Alien 3

„Alien 3“ // Deutschland-Start: 3. September 1992 (Kino)

Nur mit Mühe und Not haben es Ellen Ripley (Sigourney Weaver) und die anderen an Bord des Raumschiffes geschafft, nachdem sie sämtliche Exemplare der blutrünstigen Lebensform unschädlich gemacht haben. Doch an Ruhe ist nicht zu denken. Als ein Feuer ausbricht, wird die sich noch immer im Tiefschlaf befindliche Besatzung mit einer Rettungskapsel auf die Reise geschickt, die ausgerechnet auf einem Planet für Schwerverbrecher endet. Schlimmer noch: Beim Aufprall kommen alle bis auf Ripley um. Während sie lernen muss, sich inmitten der männlichen Sträflinge durchzusetzen, kommt ihr ein furchtbarer Verdacht. Was, wenn doch eines der Aliens übrig blieb und mit ihr in der Kapsel war?

Auch wenn die Reihe um die gepanzerten Außerirdischen mit den ätzenden Innereien Kultstatus genießt, irgendwie stand sie nie unter einem glücklichen Stern. Die Einspielergebnisse waren zwar immer recht ordentlich, ohne aber zu Kassenschlagern zu werden. Vor allem tat man sich mit jeder Fortsetzung schwer, weshalb jedes Mal Jahre vergingen, bevor ein neuer Teil in die Kinos kam. Zwischen dem Auftakt Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt und dem zweiten Film Aliens – Die Rückkehr vergingen sieben Jahre, auch wegen eines Rechtsstreits. Bis Alien 3 folgte, dauerte es noch einmal sechs Jahre. Dabei hatten unmittelbar nach dem zweiten Teil bereits Planungen begonnen. Doch im Laufe der Jahre wandelte sich das Projekt mehrfach, Drehbuchversionen wurden ebenso verschlissen wie die Autoren, bis am Ende ein Mischmasch von Ideen rauskam.

Irgendwo in der Mitte verloren
Es ist noch nicht einmal so, dass dieser Mischmasch besonders interessant wäre. Im Grunde ist Alien 3 eine Kreuzung der ersten beiden Teile. Wie beim Auftakt ist eine Gruppe unbewaffneter Menschen mit dem Monster an einem Ort eingesperrt, nur dass hier das Raumschiff gegen eine Strafkolonie ausgetauscht wurde. Aus Aliens wiederum stammt die actionreichere Ausrichtung. Hier wird nicht ewig in dunklen Gängen langgeschlichen. Außerdem wissen die Figuren – dank Ripley – nur zu schnell, womit sie es zu tun haben. Der eher sanfte Horror des Erstlings, der mit der Angst vor dem Unbekannten spielte, wurde gegen die adrenalingetränkte Variante ausgetauscht.

Das Setting ist dabei durchaus noch reizvoll. Vor allem optisch spielt es einige Trümpfe aus, wenn die unglückseligen Insassen durch ein Labyrinth aus Trümmern und Schrott herumlaufen. Moderne Kommunikationsmittel gibt es dort nicht, Computer sind ein Fremdwort. Dafür ist alles düster und dreckig, dazu sehr unübersichtlich und klaustrophobisch – ein willkommenes Fressen für Monster wie auch Zuschauer*innen. Rein optisch ist das Spielfilmdebüt von Regisseur David Fincher, der zuvor einige Videos von Madonna und Paula Abdul inszeniert hatte und später mit Werken wie Sieben und Fight Club Weltruhm erlangte, durchaus gelungen. Lediglich die veralteten Tricks rund um das nicht sehr überzeugend aussehende Alien mag man sich heute nicht mehr anschauen.

Gefahr von allen Seiten
Das größere Problem ist aber ohnehin der Inhalt. Die Idee, Ripley mit lauter Mördern und Vergewaltigern zusammenzusperren – selbst der Anführer Leonard Dillon (Charles S. Dutton) und Arzt Clemens (Charles Dance) haben ihre Vergangenheit – ist natürlich reizvoll. Denn wenn von deinen Mitstreitern ebenfalls Gefahr ausgeht, bleibt nicht viel Raum für ein bisschen Ruhe. Es wird nur kaum etwas daraus gemacht. Die Insassen sind frei von jeglicher Persönlichkeit, die Annäherung von Ripley und Dillon bleibt völlig ohne Motivation, der eigenartige Kult, der im Gefängnis das Sagen hat, spielt letztendlich überhaupt keine Rolle. Anders als bei Alien seinerzeit, das viel Zeit in die Etablierung der Figuren investierte und deren Ableben dadurch bedeutsam machte, ist einem hier völlig egal, was letztendlich passiert.

Gegen Ende hin gibt es natürlich noch diese eine Wendung, welche das Potenzial gehabt hätte, den Film in eine völlig neue Richtung zu drehen. Doch das kommt zu spät, es fehlt auch die Idee, wie sich das Ganze irgendwie nutzen ließe. Eine Katastrophe ist Alien 3 deshalb nicht. Das bereits etablierte Konzept funktioniert prinzipiell auch beim dritten Anlauf, das Monster sieht noch immer schön widerwärtig aus und Weaver weiß ohnehin, wie sie ihre Rolle zu spielen hat. Der Film ist nur leider recht langweilig und kann trotz der vielen Vorlagen und Vorbilder nie einen wirklichen Daseinsgrund aufzeigen, warum es diesen dritten Teil gebraucht hat. Und das ist nach den beiden ersten Teilen, die jeweils auf ihre Weise Hochspannung erzeugten, schon eine größere Enttäuschung.

Alien 3
3.56 (71.11%) 18 Artikel bewerten

Alien 3
„Alien 3“ schließt inhaltlich nahtlos an den Vorgänger an und sucht eine Art Mittelweg zwischen den ersten beiden Teil. Das Konzept funktioniert prinzipiell, auch das Setting einer Strafkolonie ist interessant gewählt und sieht zeitweise gut aus. Der Film selbst ist aber langweilig, da er nicht wirklich was aus dem Szenario herausholt und viel zu wenig in die Figuren investiert, als dass dabei irgendwie Spannung entstehen könnte.
5von 10

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