„It Comes at Night“, USA, 2017
Regie: Trey Edward Shults; Drehbuch: Trey Edward Shults; Musik: Brian McOmber
Darsteller: Joel Edgerton, Carmen Ejogo, Kelvin Harrison Jr., Christopher Abbott, Riley Keough

It Comes at Night

„It Comes at Night“ läuft ab 18. Januar 2018 im Kino

Eine schreckliche und ansteckende Krankheit hat der Menschheit schwer zugesetzt und weite Teile ausgelöscht. Paul (Joel Edgerton), Sarah (Carmen Ejogo) und der gemeinsame Sohn Travis (Kelvin Harrison Jr.) gehören zu den wenigen, die bislang Glück hatten, und leben zurückgezogen in einem Haus im Wald. Diese Ruhe wird gestört, als sie eines Tages Will (Christopher Abbott) begegnen, der für sich, seine Frau Kim (Riley Keough) und den kleinen Andrew (Griffin Robert Faulkner) nach Wasser sucht. Etwas widerwillig gewährt ihnen Paul Unterschlupf und erhält im Austausch dringend benötigte Nahrung. Doch das Zusammenleben gestaltet sich schwierig, die Furcht vor einer Ansteckung bleibt groß.

Kommerziellen Ausreißern wie Es oder Get Out zum Trotz: Das Horrorgenre spricht in den USA meistens eine kleinere, dafür sehr treue Zielgruppe an. Viele kleinere Werke wurden zu wahren Goldgruben, nirgends sonst stehen einem winzigen Budget derart oft große Einnahmen entgegen. Die Filme müssen nicht einmal zwangsläufig gut sein, wie die Haischinken The Shallows – Gefahr aus der Tiefe und 47 Meters Down beweisen. Es geht mehr darum, dem Kunden das zu geben, was er will. Bekommt er das nicht, kann ein Streifen noch so gut sein – siehe It Comes at Night –, dann wird es ungemütlich für die Verleihe.

Bekannter Einstieg, ungewisse Zukunft
Schade ist das, doch aber auch nachvollziehbar. It Comes at Night spielt mit vielen Elementen, die das Horrorgenre in den letzten Jahren erfolgreich gemacht hat. Es gibt eine mysteriöse Krankheit, welche wie in Zombiefilmen die Menschheit dahingerafft hat. Paul spricht von einer mysteriösen Tür, die niemand öffnen darf. Albträume prägen das Leben – und die Nächte – der Familie. Waffen gibt es ohnehin mehr als genug, schließlich befinden wir uns im amerikanischen Niemandsland. Da gibt es immer etwas oder jemanden zu erschießen.

Und doch hat Trey Edward Shults hier eine andere Art von Film gedreht, als es das Szenario erwarten lässt. Inspiriert von einigen Klassikern oder auch dem düsteren Gemälde „Der Triumph des Todes“ des flämischen Malers Pieter Bruegel der Ältere taucht der Regisseur und Drehbuchautor tief ein in die menschlichen Abgründe. Wenn Vergleiche zu zeitgenössischen Filmen anstehen, dann eher zu solchen wie The Survivalist, die in erster Linie von den Menschen handelt, welche nach der Katastrophe ein neues Leben suchen. Oder überhaupt ein Leben. Jeder ist sich selbst der Nächste. Aber was, wenn man nicht einmal diesem Nächsten noch trauen kann?

Ruhiger und tragischer Blick in die Abgründe
Das ist nicht unbedingt befriedigend für Zuschauer, die viel Action wollen oder zumindest Antworten auf ihre Fragen. It Comes at Night ist einer dieser Horrorvertreter, die ihr (Un-)Heil im Unausgesprochenen suchen. In Andeutungen. In Schatten. Gerade auch weil Shults das Publikum über vieles im Unklaren lässt – Herkunft der Katastrophe, die Tür, die Neuankömmlinge –, die Geschichte zudem in einem unübersichtlichen Wald spielt, fühlt man sich hier fast nie sicher. Man weiß hier nie so recht, woher die Bedrohung kommt, wie die Bedrohung überhaupt aussieht. Spannend ist der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2017 deshalb trotz ihres ruhigen Charakters. Aber eben auch tragisch, denn in einer Welt der kontinuierlichen Bedrohung verliert der Mensch schnell seine Menschlichkeit.

It Comes at Night
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It Comes at Night
„It Comes at Night“ konnte das Horrorpublikum nur sehr bedingt überzeugen und ist doch einer der sehenswertesten Vertreter der letzten Zeit. Spannung wird hier durch eine kontinuierliche Bedrohung erzeugt, von der man nicht sagen kann, woher sie eigentlich kommt. Für Actionfreunde ist das jedoch weniger geeignet, der ruhige Film erzählt von dem tragischen Verlust von Menschlichkeit nach der Apokalypse.
8von 10

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