(OT: „Gekijōban Perusona 3 Dai San Shō“, Regie: Keitaro Motonaga, Japan, 2015)

Persona 3 Falling DownBei einem seiner letzten Einsätze musste das S.E.E.S.-Team schwere Verluste hinnehmen. Doch immerhin ist ein Ende des Alptraums ins Sicht: Sobald sie alle zwölf Endgegner besiegt haben, sollte der Spuk vorbei sein. Aus dem finsteren Tartaros-Turm sollte dann nachts wieder eine ganz normale Schule werden, die gefährlichen Schatten werden endgültig verschwinden. Das zumindest war es, wovon alle ausgegangen sind. Dabei konnten Yuki und die anderen aber nicht ahnen, dass jemand ein falsches Spiel mit ihnen getrieben hat. Die Abenteuer nehmen also kein Ende. Und auch privat geht es turbulent weiter: Junpei verliebt sich in Chidori, obwohl sie eigentlich seine Feindin sein sollte. Und Yuki wird fortlaufend von einem neuen Mitschüler namens Ryoji bedrängt – was vor allem von Aegis gar nicht gern gesehen wird.

Videospiele und Filmadaptionen, das ist oft kein wirklich schönes Erlebnis. Meistens scheitern sie daran, dass der Reiz der Vorlage darin liegt, selbst aktiv an der Geschichte teilzunehmen. Wird sie jedoch nur erzählt, man selbst zum passiven Zuschauer degradiert, offenbaren sie, wie wenig an ihnen dran ist. Am ehesten bieten sich daher noch Spiele mit viel Inhalt an, Rollenspiele zum Beispiel. Und tatsächlich sah es bei „Persona 3“ anfangs noch so aus, als würde hier mal die Ausnahme der Regel bestätigt. Zumindest der erste Teil Spring of Birth gefiel durch seine mysteriöse Stimmung. Wer das Original nicht gespielt hatte, durfte sich unentwegt fragen, was denn dran ist an dieser eigenartigen Dark Hour und den umherirrenden Schatten, den makaberen Särgen.

Was vom Leben übrigblieb
Im zweiten Teil Midsummer Knight’s Dream wurden jedoch bereits die Grenzen einer solchen Adaption deutlich. Zum einen war das Spiel eben doch mehr als seine Geschichte. Die launigen Social Links, in denen es darum ging, sich mit anderen Leuten anzufreunden und das Verhältnis zu intensivieren? Das fällt praktisch völlig weg. Und auch der Schulalltag spielt keine Rolle mehr. Geblieben ist ausgerechnet eine Onsen-Szene, die wie die Strandszene im Vorgänger zu den schlimmsten Animeklischees gehört, welche das Spiel hergab. Sich genau darauf zu konzentrieren, ist zwar angesichts der neu entdeckten größeren Zielgruppe verständlich, aber doch recht schade – „Megami Tensei“ war aufgrund der düsteren Elemente eine Ausnahmereihe gewesen. Das wird hier zu schnell vergessen.

Das soll nicht bedeuten, dass Falling Down zu einem 08/15-Anime mutiert wäre. Düster ist auch der dritte Teil, an mehreren Stellen sogar regelrecht tragisch. Doch hier liegt das zweite Problem der Animeadaption: Die Zeit reicht hinten und vorne nicht. Rund 100 Stunden musste jeder schon mitbringen, der das Ende des Spiel sehen wollte. Das in nur sechs Stunden – alle vier Filme zusammengezählt – wiedergeben zu wollen, das konnte nicht wirklich gutgehen. Schon Midsummer Knight’s Dream hatte damit zu kämpfen, dass viele wichtige Ereignisse nur im Zeitraffer ihre Erwähnung finden. Wenn sie nicht gleich ganz weggelassen werden. Das ist hier noch mal schlimmer: Wer das Spiel nicht kennt oder parallel Erklärungen liest, hat kaum eine Chance, die Geschichte ganz zu verarbeiten. Zu gehetzt ist das alles, zu sehr in Stücke gehackt. Darunter leiden auch die Figuren, die hier nicht mehr als eine Erinnerung an ihre Vorlagen sind.

Ein zu kurzes Vergnügen
Bei den Kämpfen sieht es nicht besser aus. Dieses Mal übernahm Keitaro Motonaga (Jormungand, Katanagatari) die Regie, der dritte in drei Filmen. Aber auch er schafft es nicht, der Besonderheit der Spiele – die vielen unheimlichen bis grotesken Dämonen und Monster – wirklich gerecht zu werden. Ein paar neue sieht man hier zwar, um der steigenden Erfahrung des Teams Tribut zu zollen. Die Auftritte sind aber maximal wenige Sekunden lang, man bekommt auch nicht wirklich etwas zu sehen. Dabei ist die Optik sonst eigentlich ganz ordentlich. Das Animationsstudio A-1 Pictures (Fairy Tail: Dragon Cry, Sword Art Online – Ordinal Scale) fängt mit seinen vielen Variationen aus Grün und Schwarz die Stimmung des Spiels gut ein. Dazu gibt es ein paar nette Effekte und die bewährten Designs von „Persona 3“. Wer das Spiel liebt, kann deshalb erneut zugreifen, um seine Helden noch einmal in Aktion zu sehen. Als eigenständiger Film bietet Falling Down jedoch zu wenig, trotz der gelungenen Atmosphäre.

Persona 3 The Movie: #3 Falling Down
3.95 (79%) 20 Artikel bewerten

Persona 3 The Movie: #3 Falling Down
„Falling Down“ hat wie auch schon der zweite Teil der Spieleadaption damit zu kämpfen, dass die Zeit nicht reicht, um die Geschichte wirklich zu erzählen. Die Ereignisse sind durch die extremen Kürzungen unbefriedigend bis unverständlich, die Kämpfe dauern nur wenige Sekunden. Da hilft auch die gelungene düstere Atmosphäre wenig.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.