„The Post“, USA, 2017
Regie: Steven Spielberg; Drehbuch: Liz Hannah, Josh Singer; Musik: John Williams
Darsteller: Meryl Streep, Tom Hanks, Bob Odenkirk

Die Verlegerin

„Die Verlegerin“ läuft ab 22. Februar 2018 im Kino

Als Katharine Graham (Meryl Streep) nach dem Selbstmord ihres Mannes in den 1970ern die Washington Post übernimmt, steht sie vor gewaltigen Aufgaben. Schon länger kriselt die von ihrer Familie gegründete Tageszeitung, der Gang an die Börse soll das nötige Geld bringen, um die Geschäfte weiterzuführen. Da bietet sich ihr ein gewaltiger Coup: Post-Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) und sein Reporter Ben Bagdikian (Bob Odenkirk) haben wie andere Zeitungen auch brisante Dokumente über Amerikas Rolle im Vietnam-Krieg enthalten. Doch die US-Regierung versucht mit aller Macht, die Veröffentlichung dieser Dokumente zu verhindern und droht mit harten Gefängnisstrafen, es könnte sogar das Ende der Washington Post bedeuten. Katharine muss sich entscheiden: Will sie ihren journalistischen Pflichten nachkommen und die Pressefreiheit verteidigen? Oder lieber das Familienunternehmen und dessen Mitarbeiter schützen?

Der Zeitpunkt könnte wohl kaum besser sein: Während Donald Trump nicht müde wird, jegliche journalistische Kritik an ihm als Lüge abtun zu wollen und sogar eigene Lügen-Awards plant, stehen traditionelle Medien mit dem Rücken zur Wand, da das bisherige Geschäftskonzept heute nicht mehr wirklich funktioniert. Eine US-Regierung, welche die Pressefreiheit mit Füßen treten will, finanzielle Existenzängste – da braucht es nicht viel, um die Parallelen zwischen Die Verlegerin und der heutigen Situation zu ziehen. Das war es auch, was Steven Spielberg an dem Script reizte, so sehr reizte, dass er den Film letztes Jahr kurzfristig dazwischenschob, während er eigentlich an Ready Player One arbeitete. Und dass sich die Geschichte wiederholt, daran lässt er auch innerhalb des Films keinen Zweifel.

Einsatz für den Journalismus
Das ist nicht unbedingt subtil, Spielberg spricht die ihm wichtigen Punkte lieber einmal zu viel als einmal zu wenig an. Selbst in seinen engagierten Momenten bleibt er eben doch ein Regisseur, der das große Publikum im Auge hat. Andererseits ist es vielleicht genau das, was es heute braucht. In einer Zeit, in der es einfach wie nie ist, mit Lügen ein ganzes Land zu überziehen, ist es wichtig daran zu erinnern, was journalistische Integrität und Unabhängigkeit eigentlich bedeutet. Dass da eben mehr dahintersteckt als 144 Zeichen und 2-Minuten-Videos.

Schön ist dabei, dass Spielberg auch der Gegenposition viel Platz einräumt. Wenn innerhalb der Washington Post die Positionen zu einer möglichen Veröffentlichung gespalten sind, dann nicht weil deren Gegner reine Opportunisten sind. Eine mögliche Gefängnisstrafe wegen Landesverrates steckt man dann doch nicht so leicht weg. Katherine riskierte zudem das ihr anvertraute, mühsam aufgebaute Familienunternehmen zu zerstören. Die Verlegerin wird dann auch nicht müde, die Rolle der Zeitungschefin zu betonen, sie für ihren Mut zu ehren und sie als Ikone des Feminismus aufzubauen. Dass sie eigentlich gar nicht der Typ dafür ist, sie sich mehrfach als unsicher und gar tollpatschig zeigt, macht sie als Figur umso sympathischer.

Auf die Idee kommt es an
So ganz hält sich Die Verlegerin nicht an die Wahrheit, wenn die Rolle der New York Times ein wenig bagatellisiert wird. Und das ist auf eine bittere Weise ironisch bei einem Film, der viel von der Bedeutung spricht, die Wahrheit sagen zu können, zu dürfen und zu müssen. Aber es ist hier dann doch der Wille, der zählt. Zudem weiß Spielberg immer noch, wie man einen unterhaltsamen, sogar packenden Film dreht. Obwohl das Ergebnis um die sogenannten Pentagon Papers nun wahrlich kein Geheimnis sind, sind die einzelnen Schritte von dem ersten Leak bis zur finalen Veröffentlichung sehr spannend aufbereitet, gerade zum Ende hin spürt auch der Letzte die Dringlichkeit des Unternehmens. Wie viel hier auf dem Spiel steht.

Spielberg braucht dafür nicht einmal viel Action. Die Verlegerin erinnert daran, dass Thriller nicht zwangsweise ein riesiges Waffenarsenal und Schnittgewitter brauchen. Manchmal reicht es, ein paar Leute in ein Zimmer zu stecken und sie miteinander reden zu lassen. Das ist natürlich irgendwo altmodisch. Aber der Film will eben auch nichts anderes sein, trotz der aktuellen thematischen Relevanz. Er ist eine Verneigung vor einem historisch wichtigen Kampf und gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an das Zeitungsmachen von früher – immer wieder nimmt uns der Regisseur mit in die Redaktionsbüros, zeigt uns auch die technischen Seiten des Drucks. Und zu guter Letzt hat sich der Filmemacher mit ebenso versierten Schauspielveteranen umgeben. Die mehrfach oscarprämierten Schwergewichte Meryl Streep und Tom Hanks werden zurzeit mal wieder mit Nominierungen überschüttet. Und das auch zu Recht: Bei ihnen werden die Zeitungsverlegerin und der Chefredakteur zu mehr als nur Positionen. Sie erinnern daran, dass hinter jeder News, jedem Artikel, jeder Schlagzeile, am Ende ein Mensch steht.

Die Verlegerin
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Die Verlegerin
„Die Verlegerin“ ist ein bewusst altmodischer Film über ein lang zurückliegendes Ereignis, gedreht von einem Regieurgestein, in der Hauptrolle zwei Schauspielveteranen. Und doch ist der Kampf um die Pressefreiheit in den 1970ern von einer kaum zu übersehenden Aktualität. Das ist nicht immer subtil, aber doch spannend, zeigt auch sehr schön die menschliche Komponente dieses historischen Kampfes.
8von 10

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