Normalerweise sind es die Helden und Heldinnen, denen Filmen ihren Ruhm verdanken. Wir erinnern uns dann doch eher an diejenigen, welche unsere Welt retten, anstatt an diejenigen, die sie zu zerstören versuchen. Eine der berühmtesten Ausnahmen ist der Film Alien, das sogar nach dem Antagonisten benannt ist. Gewissermaßen. Einen wirklichen Namen hat das „unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, wie der deutsche Untertitel des ersten Teils der Horror-Science-Fiction-Reihe lautete, damals gar nicht erhalten. Es blieb ein fremdes Geschöpf, das keiner unserer Vorstellungen entsprach, anders war, als alles, das wir kannten – und auch deshalb so furchterregend. Denn die Angst vor dem Unbekannten ist so groß in den Menschen, dass heute noch Menschen damit gut Kasse machen können, sei es als Filmemacher oder als Hetzer am politischen rechten Rand.

Mit Politik hatte Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, das am 25. Mai 1979 – also heute vor 40 Jahren – in den USA in den Kinos anlief, nichts zu tun. Wobei der Film durchaus Kritik an den Menschen übte, die umherreisen und sich alles einverleiben wollen, um jeden Preis. Diese Kritik am reinen Kommerzgedanken wie auch am Kolonialismus ist heute ebenso aktuell wie damals. Allgemein ist es erstaunlich, wie zeitlos die Geschichte um eine Crew ist, die von einem vermeintlichen Notsignal angelockt auf einem unbekannten Himmelskörper landet, nur um dort mit einer seltsamen, äußerst aggressiven Kreatur in Kontakt zu kommen. Einige der Spezialeffekte sind natürlich in die Jahre gekommen, darunter die wohl berühmteste Szene, wenn die Besatzung den ersten Tod zu beklagen hat. Das meiste funktioniert heute aber wie damals.

Menschen wie du und ich
Ungewöhnlich für heutige Augen: Das Alien taucht erst relativ spät aus. Und selbst als es längst Jagd auf die Menschen macht, bleibt es eher kamerascheu. Das hatte auch praktische Gründe, denn sowohl Technik wie auch Budget stellten Ende der 70er enorme Einschränkungen dar. Also machte man aus der Not eine Tugend und zeigte das Monster so gut wie gar nicht, ließ es irgendwo im klaustrophobisch-engen und grundsätzlich unterbelichteten Raumschiff herumschleichen. Ein Katz-und-Maus-Spiel, erzählt aus der Sicht der Mäuse, die nicht einmal wissen, wie die Katze überhaupt aussieht. Regisseur Ridley Scott, der einige Jahre später mit Blade Runner einen zweiten Science-Fiction-Klassiker schuf, widmete viel Zeit dem Aufbau und den Figuren, die genreuntypisch normal waren. Leute, die sich über den Lohn streiten und mit denen man sich sehr gut identifizieren konnte, wenn sie um ihr Leben fürchten müssen. Im starken Kontrast zu dieser Normalität standen die bizarren Designs des Schweizer Künstlers HR Giger, der sowohl beim Monster wie auch der Umgebung seine Hände im Spiel hatte, und die tatsächlich wie aus einer fremden Welt wirkten.

An der sieben Jahre später erschienen Fortsetzung Aliens – Die Rückkehr war Giger nicht mehr beteiligt, so wie der zweite Teil in vielerlei Hinsicht mit dem einflussreichen Vorgänger brach. Nachdem das fremde Wesen etabliert war, sah Scotts Nachfolger James Cameron (Avatar – Aufbruch nach Pandora) keinen Grund darin, noch mit dem Unwissen zu spielen. Stattdessen setzte er auf maximale Konfrontation. An Stelle der unerfahrenen Crew bekommen es nun ausgebildete Söldner mit der menschenfressenden Kreatur zu tun, in deren Ader Säure statt Blut fließt. Auch Officer Ripley, welche für Hauptdarstellerin Sigourney Weaver den Durchbruch bedeutete, hatte zwischenzeitlich eine Wandlung durchgemacht und war zu einer echten Kämpferin mutiert. Bestach der erste Teil durch eine unheilvolle Atmosphäre und ein vorsichtiges Abtasten, gab es nun ein schweißtreibendes Tempo und zahlreiche Actionszenen, in denen hemmungslos geballert werden konnte. Trotz dieses Paradigmenwechsels, auch Teil zwei gilt als ein Klassiker, der zwar auf eine andere, aber nicht minder effektive Weise Spannung erzeugte.

Die Suche nach dem Weg
Von den folgenden Teilen würden das eher wenige Leute behaupten wollen. Zwar spielte Weaver sowohl in Alien 3 (1992) wie auch Alien – Die Wiedergeburt (1997) mit.  Bei Kritikern und Fans kamen die beiden Filme aber deutlich schlechter weg, weshalb es trotz ordentlicher Einspielergebnisse erst einmal nicht danach aussah, als würde die Reihe fortgesetzt. Arbeitslos wurden die Aliens jedoch nicht. Stattdessen durften sie erst einmal in den Crossover-Titeln Alien vs. Predator (2004) und Alien vs. Predator 2 (2007) ihre tödlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dieses Mal stand aber kein Kampf gegen harmlose kleine Menschlein an. Stattdessen mussten sie sich in den rein actionorientierten Spin-offs mit einer anderen außerirdischen Spezies messen, die nicht minder gefährlich war. Obwohl die Filme inhaltlich nichts mit der Hauptreihe zu tun hatten und von Kritikern weltweit verrissen wurden, die Einspielergebnisse waren durchaus ordentlich.

Erst 15 Jahre nach dem vierten Teil sollte es mit der Hauptsaga weitergehen – wenn auch anders als gedacht. Denn Prometheus – Dunkle Zeichen (2012) bedeutete gleich in zweifacher Hinsicht eine Rückkehr zu den Anfängen. Nicht nur, dass Ridley Scott mehr als drei Jahrzehnte nach seinem Monster-Hit erneut auf dem Regiestuhl Platz nahm. Er entschloss sich zudem, ein Prequel zu seinem Klassiker zu drehen, anstatt die Geschichte der anderen fortzusetzen. Wobei das nur zum Teil stimmt: Mit der Zeit uferte die Geschichte immer weiter aus, bis es eigentlich keine wirklichen Verbindungen mehr zum Klassiker gab. Eine eigene Mythologie entstand, das Ziel des ambitionierten Projekts war es nun, in insgesamt vier Filmen die Vorgeschichte zu erzählen, bis es zu den Ereignissen des ersten Teils kam.

Ein kurzes Vergnügen
Begleitet wurde dieser Relaunch von einer Reihe von Kurzfilmen, die Scott selbst drehte und die das Ganze noch etwas mehr ausschmücken sollten. Dies behielt er auch fünf Jahre später bei, als Prometheus durch Alien: Covenant (2017) fortgesetzt wurde. Die beiden Filme erzählten die Geschichte von Forschungsexpeditionen der Menschen, während derer wir von der Existenz der Konstrukteure erfahren, die – so wird vermutet – hinter dem ganzen Übel stecken. Eine wirkliche Antwort auf die Fragen steht aber noch aus, zumal das zweite Prequel an den Kinokassen enttäuschte. Die Zukunft der Reihe war entsprechend ungewiss, umso mehr, als Rechteinhaber Fox von Disney aufgekauft wurde. Und mäßig erfolgreiche Filme für Erwachsene sind nicht unbedingt das, woran der Mäusekonzern Interesse hat.

Doch inzwischen sieht es so aus, als wäre das Alien auch diesem Angriff gewachsen. So gibt es dieses Jahr eine ganze Reihe von Werken, die anlässlich des 40. Geburtstages des Meilenstein entstanden sind. Neben sechs neuen Kurzfilmen wurde 2019 eine Online-Animationsserie namens Alien: Isolation – The Digital Series veröffentlicht, die 15 Jahre nach Alien spielt und Ripleys Tochter Amanda in den Mittelpunkt stellt, die ihre verschwundene Mutter sucht. Eine weitere Live-Action-Serie soll in Arbeit sein, ebenso neue Filme, wie kürzlich bekannt wurde. Welche Form diese haben, ob sie die Prequels zum Abschluss bringen oder doch Sequels der Hauptreihe sind, das steht noch völlig offen. Bis es soweit ist, bleibt ja immer noch der Blick zurück, sei es mit den bisherigen Produktionen oder auch dem neuen Dokumentarfilm Memory – The Origins of Alien, welches die Hintergründe des düsteren Anfangs beleuchtet.

Die Hauptreihe

Alien [Special]
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