Buy Me a Gun Comprame un Revolver

„Buy Me a Gun“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Frauen? Die gibt es in Mexiko fast gar nicht mehr. Die wenigen, die noch da sind, laufen immer Gefahr, von den Drogenkartellen entführt zu werden. So ganz ist das der 9-jährigen Huck (Matilde Hernandez Guinea) noch nicht bewusst, anders als ihrem Vater (Rogelio Sosa). Der verkleidet sie als Junge, schneidet ihre Haare und lässt sie zur Sicherheit auch noch eine Maske tragen. Doch ganz los kommt er von den Kartellen nicht, schließlich ist er doppelt von ihnen abhängig: von ihrem Geld und ihren Drogen. Für Huck reicht das alles aber nicht aus. Sie will raus, sie will etwas erleben. Und so freundet sie sich mit einer Gruppe von Waisenkindern an, die allein in der Einöde leben.

Dystopische Geschichten werden gern in einer fernen Zukunft angesiedelt, um bereits bestehende Tendenzen ins Absurde überdrehen zu können. Aber es geht auch anders. In Buy Me a Gun springt Julio Hernández Cordón gar nicht so schrecklich weit voraus. Genauer lässt es der mexikanische Regisseur und Drehbuchautor offen, in welchem Jahr wir uns befinden. Er verrät nicht, was in der Zwischenzeit passiert ist, hält uns zudem vor, weshalb es mittlerweile kaum noch Frauen gibt.

Das Rätsel der kaputten Welt
Das ist einerseits eine Stärke des Films. Von Beginn an herrscht hier eine etwas eigene, irgendwie rätselhafte Atmosphäre. Wir sind in einer Welt unterwegs, die uns nah erscheint und doch nur wenig zu fassen ist. Eine Welt, in der überall Gefahr herrscht, jeder dein Feind sein kann, schon der bloße Alltag zum Abenteuer wird. Das erinnert an die bekannten Endzeitfilme, vor allem Mad Max wird gerne mal als Vergleich herangezogen. Das liegt neben der allgegenwärtigen Gewalt auch an der spärlichen Vegetation. Vom Grün Mexikos ist nicht viel geblieben, das Land ist ebenso ausgezehrt wie die wenigen Menschen, die noch dort leben.

Gleichzeitig ist dieses Unkonkrete aber auch Quelle von Enttäuschung, wenn nicht gar Frust. Immer wieder hat man das Gefühl, dass Buy Me a Gun, das bei der Directors’ Fortnight in Cannes 2018 Premiere hatte, kurz davor steht, eine relevante Geschichte zu erzählen. Immer wieder biegt der Film dann aber ab, bricht ab, wendet sich etwas Neuem zu, einem neuen Ort, neuen Figuren. Ohne irgendwo einmal anzukommen. Die offensichtliche Referenz an Huckleberry Finn beispielsweise, die bleibt zu sehr an der Oberfläche. Das kindliche Abenteuer passt auch nicht so recht zu den Brutalitäten der Kartelle.

… und jetzt?
Die Folge: Buy Me a Gun wird auch nie so spannend, wie man es vermuten würde. Für einen Film, in dem nahezu jeder Erwachsene ein potenzieller Mörder ist, hält sich der Nervenkitzel doch in Grenzen. Einzelne Momente, in denen es brenzliger wird, die gibt es natürlich schon. Die Intensität des Einstiegs, wenn Huck immer wieder kurz davor steht, entdeckt zu werden, wird im Anschluss jedoch nur selten noch erreicht. Erst gegen Ende hin gibt es noch einmal einen größeren Höhepunkt, gerade auch für Genrefreunde. Der Film ist an der Stelle aber nicht allein wegen des höheren Actiongrades spannend, sondern auch aufgrund einer ungewöhnlichen Optik.

Wobei die Bilder allgemein durchaus eine Stärke sind. Der heruntergekommene Baseball-Platz zu Beginn des Films, den das Kartell für sich in Beschlag genommen hat. Die wilde Natur eines sterbenden Landes. Manchmal bewegen sich die Aufnahmen auch in eine leicht surreale Richtung, was gut zu der unwirklichen Atmosphäre passt, die das Szenario generiert. Und doch würde man sich hier mehr wünschen, mehr Konsequenz, eine klarere Richtung. So bleibt Buy Me a Gun zwar immer noch ein interessanter Film mit einigen eindringlichen Szenen, der insgesamt aber zu wenig aus allem macht.



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Buy Me a Gun
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Buy Me a Gun
Wo sind all die Frauen hin? In „Buy Me a Gun“ lernen wir ein Mexiko der nahen Zukunft kennen, in der Drogenkartelle das komplette Leben bestimmen – auch weil vom Rest nicht mehr viel übrig ist. Das bedeutet immer mal wieder interessante oder auch intensive Szenen. Dem Drama fehlt aber die nötige Konsequenz, um daraus einen insgesamt fesselnden Film zu machen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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