„The Workers Cup“, UK, 2017
Regie: Adam Sobel

The Workers Cup

„The Workers Cup“ läuft im Rahmen des 15. 11mm International Football Film Festival Berlin (22. bis 26. März 2018)

Es ist eine Szene, wie sie Sepp Blatter liebt. Er steht da oben auf der Bühne, die Scheinwerfer sind auf ihn gerichtet, dazu donnernder Applaus. Der Schweizer hat gerade verkündet, dass Katar die Fußball Weltmeisterschaft 2022 austragen wird. Von dem Glanz dieses Moments ist inzwischen nicht mehr ganz so viel übrig. Dass es bei der Vergabe nicht um sportliche Aspekte ging, ist auch bei Nicht-Sport-Fans angekommen. Ebenso, dass die FIFA es grundsätzlich nicht so mit ethischen Bedenken hat, sobald Geld ins Spiel kommt. Vor allem aber Katar ist zur Zielscheibe von massenhaft Kritik geworden, als bekannt wurde, dass die Menschen, die an den Stadien arbeiten, dies unter unmenschlichen Bedingungen tun müssen. Von moderner Sklaverei ist gar die Rede.

Die Dokumentation The Workers Cup, welche das 15. Internationale Fußballfilmfestival 11mm Ende März 2018 eröffnet, hat zu dieser Sklaverei einiges zu sagen. Einige der Details sind geradezu absurd: Menschen, die ohne Erlaubnis ihres Arbeitgebers nicht die Stelle wechseln oder ins Ausland fahren dürfen, das hört sich nicht gerade nach Neuzeit an. Und auch die ungemein hohen Anforderungen, die erfüllt werden müssen, damit die Frauen der Arbeiter in das arabische Emirat nachfolgen dürfen, zeugen nicht unbedingt von großem Respekt den Arbeitern gegenüber. Was eigentlich unglaublich ist, da es 1,6 Millionen Arbeiter sind – 60 Prozent der derzeitigen Bevölkerung.

Geschichten, die das Leben erzählen
Ganz so viele kommen in The Workers Cup natürlich nicht zu Wort. Aber es sind doch eine ganze Reihe von Einzelschicksalen, die Regisseur Adam Sobel hier vor die Kamera holt. An großen Vorträgen hat der Filmemacher bei seinem Langdebüt nämlich kein Interesse. Dann und wann blendet er Zahlen oder allgemeine Infos ein wie die besagten 1,6 Millionen. Ansonsten zieht er es vor, die Arbeiter ihre eigenen Geschichten erzählen zu lassen. Die sind zwangsweise persönlich, teils auch sehr individuell, fügen sich dann aber doch zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, was es denn bedeutet, an den WM-Stadien zu arbeiten.

Es ist aber nicht der reine Alltag der Arbeiter, der hier gezeigt wird. Zur Bespaßung der Leute wird in den Stadien nämlich ein eigenes Turnier organisiert. Allerdings sind es keine Nationalmannschaften oder irgendwelche Topteams aus aller Welt, die hier zusammenfinden. Es sind die Arbeiter selbst, die hier spielen. Das ist auf der einen Seite eine nette Idee, hinterlässt gleichzeitig aber auch einen unangenehmen Nachgeschmack. Geht es hier wirklich darum, Menschen eine Freude zu machen? Oder sollen sie einfach abgelenkt werden, damit sie nicht gegen die Unterdrückung rebellieren?

Zwischen Freud und Leid
Sobel selbst lässt das offen, so wie er sich allgemein weitestgehend heraushält, nichts direkt bewertet. Für die Arbeiter bedeutet es zumindest, wieder ein wenig träumen zu dürfen, mehr zu sein als eine anonyme Kraft. Es hat sogar etwas Rührendes, wie hier die verschiedensten Nationen – etwa Ghana, Nepal und Indien – plötzlich in einer Mannschaft spielen. Solidarität und Teamgeist, geboren aus einer gemeinsamen Lage. Aber auch Rivalität und Animosität, kleinere rassistische Anmerkungen bleiben nicht aus. Trotz kleinerer unschöner Momente: The Workers Cup lässt uns an dem Leben teilhaben, mitfühlen und mitträumen. Und auch wenn 2022, wenn die Spiele beginnen und wir ganz anderweitig beschäftigt sein werden, so zeigt uns die Doku doch für einen kleinen Moment, was es bedeutet, wenn wir die WM schauen. Wem wir sie verdanken. Dass es eben doch mehr ist, als auf einer Bühne zu stehen und sich beklatschen zu lassen.



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The Workers Cup
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The Workers Cup
„The Workers Cup“ zeigt uns die Menschen, die in Katar die Stadien für die WM 2022 bauen. Die prekären Verhältnisse werden nicht verschwiegen. Anstatt über die Lage zu urteilen, überlässt die Doku aber lieber den Arbeitern das Wort, deren persönlichen und teils bewegenden Schicksale sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzen.
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