der seine ganze Familie in einer Nacht unter Umständen ermordete, die bis heute den Ermittlern Rätsel aufgeben. Dementsprechend hat Rosenbergs Inszenierung gewisse semi-dokumentarische Elemente und erzählt die Geschichte der Auflösung einer Familie und schließlich auch der Grundpfeiler des Amerikanischen Traums.

Auffallend an diesem ersten Eintrag in der viele Teile umfassenden Amityville-Reihe ist der minimalistische Ansatz in der Inszenierung. Dieser ist vergleichbar mit Werken wie William Friedkins Der Exorzist oder Richard Donners Das Omen, die weniger die Schockeffekte, sondern Atmosphäre und Charakterentwicklung in den Vordergrund stellen. Innerhalb der Inszenierung und konsequent für eine Geschichte, wie sie Rosenberg erzählt, ist, mit welchem Detailreichtum der wichtigste Charakter, nämlich das Haus eingeführt wird. Bereits von der ersten Minute an wird mithilfe Kamera und Lichtgebung dieser Ort als mysteriös und unheimlich in Szene gesetzt, ein Haus, welches, entgegen der Vermutung Georges, sehr wohl eine Erinnerung hat und eben jene dunklen Kapitel der Vergangenheit in sich gespeichert hat. Bereits bei der ersten Begehung wird das Glück der Lutz, welche zusammen mit der Maklerin die Zimmer des Hauses beschreiten, unterbrochen durch Szenen aus jener Nacht, als eben jene schreckliche Bluttat geschah.

Zu keiner Zeit wirkt das Haus wie die Heimat einer Familie, sondern wie ein Ort, der jegliches positive Gefühl ins Gegenteil kehrt. Die Architektur der Räume, die Ecken und Winkel sowie die Struktur des Dachgeschosses, dessen Fenster wie ein Paar Augen wirken, welche den Betrachter ansehen, tragen ihren Teil dazu bei, ein immer intensiver werdendes Gefühl der Unruhe in die Handlung zu bringen, welches begleitet wird von dem Auflösungsprozess einer Familie.

Desintegration der Familie
Die Familie Lutz steht repräsentativ für den amerikanischen Mittelstand, eine Familie, die sich durch Arbeit ein Stück des Amerikanischen Traumes gesichert hat, zu dem zweifelsohne das Haus als Besitz und Schutzraum zählt. Selbst als die Präsenz des Bösen immer wahrscheinlicher wird, sind es die finanziellen Nöte kombiniert mit dem Eingestehen eines Versagens, die es unmöglich machen, den Traum aufzugeben, auch wenn dieser einen innerlich auffrisst, wie man es anhand von George sehen kann. In gewisser Weise ist der von James Brolin gespielte George Lutz ein Wiedergänger Jack Torrances aus Shining, ein Mann, der durch den doppelten Druck, für seine Familie zu sorgen und gleichzeitig ein florierendes Geschäft zu führen, in die Verzweiflung getrieben wird. Seine Krise, wie es Sandor Sterns Drehbuch darstellt, ist eine Krise der Familie, die sich zunehmend in der Auflösung befindet, wobei offenbleibt, ob die übernatürlichen Kräfte weniger der Urheber und nicht vielmehr der Katalysator dieses Prozesses sind.

Credits

OT: „The Amityville Horror“
Land: USA
Jahr: 1979
Regie: Stuart Rosenberg
Drehbuch: Sandor Stern
Musik: Lalo Schifrin
Kamera: Fred J. Koenekamp
Besetzung: James Brolin, Margot Kidder, Rod Steiger, Don Stroud, Murray Hamilton, John Larch

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1980 Beste Musik Lalo Schifrin Nominierung
Golden Globe Awards 1980 Beste Musik Lalo Schifrin Nominierung

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Amityville Horror (1979)
„Amityville Horror“ von Stuart Rosenberg ist ein solider, clever gemachter Horrorfilm. Anstatt auf Schockeffekte setzt Rosenbergs Film auf Atmosphäre und seine Darsteller, was gerade den Prozess der Auflösung innerhalb der Familie in den Vordergrund rückt. Auch wenn dies erzählerisch bisweilen etwas zäh ist, verbleiben dennoch viele sehr gelungene Bilder, die besonders vom Zusammenspiel der Darsteller, allen voran James Brolin, leben.
7von 10

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