(OT: „Gekijōban Perusona 3 Dai Ni Shō“, Regie: Tomohisa Taguchi, Japan, 2014)

Persona 3 Midsummer Knights DreamDer erste Schock ist überwunden, zwischenzeitlich haben sich Junpei Iori, Akihiko Sanada, Fuka Yamagishi, Mitsuru Kirijo Makoto Yuki und Yukari Takeba an die seltsamen Vorkommnisse gewöhnt: Jede Nacht verwandelt sich die Schule in einen mysteriösen Turm, der von gefährlichen Monstern bevölkert ist. Während sich die Truppe schrittweise nach oben kämpft und das eine oder andere Rätsel löst, droht bereits neues Ungemach. Denn sie sind nicht die einzigen, die während der Dark Hour umherstreifen. Während die Mitglieder von S.E.E.S. jedoch versuchen, dem Spuk ein Ende zu setzen, verfolgen die anderen eigene, finstere Ziele. Zum Glück bekommen die Helden aber bald Zuwachs. Sehr unerwarteten Zuwachs.

Während in der Spielerwelt die Reihe „Persona“ von Mal zu Mal größer wird, aus der reinen Nischenveranstaltung längst ein bedeutendes Franchise wurde, scheint das deutsche Interesse an den Animeadaptionen eher gering zu sein. 21 Monate ist es bislang her, dass mit Spring of Birth der erste von vier Filmen zu „Persona 3“ hierzulande erschien. Von den drei anderen Filmen fehlt aber jede Spur, die Umsetzungen der anderen Spiele aus Megami Tensei lassen sich ebenfalls nicht blicken. Dabei war der filmische Einstieg seinerzeit durchaus interessant gewesen: Wer nicht die Spielegrundlage kannte, durfte sich kräftig fragen, was es denn mit den geheimnisvoll umherwabernden Schatten so auf sich hatte.

Fragwürdige Prioritäten
In Midsummer Knight’s Dream kommen wir der Auflösung schon einmal einen ganzen Schritt näher. Später zumindest. Anfangs haben sich die Verantwortlichen bedauerlicherweise dafür entschieden, ausgerechnet die mit den meisten Klischees behaftete Szene des Spiels – die Strandszene – ausführlich zu behandeln. Das wird all die freuen, die sich gerne Animes aus der Schablone anschauen. Ärgerlich ist das jedoch weniger wegen der alten Witze und der generellen Austauschbarkeit der Szene. Ärgerlich ist es, weil die viel interessanteren Aspekte der Vorlage kaum Beachtung finden.

Dass beispielsweise die kuriose, vielfältige und sehr umfangreiche Schar an Dämonen, Gottheiten und sonstiger übernatürlicher Wesen, für die Megami Tensei bekannt ist, hier praktisch keine Rolle spielen, das lässt einen schon ziemlich schlucken. Auch der Velvet Room ist nahezu vollständig verschwunden. Fanfavoriten wie Jack Frost? Unauffindbar. Allgemein wurden die Kämpfe, die im Original immerhin rund die Hälfte der Spielzeit ausmachen, größtenteils übergangen. Allenfalls einige der Endkämpfe werden mal angesprochen, sind in Sekundenschnelle aber auch schon wieder vorbei.

Bilder gut, Stimmung gut
Diese Sekunden sind dafür immerhin ordentlich gelöst. Allgemein hat das Animationsstudio A-1 Pictures (Fairy Tail: Dragon Cry, Sword Art Online – Ordinal Scale), welches beim zweiten Teil übernahm, gute Arbeit geleistet. Die eigenartige Stimmung des Spiels, mit seinen vielen unheimlichen Grüntönen, wurde grundsätzlich eingefangen – auch wenn der Humor manchmal etwas störend wirkt. Das bringt aber nichts, wenn der Inhalt eher enttäuscht. Dass er das hier tut, ist hausgemacht. Oder besser: zeitgemacht.

Etwas mehr als anderthalb Stunden dauert der zweite Teil und muss innerhalb dieser Zeit Monate überbrücken, die im Spiel ablaufen. Für den Alltag und die vielen fesselnden Nebengeschichten bleibt da wenig übrig. Nimmt man „Persona 3“ aber beides weg, die Kämpfe und das soziale Leben, nimmt man dem Spiel seine Seele. Lediglich die Haupthandlung wird dann noch abgehandelt. Die war aber schon in der Vorlage nicht überragend, verliert in der stark zusammengestauchten, gehetzt erzählten Fassung noch zusätzlich an Reiz. Fans, die gerne eine passive, abgespeckte Version ihrer Lieblinge ins Regal stellen wollen, können dies anhand des UK-Imports tun. Im Vergleich zum Spiel ist dies jedoch nur zweite Wahl.

Persona 3 The Movie: #2 Midsummer Knight’s Dream
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Persona 3 The Movie: #2 Midsummer Knight’s Dream
Nach dem stimmungsvollen Einstieg beim ersten Film baut „Persona 3“ im zweiten Film deutlich ab. Größtes Problem ist die knappe Zeit, welche viele Elemente raubt, welche das Spiel seinerzeit auszeichnete. Übrig bleibt eine gehetzt-gekürzte Fassung einer Geschichte, die schon im Original nicht die Stärke war.
6von 10

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