(OT: „Elstree 1976“, Regie: Jon Spira, UK, 2015)

Elstree 1976

„Elstree 1976“ ist seit 1. September 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis ein Haufen aufrechter Helden, die einen großen Traum hatten: Die nächste Miete zu bezahlen. Nein, keiner der Befragten in Elstree 1976 hatte eine Ahnung, worauf er sich einließ, als er in dem Filmstudio Elstree vorbeischaute. Manch einer von ihnen war nicht mal wirklich Schauspieler, nutzte das Angebot einfach nur, um die Kasse etwas aufzubessern. Mehr als 40 Jahre ist das her, aus dem teils dort gedrehten Star Wars wurde kurze Zeit drauf ein Massenphänomen. Manch einer der zehn profitiert noch heute davon.

Bekannte Namen hat Regisseur Jon Spira in seiner Doku über die Sternensaga kaum vorzuweisen. David Prowse ist da schon das mit Abstand größte Schwergewicht, lieh er damals doch der Rüstung von Darth Vader seinen Körper. Da er aber kein einziges Mal zu hören war, die Sprechrolle selbst James Earl Jones zufiel, war das mit der Anerkennung so eine Sache. In Die Rückkehr der Jedi-Ritter, wenn Vader sein wahres Gesicht zeigt, ist wiederum Sebastian Shaw zu sehen. Viel bleibt unter solchen Umständen nicht übrig vom Sternenglanz. Am liebsten hätte George Lucas den Namen Prowse wohl auch gleich ganz aus den Credits gestrichen.

(Nicht-)Gesichter aus der zweiten Reihe
Die anderen neun Darsteller lesen sich wie ein Who is Who des Who the fuck are you? Anonyme Sturmtruppen sind dabei, eine Bedienung der Cantina auf Mos Eisley, auch ein Freund von Luke Skywalker, der dem Schnitt zum Opfer gefallen ist. Wer bei Elstree 1976 ein bisschen Starluft schnuppern möchte, der ist da an einer völlig falschen Adresse. Und auch die Produktion des Welterfolgs steht nicht wirklich auf dem Programm, Blicke hinter die Kulissen bleiben bildlos. Stattdessen erzählt die Doku die Geschichte eben der Leute, die es nicht geschafft haben. Schauspieler, die oftmals ihre Berufe später aufgegeben haben, wenn überhaupt Nebenrollen im Lebenslauf haben, die so klein sind wie die in Star Wars.

Das gibt Elstree 1976 eine im Grundsatz eher traurige Stimmung. Teilweise geht das mit Bitterkeit einher, einer redet offen von seinen früheren Depressionen. Und doch hat die Doku auch etwas Lebensbejahendes. Schließlich zeigt Spira nicht nur, was aus den Leuten von einst geworden ist, sondern wie sie auf Conventions noch Geld verdienen – bis heute. Die Welt da draußen mag sie vergessen haben, in Fankreisen sind die Menschen hinter Greedo, Boba Fett oder besagtem gestrichenen Freund umjubelte Helden. Einfach weil sie dabei waren.

Von Kult und Kämpfen
Das ist oft natürlich recht kurios, erinnert an die bizarren Auswüchse im Star Trek-Kollegen Get a Life!. Aber weder Spira noch seine Interviewpartner machen sich darüber lustig, wie die Leute sich auf Conventions verkleiden und teils richtig viel Geld für Andenken ausgeben. Warum auch, wenn sie dieses Geld selbst gerne annehmen? Ein bisschen nachgrübeln darf man über diese Form des Kultes schon, auch darüber, wie weit fiktive Figur und Mensch hinter der Maske zusammenhängen. Prowse etwa berichtet davon, wie ein Streit mit Lucas entbrannte, weil er sich als Teil von Darth Vader sah, anstatt diesen nur zu spielen. Interessant sind auch die internen Kämpfe zwischen den Schauspielern, die eine Sprechrolle hatten, und den bloßen Statisten.

Sonderlich weit kommt der Film dabei jedoch nicht. Stattdessen besteht Elstree 1976 zu einem Großteil aus Anekdoten, die mal interessant, mal rührend, mal auch ziemlich banal sind. Überhaupt ist die Doku nur sehr bedingt als Erkenntnisgewinn zu verbuchen. Über Star Wars erfährt man erstaunlich wenig. Fans dürfen aber natürlich trotzdem zugreifen, wenn hier Leute aus dem Nähkästchen plaudern, die alle irgendwo dabei waren, vor langer Zeit in der fernen Galaxis. Leute, deren Beitrag zwar überschaubar ist, aber ein Bindeglied darstellen zwischen den einfachen Menschen im Publikum und den Stars und Sternen dort oben auf der Leinwand.

Elstree 1976
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Elstree 1976
„Elstree 1976“ handelt zwar vom Phänomen „Star Wars“, redet aber kaum darüber. Stattdessen kommen Nebendarsteller zu Wort, die nie wirkliche Stars wurden. Das ist einerseits traurig, aber doch auch irgendwie rührend und voller persönlicher Anekdoten aus dem weiten Umfeld der Sternensaga.
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