„Kevin Roche: The Quiet Architect“, Irland, 2017
Regie: Mark Noonan

Kevin Roche

„Kevin Roche – Der stille Architekt“ läuft ab 8. März 2018 im Kino

Einen der größten Lacher hat sich Kevin Roche – Der stille Architekt ganz bis zum Schluss aufgehoben. Knapp achtzig Minuten dauerte die Dokumentation zu dem Zeitpunkt schon an. Da verkündet das Architektururgestein Kevin Roche, er würde dann jetzt ins Büro gehen, wenn sie fertig werden – zum Entsetzen seiner Frau, die während des Interviews neben ihm sitzt. Andererseits, sie ist ihn gewohnt, diesen Arbeitseifer ihres Mannes, der auch vor dem hohen Alter nicht Halt machte. Immerhin, so verrät der Abspann, jetzt mit über neunzig Jahren verzichtet er darauf, samstags zur Arbeit zu gehen. Ansonsten ist der in Irland geborene Amerikaner aber nicht zu bremsen, so wie er nie zu bremsen war.

Der irische Regisseur Mark Noonan (Familienbande) folgt dem rüstigen Altmeister, unterhält sich mit ihm und seiner Frau, weiteren Weggefährten und auch Experten auf dem Gebiet der Architektur. Das Ziel ist klar: Kevin Roche einerseits als wegweisende Ikone etablieren, gleichzeitig aber auch dessen Bescheidenheit hervorheben. Er selbst habe sich nie als Stararchitekt gesehen, sagt Roche an einer Stelle. Und überhaupt versucht er, seine eigene Bedeutung etwas herunterzuspielen – deswegen auch der Nebentitel Der stille Architekt.

Ein Architekt wie du und ich
Für den Zuschauer ergibt sich auf diese Weise das Bild eines freundlichen, inzwischen sehr betagten Herren. Einer ohne große Allüren. Ein pragmatischer Mann, ein Mann des Volkes. Als es darum ging, ein Kongresszentrum in Dublin zu bauen, reiste er um die ganze Welt, schaute sich andere Beispiele an. Vor allem aber befragte er die Leute, die dort arbeiteten, um zu erfahren, welche Anforderungen sie denn an ein solches Gebäude haben. Das Zentrum, es sollte nicht nur schick aussehen, sondern eben auch funktionieren. Eine der lustigen Anekdoten besagt, dass er und sein rein männliches Team weibliche Angestellte zu ihren Toilettengewohnheiten, da sie selbst noch nie auf einer Damentoilette waren.

Das ist amüsant, auch informativ, scheut aber jegliche Form von Kontroverse. Wo der kürzlich gestartete Big Time auch die weniger attraktiven Seiten des dänischen Architekturkollegen Bjarke Ingels aufzeigte und somit ein höchst menschliches Porträt schuf, bleibt das hier dann doch lieber an der Oberfläche. Die einzige kritische Auseinandersetzung mit Roche, die liefert er selbst, als er einen Leserbrief vorliest. Darin bezeichnete eine Leserin seine Werke als Totgeburten und echauffierte sich darüber, wie diese auch noch mit einem wichtigen Architekturpreis ausgezeichnet werden können.

Schön und sympathisch
Es ist eine alte Aufzeichnung, so wie Noonan einige alte Aufzeichnungen einbaut. Doch sie bleibt leider unkommentiert, dient lediglich der Erheiterung und weiteren Steigerung des Sympathiefaktors. Damit ist die Doku eine der vielen, die sich ein bisschen zu sehr vor ihrem Thema verneigen, teilweise mehr Imagefilm als Auseinandersetzung sind. Immerhin aber ist es ein kurzweiliger und schön anzusehender Imagefilm, der uns mit Bildern von Roches Werken verwöhnt, auch mit der einen oder anderen schicken Kamerafahrt. Wer sich für das Thema interessiert, mehr erfahren möchte, ohne den Anspruch auf kritische Zwischenfragen zu hegen, der lernt und sieht hier genug, um sich die achtzig Minuten gut zu vertreiben.

Kevin Roche – Der stille Architekt
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Kevin Roche – Der stille Architekt
„Kevin Roche – Der stille Architekt“ beleuchtet das Werk des Architektur-Urgesteins näher, lässt ihn und andere zu Wort kommen und zeigt auch die Gebäude selbst. Das ist informativ und amüsant, teils auch sehr schön anzusehen, vermeidet aber eine tatsächliche Auseinandersetzung. Die Doku gleicht dadurch teils eher einem Imagefilm als einem Porträt.
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