Our House 2018

„Our House“ // Deutschland-Start: 1. März 2019 (Netflix)

Von einem Tag zum nächsten ist für Ethan (Thomas Mann), Becca (Kate Moyer) und Matt (Percy Hynes White) nichts mehr so, wie es war. Ein Autounfall ist es, der ihre Eltern das Leben kostet und die drei als Waisen zurücklässt. Nun liegt es an Ethan, die Familie zusammenzuhalten und für seine beiden jüngeren Geschwister zu sorgen. Das bedeutet auch, dass er seine Forschungen im Bereich der Elektrizität nun zu Hause fortsetzen muss. Statt des erwarteten Effekts führt seine Erfindung aber immer wieder zu unheimlichen und unerklärlichen Vorfällen. Bis er irgendwann eine Idee hat: Sein Gerät erlaubt es ihm, Kontakt zu den Toten aufzunehmen. Und damit natürlich auch zu seinen Eltern.

Wenn Tote wieder zum Leben erwachen, dann bedeutet das normalerweise nichts Gutes – zumindest nicht in Filmen. Ob es nun menschenfressende Zombies sind, die in Horden über einen herfallen, oder schlecht gelaunte Rachegeister, die den Lebenden das Leben verübeln, der Horrorbereich ist voller Beispiele, die zeigen: Mit dem Tod sollte doch besser als vorbei sein. Während die obigen Gefahren aus der Unterwelt meistens als solche ganz gut zu erkennen sind, gibt es aber doch auch immer wieder solche, die die sich ein bisschen verstecken. Die beispielsweise so tun, als wollten sie dir etwas Gutes, obwohl sie ganz finstere Dinge im Schilde führen.

Das Menschliche des Geisterfilms
Dass damit vor allem Kinder gern reingelegt werden, ist klar. Sie wissen es ja nicht besser, dürfen es meistens auch den Erwachsenen nicht verraten. Our House entledigt sich dieses potenziellen Spoilers, indem einfach die Erwachsenen gleich zu Beginn aus der Geschichte geworfen werden. Das ist konsequent und irgendwie auch fast schon clever. Vor allem aber erlaubt es das, eine Geistergeschichte zu erzählen, die – im Rahmen des Fantastischen – tatsächlich glaubwürdig ist. Denn wenn hier drei Kinder um ihre plötzlich gestorbenen Eltern trauern, dann ist das mehr als verständlich. Bevor man sie gar nicht mehr hat, nimmt man dann schon mal herumschleichenden Nebel als Ersatz.

Als Drama funktioniert Our House dann auch sehr gut. Man nimmt den drei Jungdarstellern ihren Schmerz ab, ihre Eltern auf so schreckliche Weise verloren zu haben. Ebenso die Sehnsucht danach, dass es wieder so wie früher ist. Und wenn die Ereignisse die drei zusammenschweißen, sowohl der Tod wie auch die seltsamen Erfahrungen, dann geht auch das ein wenig zu Herzen. Sehr viel mehr zumindest als bei den meisten Horrorfilmen, bei denen die Figuren so blutleer bleiben, dass es auf einen mehr oder weniger nicht mehr ankommt.

Schrecken aus der Konserve
Als Horrorfilm ist der Beitrag des Fantasy Filmfests 2018 hingegen nicht wirklich etwas Besonderes. Drehbuchautor Nathan Parker (Moon, Equals – Euch gehört die Zukunft) fielen offensichtlich nicht so viele Möglichkeiten ein, das Publikum zu ängstigen. Also gibt es eine Aneinanderreihung von Standardszenen, die allenfalls durch die hübsch seltsame Maschine von Ethan ein wenig aus der Reihe tanzen. Zum Ende hin dreht das Ganze noch ein wenig mehr auf, was dem Film aber ebenfalls nicht so wahnsinnig viel bringt, da es die besagten schönen leisen Zwischentöne überlagert.

Aber irgendwie ist Our House dann doch ein ganz sympathischer Film. Keiner, der sich aus der Masse der Konkurrenz wirklich herauskämpfen könnte, dafür ist er zu ruhig, zu unspektakulär, zu sehr auch den Indie-Wurzeln verhaftet. Wer aber genug hat von den ganzen Vertretern, die eben nur mit lauter Musik und Scare Jumps arbeiten, der kann ruhig in diesem Haus einmal vorbeischauen. Denn derart menschlich geht es im Geisterbereich nur selten zu.

Our House (2018)
4.2 (84%) 10 Artikel bewerten

Our House (2018)
Drei Geschwister verlieren schon früh ihre Eltern durch einen Autounfall und sind nun auf sich allein gestellt: „Our House“ funktioniert recht gut als Familiendrama. Als Horrorfilm ist die Geschichte um ein Gerät, das den Kontakt zu den Toten ermöglicht, hingegen relativ gewöhnlich. Aber es erfüllt seinen Zweck, als menschlicher Vertreter des Genres ist das hier sicher einen Blick wert.
6von 10

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